Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 104 Kloster Wienhausen, Gemeindekirche 1525

Beschreibung

Schlagglocke. Bronze. Die Glocke hängt unzugänglich im freistehenden Turm der Gemeindekirche oben im Dachreiter. Die erhabene Inschrift verläuft zwischen breiten Zierfriesen mit Kreuzblumen und Stegen um den Glockenhals. Als Worttrenner verschiedene kleine – zum Teil etwas verdrückte oder verwitterte – Reliefs, dargestellt sind der heilige Georg, eine Männer- und eine Frauenbüste, ein Männerkopf sowie Jagdmotive wie Hirsch, Falkner und Greifvogel. Auf dem Glockenmantel auf der einen Seite im Relief Maria mit Kind, auf der anderen Seite ein Christusrelief.

Inschrift nach Fotos Schmidtsdorff.1)

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 76, Nr. 104 - Wienhausen, Gemeindekirche - 1525

 Dietrich Schmidtsdorff, Eicklingen [1/4]

  1. salvator · hete · yck · fry · cord · menten · my · myt · goddes · hlupea) · god · xvc · xxv

Übersetzung:

Salvator heiße ich frei. Cordt Mente goß mich mit Gottes Hilfe 1525.

Kommentar

Der aus einer Braunschweiger Gießerfamilie stammende Cordt Mente war einer der bedeutendsten Geschützgießer seiner Zeit im norddeutschen Raum und fungierte von 1532 bis 1550 als Büchsen- und Zeugmeister der Stadt Braunschweig, später als herzoglicher Zeugmeister in Wolfenbüttel.2) Abgesehen von zahlreichen Geschützen und einigen Glocken goß Mente die Grabplatten für den Dompropst Levin von Veltheim aus dem Jahr 1531 im Hildesheimer Dom und für Herzog Erich I. von Braunschweig-Calenberg in St. Blasius in Hann. Münden aus dem Jahr 1541.3) Die Wienhäuser Glocke ist bislang das früheste für Mente belegte Werk, dessen Wirkungszeit anhand der bekannten Werke vor allem in die 30er und 40er Jahre des 16. Jahrhunderts fällt. Er soll um 1575 verstorben sein. Eine Wirkungszeit von ca. 50 Jahren würde allerdings bedeuten, daß Cordt Mente sehr alt geworden ist und schon sehr früh selbständig gearbeitet hat. Auf einer Glocke und einem Taufbecken in Wolfenbüttel aus dem Jahr 1571 ist er als cordt menten der older bezeichnet,4) was darauf hinweist, daß es gleichzeitig noch einen jüngeren Gießer desselben Namens gab.

Textkritischer Apparat

  1. Statt hulpe.

Anmerkungen

  1. Ich danke Herrn Dietrich Schmidtsdorff (Eicklingen) herzlich dafür, daß er mir seine Fotos der Glocke zur Verfügung gestellt hat.
  2. Ausführlich zu Mente und seinen Werken vgl. DI 58 (Stadt Hildesheim), Nr. 319.
  3. Ebd. u. DI 66 (Landkreis Göttingen), Nr. 145. Für die Stadt Einbeck goß Cordt Mente im Jahr 1541 fünfzehn Geschütze; vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 4648, 52, 53, 56, 58, 59, 65, 77.
  4. Paul Jonas Meier, Die Kunstdenkmale der Stadt Wolfenbüttel. Osnabrück 1978 (Kunstdenkmälerinventare Niedersachsens 8), S. 59 u. 68.

Nachweise

  1. Schmidtsdorff, Glocken, S. 16.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 104 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0010408.