Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 17 Weißenfels, St. Mariae 1351

Beschreibung

Kopfstehender, zweitverwendeter Sandsteinquader in der inneren Westwand der Sakristei (zugleich Außenwand des Nordseitenschiffs). Darauf eine Weihinschrift mit Zeilenlinien und einem Rahmen eingehauen. Die Oberfläche des Quaders leicht verwittert und bestoßen sowie partiell mit Farbe zugesetzt. Die Seitenränder durch Einbauten beschädigt.

Maße: H.: 27 cm; B.: 109 cm;1) Bu.: 4,5–5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 62, Nr. 17 - Weißenfels, ev. Stadtkirche St. Mariae - 1351

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. ANNO · D(OMI)NIa) · M° · CCC° · LI°b) · D(OMI)NI/CA · PROXIMA · POST · EXA[L]/TACIONEMc) · CRVCIS · DEDICA/[TA] · EST · HEC · ECCLESIA ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1351, am nächsten Sonntag nach der Kreuzerhöhung, ist diese Kirche geweiht worden.

Datum: 1351 September 18.

Kommentar

Die Inschrift weist überwiegend unziale bzw. runde Buchstabenformen mit Schwellbögen und keilförmigen Sporen auf. Einzelne Bogenschwellungen zeigen eine leichte Zuspitzung. Der Deckbalken des pseudounzialen A kragt ein- oder beidseitig über; C und E haben einen Abschlußstrich. Das I weist immer einen Nodus und Sporen an beiden Schaftenden auf. M erscheint in unzialer Form und ist links geschlossen. Das zweite, kapitale N in ANNO hat einen stark eingezogenen Schrägschaft und Sporen, die sich an der Mittelachse des Buchstabens berühren. Als Worttrenner dienen wohl Quadrangel.

Die gleichbleibende Schreibung des I ist eine wichtige Voraussetzung für die richtige Lesung der römischen Zahlzeichen. Vor das I in der Jahresangabe ist hier ein L gesetzt, dessen Schaft dem des I zwar vergleichbar ist, aber keinen Nodus hat. Das zwischen beiden Schäften stehende, bislang stets als dritter Schaft verstandene Zeichen (vgl. Anm. b) ist ein den L-Balken ersetzender, bis zur Oberlinie hinaufreichender und spitz auslaufender Balkensporn, wie er für das Majuskel-L dieser Zeit durchaus typisch ist.2) Mit dieser Lesung ist die gesamte, im späten 17. Jh. einsetzende, gedruckte wie ungedruckte kopiale Überlieferung dieser Inschrift, die immer an der Jahreszahl 1303 festhielt, und der darauf gegründete, über Jahrhunderte hinweg durch Gottesdienste und Jubiläumsschriften gefeierte Gedenktag hinfällig.3)

Welche Veränderungen der Wiedereinweihung der erstmals 1268 erwähnten Kirche vorausgegangen sind, ist vor Ort nicht mehr feststellbar. Von der 1351 geweihten Kirche hat sich nur der – vermutlich noch ältere – Unterbau des heutigen Westturms erhalten; Chor und Schiff wurden im 15. Jh. vollständig neu erbaut.4)

Textkritischer Apparat

  1. DOMINI] DOI Büttner, Schieferdecker, Dietmann, Weißenfelser Kreisblatt, BKD Prov. Sachsen 3; DM Lorenz, Kaphengst.
  2. LIo] III Büttner et. al.
  3. EXALTACIONEM] Danach folgt MEMOREM bei Büttner et al. – ein Wort, für das auf der Zeile gar kein Raum ist. Es entstand wahrscheinlich aus einer Fehllesung der letzten Silben von EXALTACIONEM und wurde trotz wiederholt vermerkter Übersetzungsprobleme (BKD Prov. Sachsen 3, Lorenz) ungeprüft tradiert.

Anmerkungen

  1. Vermessen wurde nur die Größe des liniengerahmten Schriftfeldes, die exakte Größe des eingemauerten Quaders war nicht zu ermitteln.
  2. Vgl. Nr. 15 ( GLORIE). Im Gegensatz zum ersten hat das zweite erhaltene L (in ECCLESIA) einen gebogenen Schaft und einen gebogenen Balken.
  3. Aus diesem Anlaß erschienen u. a. Schieferdecker 1703 und Lorenz 1903. Selbst Verf. erlag der suggestiven Wirkung dieser so lange und kritiklos tradierten Fehllesung und veröffentlichte noch 2003 einen Aufsatz anläßlich der 700-Jahr-Feier der Kircheneinweihung.
  4. Vgl. Nr. 32, 44.

Nachweise

  1. Büttner, Teil 2, S. 87.
  2. Schieferdecker 1703, S. 6.
  3. Dietmann 3, 1754, S. 985.
  4. Weißenfelser Kreisblatt 1873, o. S.
  5. BKD Prov. Sachsen 3, S. 68.
  6. Lorenz 1903, S. 7 f.
  7. Gerhardt 1907, S. 47.
  8. Kaphengst 1925, S. 107.
  9. Bach 1, 1997. S. 80.

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 17 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di062l001k0001705.