Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 48 Kloster Wienhausen 1468

Beschreibung

Kelch.1) Silber, vergoldet. Ohne Marken und Beschauzeichen. Der Kelch ist im Museum ausgestellt. Der Sechspaßfuß steht auf einer Sockelplatte und einer hohen Zarge mit durchbrochenem Rautenornament. Auf dem Fuß ein graviertes Kreuz mit aufgesetztem plastischen Corpus, oben am Kreuz der Titulus A. Um den Fuß windet sich ein graviertes Schriftband mit der Inschrift B, die Worttrenner in Form von Sternchen. Am Fußhals ein Fries mit hängenden Kreuzblumen, auf den runden Schaftstücken oben die Inschrift C, unten die Inschrift D glatt vor schraffiertem Hintergrund, als Worttrenner große geschwungene Virgeln, der Nodus mit runden Rotuli besetzt, darin die Buchstaben der Inschrift E glatt in blauem Email, oben und unten am Nodus in lanzettförmigen Feldern abwechselnd Pflanzenornament und Engelsfiguren. Schlichte glockenförmige Kuppa.

Maße: H.: 19 cm; Dm.: 14 cm (Fuß), 11,5 cm (Kuppa); Bu.: 0,15 cm (A), 0,4 cm (B), 0,7 cm (C, D), 0,8 cm (E).

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. A

    i(esus) n(azarenus) r(ex) i(udaeorum) 2)

  2. B

    · elisabeth · van · eversten · hertochinne · to brvnswik · vn(de) · lvneborch · vn(de) · frovwe · to · gifhorne · det · hv(n)c · kalisem · anno · r(edemptoris) c(hristi)a) · lxviij

  3. C

    got · help ·

  4. D

    maria le · b)

  5. E

    ihesvs

Übersetzung:

Elisabeth von Everstein, Herzogin von Braunschweig und Lüneburg, Frau von Gifhorn hat diesen Kelch gestiftet im Jahr des Erlösers Christi (14)68. (B)

Kommentar

Wenn dem Goldschmied bei der Ausführung der Jahreszahl in Inschrift B kein Fehler unterlaufen ist und wirklich die Buchstaben rc intendiert waren, dann ließen sich diese unter Vorbehalt als r(edemptoris) c(hristi) auflösen, das hier mit der Jahreszahl in Gestalt der minderen Zahl kombiniert wäre.3)

Die in der Inschrift B genannte Elisabeth von Everstein war die Witwe Herzog Ottos I. von Braunschweig-Lüneburg. Sie ist unter dem 10. Februar im Nekrolog des Klosters Wienhausen eingetragen. Da die Chronik im Zusammenhang mit den Stiftungen der Äbtissin Katharina von Hoya den Vermerk enthält item ein Kelch, welcher von der Hertzogin Elisabeth von Everstein der Kirche verehret, den sie (Katharina von Hoya) von dem Goldschmiede vor 10 mk eingelöset, ist zu vermuten, daß Elisabeth von Everstein den Kelch 1468 kurz vor ihrem Tod bei einem Goldschmied in Auftrag gab.4)

Textkritischer Apparat

  1. Das r besteht aus einer geraden linken Haste mit Quadrangeln oben und unten sowie aus einem angesetzten Quadrangel mit bis auf die Grundlinie ausgezogenem eingerollten Zierstrich, der etwas stärker ausgeführt ist als bei den anderen r der Inschrift. Hinter dem c ein langer Kürzungsstrich im Oberlängenbereich. uc Maier.
  2. Die Bedeutung der Buchstaben le ist unklar, allenfalls käme noch eine Lesung se in Betracht, deren Sinn aber ebenfalls dunkel bliebe.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. WIEN Ea 3.
  2. Io. 19,19.
  3. Vgl. entsprechend DI 66 (Landkreis Göttingen), Anhang 4, Nr. 2.
  4. Chronik und Totenbuch, p. 16 u. S. XL. Entsprechend ist das Todesdatum 1468 in der Tafel 71 bei Isenburg, Stammtafeln, als unsicher vermerkt.

Nachweise

  1. Mithoff, Kloster Wienhausen, S. 13 (C, D).
  2. Maier, Kunstdenkmale Wienhausen, S. 143f. u. Abb. 186b.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 48 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0004805.