Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 53 Göthewitz, Kirche 1481 (?)

Beschreibung

Stark verwitterte Steintafel,1) die ursprünglich in größerer Höhe an der Nordseite des Westturmes der Kirche eingelassen war und seit dem Neubau des Kirchenschiffs 1900 im Inneren, im Scheitel des Chorpolygons eingemauert ist. Die Schriftzeilen der eingehauenen fünfzeiligen Inschrift – vermutlich eine Bauinschrift – von Linien eingefaßt.

Maße: H.: 41,5 cm; B.: 68 cm; Bu.: ca. 4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 62, Nr. 53 - Göthewitz, ev. Kirche - 1481 (?)

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. An(n)o · d(omi)n[i · Mcccc]a) · lxxxi · / d[- - -]b) · waren / kilian · muser · und · he[..]c) / [.]albenber[- - -] · [- - -]dta[.] / noch · [- - -]udi[.]a[.]d)

Kommentar

Insbesondere in der fünften Zeile stehen noch einzelne Buchstaben und zahlreiche Buchstabenfragmente, die sich nicht sicher lesen und kaum in einen sinnvollen Zusammenhang bringen lassen. (Sie werden deshalb nicht ediert.) Es ist auch nicht immer klar, ob die einigermaßen sicher lesbaren Buchstaben zu einem Wort oder zu mehreren gehörten. Der schlechte Erhaltungszustand erlaubt keine genauere Schriftbeschreibung, da vermeintliche paläographische Besonderheiten nur das Ergebnis langwährender Verwitterung sein könnten. Daher ist die Lesung mit großen Unsicherheiten behaftet. Soweit erkennbar, scheinen die Buchstaben recht regelmäßig gebildet und die Wort- und Buchstabenabstände gleichmäßig gesetzt zu sein.

Über Kilian Muser ist nichts bekannt. Der ursprüngliche Anbringungsort und das (allerdings nur fragmentarisch überlieferte) Formular, das ein Datum und vielleicht die Altarleute nennt, scheinen darauf hinzudeuten, daß es sich um eine Inschrift handelt, die an eine Instandsetzung oder einen Umbau der Kirche erinnert. Vielleicht entstammt dieser Bauphase der spätgotische Westturm.2) Für das deutschsprachige Formular der vorliegenden Inschrift, soweit es erkennbar ist, gibt es im Bearbeitungsgebiet nichts Vergleichbares.3) Ähnlich sind aber datierte Bauinschriften an Kirchen in Jena (1474) und Haynsburg im Burgenlandkreis (1493), die auch die Altarleute nennen.4)

Textkritischer Apparat

  1. Mcccc] Fragmente des Versals erahnbar; das Folgende sinngemäß ergänzt.
  2. d[- - -] Vielleicht zu dyczeit zu ergänzen (vgl. BKD Prov. Sachsen 1, S. 12).
  3. he[..] Die Anzahl der zu ergänzenden Buchstaben unsicher.
  4. [- - -]udi[.]a[.] Vielleicht zu suntag iudica[.] zu ergänzen (Vorschlag von Dr. Rüdiger Fuchs, Mainz).

Anmerkungen

  1. Die Inschrift wurde schon von Büttner Anfang des 18. Jh. als „unerkenntlich“ bezeichnet (Büttner, Teil 1, S. 268). Ebenso Otto 1796, S. 328 und BKD Prov. Sachsen 3, S. 13.
  2. Das Schiff wurde bis 1900 vollständig neu erbaut (Dehio 1999, S. 212 f.). Heydenreich hingegen schreibt, daß der Turm 1563 errichtet worden sei und „der Grundstein“ noch diese Jahreszahl trage (Heydenreich 1840, S. 228; s. a. Anhang I, Nr. 18). Ob er mit „Grundstein“ die Inschrifttafel meint, ist nicht klar.
  3. Vergleichbar ist bestenfalls die lateinische Inschrift von 1465 (Weißenfels), die außer den Kirchenverwaltern den Baumeister nennt, und die ausführlichere deutsche Inschrift von 1515 (Zorbau), die sich allerdings auf ein Altarretabel bezieht.
  4. Vgl. DI 33 (Jena), Nr. 16; BKD Prov. Sachsen 1, S. 12 (Haynsburg).

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 53 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di062l001k0005301.