Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 53 Kloster Ebstorf 1480

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Lavatorium.1) Bronze. Die Wanne ist in eine Fensteröffnung der Innenmauer des nördlichen Kreuzgangs eingelassen. Oben am Rand ein Streifen mit der erhaben in vertiefter Zeile gegossenen Inschrift, von dem Inschriftenband abhängender Blattornamentfries unterbrochen von einem Meisterzeichen.

Maße: H.: 19 cm; B.: 215 cm; T.: 58,5 cm; Bu.: 4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 76, Nr. 53 - Ebstorf, Kloster Ebstorf - 1480

 Kloster Ebstorf [1/4]

  1. An(n)o d(omi)ni m cccc lxxx iar do let mi · make(n) her · maties · va(n) d(e)me · knesbeke · en pravest i(n) · ebektorppe · bartelt · v(m)pderrit got · mi [.]v[.]a)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1480 da ließ mich Herr Matthias von dem Knesebeck machen, ein Propst in Ebstorf, Bartelt Umpderrit goß mich ... .

Kommentar

Matthias von dem Knesebeck fungierte als Rat der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg und verfügte über mehrere Pfründen, seit 1460 war er Kanoniker an St. Blasius in Braunschweig. Er amtierte von 1464 bis 1493 als Propst des Klosters Ebstorf und war in seiner Amtszeit um die Durchführung der Klosterreform bemüht, die mit der Wahl der Äbtissin Metta von Niendorf im Januar 1470 eingeleitet wurde.2) Die Wiedereinführung der Vita communis und der Klausur erforderte eine Reihe von Baumaßnahmen, die der Propst veranlaßte. Er umgab das Klosterareal mit einer Mauer und errichtete den sogenannten Herrenflügel des Klosters. Das Lavatorium gehörte zu einem wohl dem Kreuzgang zum Innenhof hin vorgesetzten Bau in der Art einer Brunnenkapelle, die Matthias von dem Knesebeck hatte errichten lassen (unum fornicem fecit extrahi versus cimiterium).3) Ein Grundrißplan von 1718 zeigt diesen Anbau schon nicht mehr.4) Es ist zu vermuten, daß er sich auf der 1727/28 komplett erneuerten nördlichen Kreuzgangseite befand, wo das Lavatorium heute eingebaut ist. Der Gießer Bartelt Umpderrit ist nicht nachweisbar.

Textkritischer Apparat

  1. Die beiden nicht lesbaren Buchstaben verdrückt, bei dem letzten könnte es sich um ein s handeln.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. EBS Ea 20.
  2. Jaitner, Ebstorf, S. 17–20.
  3. Bericht von 1487, vermutlich von einer Ebstorfer Nonne verfaßt, im Klosterarchiv, gedr. bei Borchling, Kloster Ebstorf, S. 405f. Der Bericht erwähnt das Lavatorium und seine Inschrift und vergleicht das Lavatorium, in dem die Ebstorfer Nonnen ihre Hände waschen können, mit dem Ehernen Meer im Tempel Salomonis.
  4. Gedr. in Kloster Ebstorf, S. 212.

Nachweise

  1. Plato, Führer, p. 3.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale Fürstentum Lüneburg, S. 66.
Addenda & Corrigenda (Stand 26. August 2019):

Bei dem Gießer Bartelt Umpderrit handelt es nach Wrede um den in Lüneburg seit 1450 laut Schossregistern in der Grapengießerstraße nachweisbaren Gießer Bartelt van der Rit. Er ist um 1504 verstorben, da 1505 seine Ehefrau an gleicher Stelle aufgeführt ist und 1505 sein Sohn Heinrich van der Rit.1) Dasselbe Gießerzeichen wie auf dem Lavatorium findet sich auf der Viertelglocke im Turm des ehemaligen Hospitals zum Heiligen Geist in Lüneburg, die keine Inschrift trägt und daher auch nicht präzise datiert werden kann, zumal ihre Herkunft nicht bekannt ist.

Anmerkungen

  1. 1.StA Lüneburg, ND Wrede (Nachlass Hermann Wrede), Nr. 7.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 53 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0005306.