Inschriftenkatalog: Die Inschriften des Landkreises Weilheim-Schongau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

  • Erste KatalognummerInschrift
  • Letzte Katalognummer
  • Zu Datensatz springen
  • Gesamtübersicht

DI 84: Lkr. Weilheim-Schongau (2012)

Nr. 340 Polling, Pfarrkirche Hl. Kreuz (ehem. Stiftskirche) 16.–17. Jh.

Beschreibung

Beischrift der Steinplatte mit Nachbildung der Fußabdrücke Christi. Neben dem rechten Seitenaltar unter der Leinberger Madonna1). Kleine, fast quadratische Steinplatte. Die Platte zeigt zwei unbeschuhte Fußabdrücke, zwischen denen sich die lateinische Inschrift befindet. Die Platte ist von einem Palmettenstuckrahmen eingefaßt.

Maße: H. 30 cm, B. 27 cm, Bu. 1,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 84, Nr. 340 - Polling, Pfarrkirche Hl. Kreuz (ehem. Stiftskirche) - 16.-17. Jh.

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. VERVM / DELINEAMENTVMa) / SANTORVMb)/ VESTIGIORVM / QVOEc) CHRISTVS / Sd) : PETRO · Ee) / CARCERIBVS / EFFVGIENTI / APPARENS / RELIQVIT

Übersetzung:

Wahrer Abdruck der heiligen Fußabdrücke, die Christus hinterließ, als er dem Hl. Petrus erschien, als dieser aus dem Gefängnis entfloh.

Kommentar

In Rom an der Via Appia liegt die Kirche Santa Maria in Palmis, die unter dem Namen „Domine quo vadis?“ bekannt ist. In dieser Kirche befindet sich ein Stein, auf dem der Legende nach die Fußabdrücke Christi zu sehen sind, die er hinterließ, als er dem aus Rom fliehenden Petrus erschien2). Bei der in Polling vorhandenen Inschrift handelt es sich wohl um eine Kopie der Platte in Rom3). Wie und wann die Platte nach Polling kam, ist nicht bekannt. Nach der Ausführung der Buchstaben der Inschrift dürfte sie in der Zeitspanne von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden sein.

Die Kapitalis orientiert sich sehr stark an antiken Vorbildern. Beispielsweise sind die Balken des E fast gleichlang, die R-Cauda ist leicht dornförmig und sitzt am Bogen an; die Q-Cauda ist ebenfalls stachelförmig und geht weit unter die Grundlinie. Die Schäfte weisen Sporen auf. Die Art der Schriftausprägung legt die Vermutung nahe, daß die Platte in Italien (Rom) gefertigt worden sein könnte.

Textkritischer Apparat

  1. M von DELINEAMENTVM über V hochgestellt.
  2. Sic! wohl Schreibfehler für SANCTORVM.
  3. Sic! wohl Schreibfehler für QVAE.
  4. Nach S zwei übereinanderliegende Sterne, wohl als Kürzungszeichen für Sancto.
  5. Vor E ein Stern.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 109.
  2. Zur Entstehung der Legende vgl. Zwierlein, Petrus in Rom 82–92.
  3. Das Original der Platte liegt heute in San. Sebastiano. Vorbild war jedoch vermutlich für die Kirche S. Maria in Palmis in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts angefertigte Kopie, da nur diese eine Inschrift trägt. Vgl. Fasola, Pietro e Paolo 61.

Nachweise

  1. Pörnbacher, Polling 34.

Zitierhinweis:
DI 84, Lkr. Weilheim-Schongau, Nr. 340 (Manfred Merk), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di084m015k0034003.