Inschriftenkatalog: Die Inschriften des Landkreises Weilheim-Schongau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 84: Lkr. Weilheim-Schongau (2012)

Nr. 33 Rottenbuch, Pfarrkirche Mariae Geburt (ehem. Stiftskirche) vor 1442

Beschreibung

Figurale Grabplatte des Propstes Georg Neumair (1431–1472). An der Westseite, südlich neben dem Portal. Ursprünglich an der Westwand des südlichen Querhauses1). 1803 als einziges von allen Pröpste-Grabdenkmälern des Mittelalters verschont. 1807 hinter einer Treppe völlig verdeckt, zu unbekanntem Zeitpunkt an den heutigen Platz versetzt2). Hochrechteckige Platte mit Umschrift an der oberen Schmalseite und den beiden Längsseiten, untere Schmalseite ausgespart. Im Feld Maßwerk, in den Zwickeln zwei Engel, der linke mit Weihwasserkessel, der rechte mit Rauchfaß, schwebend, unter dem Maßwerk in Hochrelief Darstellung des Propstes in Meßkleidung mit gefalteten Händen, das Haupt auf einem Kissen ruhend, auf zwei Löwen stehend, hinter ihm ein Vorhang oder Bahrtuch. Auf seinem Haupt eine Mitra, diese später eingefügt3). An der linken Langseite der Darstellung zahlreiche kreisrunde Bohrlöcher. Hier war vermutlich ein später ergänzter Stab befestigt. Auf der linken Hand Handschuhrose, auch diese evtl. später, da die rechte Hand auf der Fläche ausgearbeitete Handlinien zeigt. Rotmarmor.

Maße: H. 251 cm, B. 115 cm, Bu. 8,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 84, Nr. 33 - Rottenbuch, Pfarrkirche Mariae Geburt (ehem. Stiftskirche) - vor 1442

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Annoa) · d(omi)nib) · // Mo · cccco / ⟨· lxxij⟩ obijt · venerabilis · pater · et · d(omi)n(u)s · d(omi)n(u)s · georgius · newmair // hui(us)c) · cenobij · p(re)p(osi)tus · et · archidiaconus · Cuius a(n)i(m)a · req(ui)escat · in paced) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1471 starb der ehrwürdige Vater und Herr, Herr Georg Neumair, Propst dieses Klosters und Archidiakon, dessen Seele in Frieden ruhe.

Kommentar

Zur Schrift vgl. Einleitungskapitel XLIX und LIII.

Georg Neumair war von 1431 bis zu seinem Tod 1472 Propst im Kloster Rottenbuch. Er baute den eingestürzten Turm wieder auf4) und errichtete den Meierhof5). Er erhielt 1442/1446 auf dem Baseler Konzil die Pontifikalien6). Diese Verleihung der Pontifikalien führte wohl zu einer Überarbeitung der ursprünglichen Grabmalkonzeption, Mitra, ein heute verlorener Stab und vermutlich auch ein angedeuteter Pontifikalhandschuh wurden ergänzt. Mois setzt aufgrund dieser Überarbeitungen die Zeit der Entstehung der Grabplatte vor die Erlangung der Inful 14427). Liedke hingegen nimmt die Entstehungszeit aus kunsthistorischen Überlegungen um 1465 an. Er weist das Grabmal der Werkstatt des Augsburger Bildhauers Ulrich Wolfhartshauser zu8).

Textkritischer Apparat

  1. Anno-Initiale mit Maske verziert.
  2. Zeile durch Kreuzblume des Maßwerks geteilt.
  3. Fortsetzung der Inschrift an der linken Langseite.
  4. Worttrenner in unterschiedlichen Formen (Punkte, Blüten, Quadrangel mit oben und unten ansetzenden eingerollten Zierstrichen); am Inschriftenende ein Blattornament.

Anmerkungen

  1. Vgl. AEM H 658 p. 550; Mois, Kirchen und Kapellen 1, 121; Speer, Collectio I, p. 57 ähnlich, dort: Bey S. Johannes Vor der Sacristei; Speer, Praepositi p. 62, ad S. Joannem prope cancellos. Vgl. in diesem Zusammenhang auch eine spätere Gedenkinschrift, die sich über dem Grabmal befand, Nr. 255†.
  2. Mois, Georg Neumair 42–43.
  3. Mois, Stiftskirche 94.
  4. Vgl. Nr. 32.
  5. Vgl. Nr. 39.
  6. MB 8, 104ff.
  7. Mois, Kirchen und Kapellen 1, 121, Abb. 5.
  8. Liedke, Augsburger Sepulkralskulptur 1, 93; ebenso DiB I,23 (Weilheim-Schongau) 362.

Nachweise

  1. Speer, Collectio I, p. 57; Speer, Praepositi p. 62; Mayer/Westermayer, Statistik III, 28 (teilweise Edition); Kdm OBB II (Schongau) 593; Mois, Stiftskirche 94; Mois, Georg Neumair 42–43; Liedke, Augsburger Sepulkralskulptur 1, 90–93 (mit Abb.), 113; Mois, Kirchen und Kapellen 1, 121; DiB I,23 (Weilheim-Schongau) LXXXIII und 2, 362 (mit Abb.).

Zitierhinweis:
DI 84, Lkr. Weilheim-Schongau, Nr. 33 (Manfred Merk), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di084m015k0003303.