Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 674 Asperg, ev. Pfarrkirche St. Michael 1647–1650?

Beschreibung

Fragmente einer nachreformatorischen Ausmalung des Langhauses. Erhalten sind drei große Darstellungen nebeneinander an der Nordwand (I, II, III), gerahmt von asymmetrischen Kartuschen. Die bildlichen Darstellungen sind oben und unten von Schriftstreifen begleitet. Fraktur, schwarz auf weißem Grund; bei der Restaurierung 1960 erneuert.

I. Himmelfahrt Christi; großes, hochrechteckiges Bildfeld; Beischriften A und B. Besonders B mit großen Fehlstellen, die letzten zwei Zeilen ganz zerstört.

DI 25, Nr. 674 - Asperg - 1647-1650 ?

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/3]

  1. A

    Er fuehre sie aber hinaus bis nach Bethanien vnd hob die Haende auf / vnd segnete sie · Vnd es geschah, da Er sie segnete, schied Er von ihnen / vnd fuhr auf gen Himmel. Sie aber kehrten wieder nach Jerusalem. /1)

  2. B

    Johannis am . . . . Cap. V · 172) /Ich fahre uff zu meinem Vatter vnd zu eurem Vatter / zu meinem Gott und zu eurem Gott. / . . . ac . . . Zu Zierd Herr St[e]ph[an] / . . . Wilhelm Haugen Keller vff Asperg dan / . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . / . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

II. Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung, in einem Bild vereinigt. Querrechteckiges Bildfeld über der Empore; Beischrift A in zwei Blöcken, B durchgehend. Schrift stark erneuert

  1. A

    Vnd Er trug Sein Kreuz und ging hinaus / zur staette, die da heißt Schaedelstaette, auf He=/braeisch Golgatha. Allda kreuzigten sie Jhn.3) / Es war aber an der staette, da Er gekreuzigt / war, ein garten vnd im garten ein neues grab. Dahin legten sie Jhn.4)

  2. B

    Nun aber ist Christus auferstanden von den toten vnd der Erstling geworden / unter denen, die da schlafen. Der tod ist verschlungen in den sieg. Tod, wo ist / dein stachel, hoelle wo ist dein sieg. Gott sei dank, der uns den sieg gegeben / hat durch unsern Herrn Jesus Christus.5)

III. Dornenkrönung und Christus vor Pilatus. Oberfläche abgerieben, B mit Fehlstellen.

  1. A

    Die kriegsknechte fiehrten Jhn hinein in des richthaus vnd ver=/ sammelten die schar vnd zogen Ihm ein purpur an vnd flochten / eine dornenkrone und gaben Jhm ein [R]ohr in seine rechte hand vnd / schlugen damit Sein Haupt.6)

  2. B

    Gott · s aus Christlicher C. . . . . . . . . . ges. .te / . . . . . vnd ihren frauen dises stückh . . . . . . . . / . . . . . Vatter des Raths vnd Elisabetha . . . . liebe Hausf. . . / . . . . . Vatter vnd G. . . . sein liebe Hau[s·frau] / . . . . Vatter vnd Margaretha seine . . . . . . . . [Haus]frau · /

Kommentar

IB und IIIB sind Stifterinschriften; sie beziehen sich auf das zugehörige gemalte Bildfeld. Otto ist es gelungen, die Stifter zu identifizieren.7 Danach war (Johann) Wilhelm Haug 1632–1636 und 1637–1643 Keller zu Asperg; seine zweite Gemahlin Anna Christina Brunn heiratete als Witwe 1650 den Feldtrompeter Melchior Büttner zu Stuttgart.8 Das Bild muß also spätestens 1649 vor seinem Tod gestiftet worden sein, will man nicht eine Stiftung seiner Erben annehmen. – IIIB nennt drei Ehepaare der Asperger Familie Vatter als Stifter. Ein Sebastian Vatter war 1671 Schultheiß und Lammwirt; sein Sohn Hans Georg, Metzger und Lammwirt, heiratete Margaretha Sebold aus Bissingen im Jahre 1674. III müßte demnach etwa dreißig Jahre nach I entstanden sein, was angesichts der Einheitlichkeit aller drei Bilder unwahrscheinlich ist. Der Kirchenbrand von 16349 und die Bauzahl 1647 D(aniel) G(eißel) an der West-Empore sind als terminus post für die Entstehung von II und III anzusehen. Der Bau einer Nord-Empore soll 1671 beschlossen worden sein; sie erstreckte sich gegen „der Figur Jüngsten Gerichts“.10 Wenn also das Weltgericht (nicht erhalten, vermutlich an der Ostwand über dem alten Chorbogen) zu dem einheitlichen Wandmalerei-Zyklus gehörte, zu dem I, II und III zählen, war dieser 1671 bereits vorhanden. Eine genauere zeitliche Eingrenzug ist derzeit noch nicht möglich; eine Entstehung gegen 1670 ist jedoch nicht auszuschließen.11

Anmerkungen

  1. Luk. 24, 50–52.
  2. Joh. 20, 17.
  3. Joh. 19, 17–18.
  4. Joh. 19, 41–42.
  5. 1. Kor. 15, 20; 55; 57.
  6. Nach Matth. 27, 27–30.
  7. M. Otto, in: LudwigsburgerGbll 16 (1964) 44–48.
  8. Vgl. auch Pfeilsticker 1741, 2433.
  9. Zur Baugeschichte vgl. nr. 434.
  10. Th. Bolay, in: HgW 12 (1961) 21. – Der Verlauf dieser Empore geht aus der vorhandenen Literatur nicht hervor. Wenn sie die ganze Nordwand des Langhauses eingenommen hätte, müßte sie die Fenster und Fragment I überschnitten haben.
  11. Stil und Schrift sind dem Wandgemäldezyklus zu Bissingen, datiert 1677 und 1691, so eng verwandt, daß nur die Stifterinschrift IB eine versuchsweise Behandlung an dieser Stelle rechtfertigt; zu Bissingen vgl. M. Otto, in: HgW 13 (1962) 19–22; 36–38; 44–46; 30 (1979) 8; ders. (wie Anm. 7) 48–55.

Nachweise

  1. M. Otto (wie Anm. 7).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 674 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0067408.