Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 239 Goseck, St. Mariae et Michaelis 1616

Beschreibung

Aufwendig ausgestaltetes Portal mit Rustika-Einfassung, flankierendem Säulenpaar (die rechte Säule verloren) und Auszug, das nach Abbruch des Mittelschiffs der ehemaligen Klosterkirche in den vermauerten Triumphbogen eingesetzt wurde; jetzt stark verwittert. Der Auszug aus zwei Wappentafeln von ungleicher Größe und mittig angebrachter Inschrifttafel mit Devise und Jahreszahl von Voluten gerahmt. Das rechte Wappenbild erloschen. Darüber das Relief einer Presse (?), ebenfalls von Voluten eingefaßt. Die Buchstaben schmallinig eingehauen.

Maße: Portal: H.: 525 cm; B.: 307 cm; Bu.: 9 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 62, Nr. 239 - Goseck, St. Mariae et Michaelis - 1616

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. VERBVM · DO/MINI · MANET / IN · AE · TERNVM1) / ANNO ·CH[RIS]TIa) / 161[6]

Übersetzung:

Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Im Jahre Christi 1616.

Wappen:
Pöllnitz2)(unkenntlich)3)

Kommentar

Die Tafel zeigt regelmäßige weitläufige Buchstaben mit kleinen Serifen. Das M hat einen kürzeren Mittelteil und senkrechte Hasten, das R eine geschwungene, am Bogen ansetzende Cauda. Die kleinen runden (?) Worttrenner sind schwer von diversen Beschädigungen zu unterscheiden.

Nach dem Tod ihres Gatten Franz von Königsmarck heiratete Catharina, geborene von Hoym, 1609 den kursächsischen Kanzler Bernhard von Pöllnitz,4) der 1615–1620 Chor und Querhaus der ehemaligen, seit der Säkularisierung verfallenen5) Klosterkirche wieder herrichten, Langhaus und Nordwestturm aber abbrechen ließ. An drei Seiten der Vierung entstand eine hölzerne mehrgeschossige Empore und an der Westseite des Querhauses ein neues Kirchenportal.6) Der Inschrifttext ist eine seit den dreißiger Jahren des 16. Jh. weitverbreitete protestantische Devise.7)

Textkritischer Apparat

  1. CHRISTI] Wahrscheinlich Nexus litterarum von H und R.

Anmerkungen

  1. 1 Pt 1,25
  2. Siebmacher II, 3, Taf. 48.
  3. Hoym? Die Helmzier, ein offener Flug, erhalten (vgl. Siebmacher VI, 11, Taf. 17, 45).
  4. König 1, 1727, S. 776 f.; Pöllnitz 1893, Taf. 2.
  5. 1584 wird das Kloster („cenobium“) als „vestutum omnino ac plane ruinosum“ beschrieben (Groitzsch 1584, S. 36).
  6. Puttrich 1850, S. 30; BKD Prov. Sachsen 27, S. 124; Schmitt 1999, S. 32, 36; Vgl. a. Nr. 262.
  7. Vgl. a. Nr. 118.

Nachweise

  1. BKD Prov. Sachsen 27, S. 124.

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 239 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di062l001k0023908.