Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 118 Lützen, St. Viti 1537

Beschreibung

„Läuteglocke“1) mit Schlagton dis, im 18. Jh. zum Einläuten der Wochenpredigten und der Betstunden geschlagen2) und trotz beschädigter Krone – die beiden einzelnen Bügel sind abgebrochen – noch heute in Gebrauch. Flache Haube; an der Schulter Bibelzitat und Jahresangabe aus erhabenen Buchstaben zwischen zwei Taustäben. Vor dem ersten Wort ein gleicharmiges Kreuz, darunter ein Medaillon mit Kreuzigungsgruppe, von einer Perlschnur eingefaßt (D.: 6,5 cm). Neben den Begleitfiguren je zwei sechsstrahlige Sterne. Am Wolm drei Stege.

Maße: H. (m. Kr.): ca. 144 cm; D.: 121,2 cm; Bu.: 3,2 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 62, Nr. 118 - Lützen, ev. Stadtkirche St. Viti - 1537

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/2]

  1. + VERBVM · DOMINIa) · MANET · IN · ETERNVM · ESAIEb) · AM · 403) · ANNO · DOMINIc) · 1537 ·

Übersetzung:

Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Jesaja am 40. (Kapitel). Im Jahre des Herrn 1537.

Kommentar

Das A hat einen weit überkragenden Deckbalken und einen gebrochenen Mittelbalken, das B einen stark gebogenen Schaft. Der Bogen des offenen unzialen D ist eingerollt; das E wurde zweibogig ausgeführt. Den Schaft des I und den Schrägbalken des N zieren Ausbuchtungen – bei N mal links-, mal rechtsseitig. Das M weist einen kleinen Mittelteil und schräge Hasten auf. Als Worttrenner dienen Quadrangel mit oben und unten angesetzten Zierhäkchen. Die Buchstaben- bzw. Zahlenabstände sind in DOMINI 1537 deutlich größer als bei anderen Worten oder Zahlen der Inschrift.

Die Glocke in Lützen ist im Bearbeitungsgebiet das früheste Beispiel für die Verwendung der nachmals sehr verbreiteten protestantischen Devise. Der Bibelvers war ursprünglich der Wahlspruch des sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise (1463–1525) und seines Bruders, Mitregenten und Nachfolgers Johann der Beständige (1468–1532) gewesen. Der Bibelspruch wurde auf dem Reichstag in Speyer 1526 von anderen protestantischen Fürsten übernommen und 1531 als Losung des Schmalkaldischen Bundes, des Verteidigungsbündnisses der protestantischen Fürsten, gewählt.4) Im Bearbeitungsgebiet hat die populäre Devise wohl deshalb nur langsam Verbreitung gefunden, weil das Gebiet zum größten Teil dem albertinischen Herzogtum Sachsen und zum kleineren Teil dem Hochstift Merseburg zugehörte, die sich offiziell erst 1539 bzw. 1544 der Reformation öffneten.5)

Textkritischer Apparat

  1. DOMINI] DOM Bürger, Mai/Schneider.
  2. ESAIE] Das S spiegelverkehrt. IESAIE BKD Prov. Sachsen 8, ESAI Mai/Schneider.
  3. DOMINI] DOM · N Bürger, DOM+N Mai/Schneider.

Anmerkungen

  1. Mai/Schneider 1981, S. 8.
  2. Bürger, Teil 1, S. 406, 411.
  3. Gemeint ist Is 40,8, zitiert wird aber 1 Pt 1,25.
  4. Löbe 1883, S. 165 f.; Ludolphy 1982, S. 279–282; Hessen und Thüringen 1992, S. 306 (Nr. 556).
  5. Vgl. Einleitung, S. XIX–XXI.

Nachweise

  1. Bürger, Teil 1, eingeklebter Zettel auf S. 407.
  2. Sommer 1874, S. 128.
  3. BKD Prov. Sachsen 8, S. 86.
  4. Mai/Schneider 1981, S. 8.

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 118 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di062l001k0011807.