Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 13 Halle, Staatliche Galerie Moritzburg, Landesmünzkabinett von Sachsen-Anhalt 2. Viertel 14. Jh.

Beschreibung

Silberner Fingerring mit Beschwörungsformeln außen (A) und innen (B). Die überwiegend flächig gravierten Buchstaben partiell abgerieben. Zwischen dem letzten und ersten Buchstaben von A ursprünglich eine Silbermünze aufgelötet.1)

Maße: D.: 2,4 cm; B.: 0,5 cm; Bu.: 0,4–0,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 62, Nr. 13 - Halle, Staatliche Galerie Moritzburg, Landesmünzkabinett von Sachsen-Anhalt - 2. V. 14. Jh.

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/3]

  1. A

    ANANISAPTA

  2. B

    · A · G · L · A ·

Kommentar

Die in ihrer Form zeittypischen Buchstaben zeichnen sich durch schwellende Bögen und weit ausgezogene Sporen aus. Gelegentlich sind die Schaftenden gespalten. Das trapezförmige A mit schwellendem linken Schaft ist immer von gleichem Aufbau, aber unregelmäßiger Ausbildung. G und N sind unzial bzw. rund gebildet. Als Worttrenner in B dienen Malteserkreuze.

Der Ring trägt verbreitete Beschwörungsformeln unterschiedlichen Ursprungs. Die Deutung von A ist umstritten. Es soll sich um ein Akrostichon der lateinischen Schutzformel gegen Vergiftung „A(ntidotum) N(azareni) a(uferat) n(ecem) i(ntoxicationis) s(anctificet) a(limenta) p(oculaque) t(rinitas) A(men)“ handeln.2) B ist ein kabbalistischer Gottesname, der aus dem Akrostichon der Anfangsworte eines hebräischen Segens besteht: „A(tha) G(ibbor) l(e-Olam) A(donaj)“, du bist stark in Ewigkeit, Herr. Wie andere liturgische Texte3) gewann auch dieser magisch-apotropäischen Charakter und wurde nachweislich seit dem frühen Mittelalter in Schutz- und Beschwörungsformeln verwendet.4) Beide Formeln finden sich auf ganz verschiedenartigen Inschriftträgern.5)

Zwischen dem letzten und dem ersten Buchstaben von A wurde ein größeres Spatium gelassen. Das weist darauf hin, daß schon bei Fertigung des Ringes die Anbringung der Münze, ein Prager Groschen König Johanns von Böhmen (1311–1346), oder einer anderen Verzierung vorgesehen war.6) Das Krönungsjahr des Münzherrn ist der terminus post quem für die Verbringung des Weißenfelser Schatzfundes, zu dem der Ring gehörte.7)

Anmerkungen

  1. Die Münze wurde in der 2. Hälfte des 20. Jh. abgetrennt und als Einzelstück der Münzsammlung einverleibt. Erst seit kurzem werden Ring und Münze wieder zusammen unter einer Inventarnummer (E 340) aufbewahrt (freundliche Mitteilung von Ulf Dräger, Halle).
  2. HdA 1, 1927, Sp. 395 f. Der jüngste Deutungsversuch bei Karl 1997 vermag kaum zu überzeugen.
  3. Vgl. Nr. 9.
  4. Franz 1, 1909, S. 294; 2, 1909, S. 65, 397, 569; HdA 1, 1927, Sp. 213 f.
  5. Beide z. B. auf älteren und jüngeren Glocken (DI 1, Main- und Taubergrund, Nr. 445; DI 11, Merseburg, Nr. 8; Schilling 1988, S. 136 f., Abb. 235) und ANANISAPTA z. B. in einer auf 1373 datierten Bauinschrift in Ingolstadt (Karl 1997, S. 59) und auf einem 1536 gefertigten Becher in Wien (DI 54, Mergentheim, Nr. 137).
  6. Ein zweiter, vergleichbarer Ring hat einen halbrunden Querschnitt und trug auf der Außenseite ebenfalls eine Inschrift, die aber wegen Abriebs nicht mehr lesbar ist. Der Ring wird jetzt zusammen mit einem Prager Groschen König Wenzels II. von Böhmen (1283–1305) aufbewahrt, der dem Ring ursprünglich aufgelötet war und später abgelöst wurde (Inv.-Nr. E 341).
  7. Zum Weißenfelser Schatzfund vgl. Nr. 6.

Nachweise

  1. Wiggert 1844, S. 88.
  2. Sauerlandt 1919, S. 520.

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 13 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di062l001k0001307.