Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

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DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 1 Kloster Wienhausen 1221–1229

Beschreibung

Glocke. Bronze. Die kleine Glocke befand sich zuletzt im Dachreiter des Amtshofs Eicklingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie schwer beschädigt und zerbrach in drei Teile, ein Teil ist heute verloren, die beiden anderen Fragmente lassen sich paßgenau übereinandersetzen. Nach dem Fall vom Turm standen die Fragmente zunächst in einem Garten, später im renovierten Amtshof. Aufgrund des hohen Alters der Glocke ist das Kloster Wienhausen als ursprünglicher Standort anzunehmen (vgl. Kommentar). Deshalb wurde die Glocke im April 2008 dorthin versetzt und im Mai 2008 dem Kloster offiziell übergeben. Sie ist als eine Mischung aus der älteren Bienenkorb- und der jüngeren Zuckerhutform gestaltet. Die Inschrift verläuft auf dem oberen Fragment zwischen schlichten Doppellinien um den Glockenhals, die Buchstaben vertieft, beim Guß im Wachsausschmelzverfahren in das Wachs eingeschnitten, durch das Fehlen des dritten Fragments Textverlust. Der Glockenmantel schlicht, am Wolm ein Wulstring.

Maße: H.: ca. 48 cm (Kronenöhre nur fragmentarisch erhalten); Dm.: 44 cm; Bu.: 3–4 cm.

Schriftart(en): Frühe gotische Majuskel.

DI 76, Nr. 1 - Wienhausen, Kloster Wienhausen - 1221-1229

 Kloster Wienhausen [1/3]

  1. + IN HO[.....]NIVMa) S(AN)C(T)ORVM

Übersetzung:

Zu Ehren aller Heiligen.

Kommentar

Die Gründung des Klosters Wienhausen, das urkundlich erstmalig 1229 belegt ist, wird für die Zeit zwischen 1221 und 1229 angesetzt.1) Dieser zeitliche Ansatz paßt sehr gut zu der Ausführung der frühen gotischen Majuskel auf der Glocke, deren Buchstaben zwar noch keine Abschlußstriche aufweisen, aber trotz der eher einfachen Ausführung deutlich ausgeprägte Sporen, die im Fall des C bereits die Tendenz zu einem Abschluß des Buchstabens andeuten. M, N und V in kapitaler Form, das O zeigt bereits Ansätze von Bogenschwellungen. Aufgrund dieser Schriftmerkmale ist die Glocke in das erste Viertel des 13. Jahrhunderts zu datieren. Man kann daher davon ausgehen, daß sie für das neugegründete Kloster Wienhausen gegossen wurde.

Textkritischer Apparat

  1. Zu ergänzen zu HO[NOREM OM]NIVM.

Anmerkungen

  1. Germania Benedictina, Bd. XII, S. 756.

Nachweise

  1. Schmidtsdorff, Glocken, S. 27.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 1 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0000102.