Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 33 Hardegsen, St. Mauritius 1424

Beschreibung

Fenstersturz, hoch an der Südseite des Turms. Das heute vermauerte, gotische Fenster besteht aus zwei Spitzbögen, die mit Dreipässen nach oben abgeschlossen sind; dazwischen ein Vierpass. Über den Dreipässen in vertieftem Feld die erhabene Inschrift, unterbrochen durch den Vierpass; als Worttrenner dienen Sterne. Der rechte Stein mit der zweiten Hälfte der Inschrift wurde bei der letzten Renovierung in den Jahren 2005/06 ersetzt; die Buchstaben wurden offenbar nach dem Befund gearbeitet, sind aber mit dickerem Strich mechanisch gefertigt.

Maße: Bu.: ca. 14 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 96, Nr. 33 - Hardegsen, St. Mauritius - 1424

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Julia Zech) [1/1]

  1. Anno d(omi)ni · // <· Ma) cccc xxiiii>b)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1424.

Kommentar

Der Neubau der Kirche war eine Stiftung der Herzogin-Witwe Margarethe von Berg, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1442 auf der Burg Hardeg residierte; vgl. Nr. 39. 1423 war der Chor der Kirche vollendet worden; vgl. Nr. 31 u. 32.

Der Sohn der Herzogin, Herzog Otto (Cocles), hatte der Georgskapelle, die in ihrem westlichen Abschnitt den Unterbau des Turms bildet, bereits 1416 zum Seelenheil der Verstorbenen aus den Familien seiner Eltern reiche Einkünfte übertragen. Die Wappen beider Familien, der Herzöge von Braunschweig und von Berg, finden sich noch heute in den Schlusssteinen der Kapelle. Im Jahr des Turmbaus stattete er die Kapelle zusätzlich mit Land in der heutigen Wüstung Bartshausen aus.1) Die Bauten und Stiftungen in Hardegsen (vgl. Nr. 31 u. 32) sieht E. Widder in einem Zusammenhang mit der Stiftung des Barfüßerretabels in Göttingen im Jahr 1424 (auf dem sich das Wappen des Herzogs befindet). Sie erkennt darin wie in weiteren Stiftungen und Bauten in Uslar (Nr. 34–36) ein Programm, das mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits zu befürchtenden Aussterben der Göttinger Linie der Herzöge von Braunschweig zusammenhänge. Als Motivation könne, so Widder, dahinter zudem die Vorstellung stehen, dass die Kinderlosigkeit als Strafe für die Sünden des Vaters und Ehemannes der Stifter, Herzog Ottos des Quaden (Nr. 21), zu sehen sei.2)

Textkritischer Apparat

  1. M] Mithoff m. Es ist nicht zu entscheiden, ob das Versal-M nach Befund nachgearbeitet wurde, oder ob das M mit Abschlussstrich der Inschrift am Chor (Nr. 31) als Vorbild gedient hat.
  2. Anno domini MCCCCXXIV] Domeier (beide) und Hueg.

Anmerkungen

  1. Widder, Sankt Georg, S. 311. Vgl. HStAH Cal. Br. 8, Nr. 1153 (zit. nach Findbuch). Domeier, Hardegsen, S. 48–50. Eine Abschrift der Urkunde bei Prietzel, Kalande, S. 55. Lechte, Hardegsen, S. 211–216 u. 342f.
  2. Widder, Sankt Georg, S. 312–327, bes. S. 322–324.

Nachweise

  1. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 94.
  2. Domeier, Hardegsen, S. 48.
  3. Domeier, Topographie, S. 51.
  4. Hueg, Hausinschriften, S. 87.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 33 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0003303.