Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 34 Kistritz, Kirche 1441

Beschreibung

Glocke, Krone fehlt. Auf der Kronenplatte vier Kreuze in gratigen Linien, die wohl aus den Kanten des (verlorenen) Mittelöhrs ausgezogen sind.1) Im oberen Bereich der kräftig gerundeten Haube ein Stegpaar. An der Schulter zwei Stegpaare, eine erhabene Inschrift mit Gebet, dem Namen Mariae und dem Gußjahr einfassend. Die Stege dieser beiden Paare mit großem Abstand gesetzt. Zwei Stege am Wolm und drei am äußeren Rand dichter beieinander liegend. Auf der Flanke unter dem zweiten Wort der Inschrift ein Pilgerzeichen (H.: 5,5 cm) und unterhalb des trennenden Kreuzes, zwischen dem Namen Mariens und dem Gußjahr ein Kruzifixus (H.: 8 cm). Das Pilgerzeichen besteht aus einem Gehäuse mit krabbenbesetztem Giebel, das einen Bogen mit einer darauf stehenden Kreuzigungsgruppe (?) einschließt. Unter dem Bogen eine nicht näher bestimmbare mehrteilige Figuration, in deren Zentrum sich vielleicht ein Wappenschild befindet.

Maße: H.: 87 cm; D.: 107,5 cm; Bu.: 5–5,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 62, Nr. 34 - Kistritz, ev. Kirche - 1441

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Franz Jäger) [1/2]

  1. + o rexa) · glorie · veni · cvm · pace · ame(n)b) · maria + anno · d(omi)ni · m° ·c) cccc°d) · xli°e)

Übersetzung:

O König der Herrlichkeit, komme mit Frieden. Amen. Maria. Im Jahre des Herrn 1441.

Kommentar

Die Buchstaben sind zumeist schmucklos. An dem zum Deckbalken umgeformten und nach rechts überstehenden oberen Teil des g-Bogens und an der Fahne des r (außer in maria) sind Zierstriche mit eingerollten Enden ausgezogen. Das obere Schaftende des l ist mit perlartigen Verzierungen besetzt. Die erste der zwei verschiedenen x-Formen besteht aus zwei Schrägschäften, von denen der rechte etwas geschwungen ist; die zweite setzt sich aus einem geraden Schaft, der von einem wesentlich schwächeren rechtsschrägen Schaft durchschnitten wird, und einem Balken zusammen. In der Jahresangabe steht ein liegendes hochgestelltes o an erster und dritter und ein hochgestellter Kreis an zweiter Stelle. Den Anfang der Inschrift markiert ein gleicharmiges Kreuz mit schwach verbreiterten Balkenenden. Ein zwischen maria und anno plaziertes lateinisches Kreuz hat kräftig verbreiterte Balkenenden. Als Worttrenner dienen Rauten.

Das Pilgerzeichen ähnelt dem auf einer 1440 gegossenen Glocke in Droyßig (Burgenlandkreis). Sein Relief wurde als Darstellung eines Kruzifix’ mit Petrus und Paulus erklärt, die über den Brustbildern zweier gekrönter Heiliger ständen.2)

Die Inschrift beginnt mit einem verbreiteten Gebet.3)

Textkritischer Apparat

  1. o rex] Nach dem o kein Abstand.
  2. amen] Anna Büttner, Otto.
  3. ·] Doppelte, vertikal gestellte Raute.
  4. cccco] Das erste c deutlich größer.
  5. mo · cccco · xlio] MCCCCXII Büttner et al. Das l als Zahlzeichen etwas kleiner als das l in glorie und spiegelverkehrt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 49.
  2. Liebeskind 1904/1905, S. 118. Vgl. a. BKD Prov. Sachsen 3, S. 10.
  3. Vgl. dazu Nr. 9.

Nachweise

  1. Büttner, Teil 1, S. 356.
  2. Otto 1796, S. 364.
  3. Sommer 1869, S. 405.
  4. BKD Prov. Sachsen 3, S. 31.

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 34 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di062l001k0003406.