Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 3 Schkortleben, Friedhof 4. Viertel 13. Jh.

Beschreibung

Glocke, ursprünglich im Turm der Kirche aufgehängt; ihre Krone heute verloren. An der kräftig gerundeten Schulter ein Bibelzitat aus erhabenen Buchstaben, von zwei unmittelbar nebeneinander liegenden Stegpaaren eingefaßt. Zwischen den Worten drei Medaillons mit Blüten und ein Medaillon mit einer Blüte in einem sechsstrahligen Stern. Alle Medaillons mit schmalem doppeltem Rahmen (D.: 3 cm). 1835 auf der Flanke ein Name mit Jahreszahl und ein Wappen eingeritzt.1) Am Wolm ein einzelner Steg.

Maße: H.: 61 cm; D.: 78,5 cm; Bu.: 3,7–3,8 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 62, Nr. 3 - Schkortleben, Friedhof - 4. V. 13. Jh.

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Franz Jäger) [1/3]

  1. + EGO · SVM · ALFA · ET · O2)

Übersetzung:

Ich bin Alpha und Omega.

Kommentar

Die Buchstaben sind partiell nur sehr wenig erhaben. Von den zwei trapezförmigen A-Formen weist die eine einen schwellenden linken Schaft, einen diagonal vom linken oberen zum rechten unteren Schaftende geführten Balken und einen überkragenden Deckbalken auf. Die andere hat einen schwach schwellenden linken Schaft, einen nur wenig überkragenden Deckbalken und einen waagerechten Mittelbalken. E und O weisen eine deutliche Bogenschwellung auf; das unziale E ist durch weit hereingezogene Bogenendungen geschlossen. Das symmetrische unziale M ist offen; das kapitale T hat einen schwellenden Schaft. Bogen-, Schaft- und Balkenenden der mit breitem Strich entworfenen Buchstaben sind meist kräftig keilförmig verbreitert. Am Anfang der Inschrift steht ein gleicharmiges Kreuz.

Die Formulierung ALFA ET O ist eine Umschreibung des griechischen Alphabets durch Zitierung des ersten und letzten Buchstabens. Das Alphabet galt als ein Symbol für eine übergreifende, allgemein gültige, gleichsam kosmische Ordnung, die die gesamte Fülle des Lebens umschließt.3) Die Selbstbezeichnung Gottes und Jesu als Alpha und Omega4) beschreibt sie als Anfang und Ende der Welt, als Urheber der Schöpfung und Vollender der Heilsgeschichte, die mit dem Schöpfungswerk einsetzte.5) Viel häufiger als die vorliegende Inschrift war aber die Beschriftung von Glocken mit den einzelnen Buchstaben Alpha und Omega.6)

Die Schriftform zeigt eine ältere Entwicklungsstufe als die verwandte Schriftform der Glocke in Krössuln.7)

Anmerkungen

  1. Die Inschrift bezieht sich auf eine vom Patronatsherrn der Kirche, Edu(ard?) Scharf zu Gauerstadt, veranlaßte Reparatur der Glocke, bei der die 1834 gebrochene Krone durch eine neue Halterung ersetzt wurde (Heydenreich 1840, S. 324).
  2. Apc 1,8 (ego sum A et ω principium et finis). Außerdem Apc 21,6.
  3. TRE 7, 1981, S. 311 f.
  4. Vgl. Anm. 2 und Apc 22, 13.
  5. LThK 1, 1957, Sp. 1; Burkhardt 1, 1987, S. 46; Görg/Lang 1, 1988, Sp. 79 f.
  6. Vgl. Nr. 1, 9, 10, 16.
  7. Vgl. Nr. 4.

Nachweise

  1. Heydenreich 1840, S. 324.
  2. BKD Prov. Sachsen 3, S. 54.
  3. Michaelis 1933, o. S. (gekürzt).

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 3 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di062l001k0000301.