Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 668 Unterriexingen (Stadt Markgröningen), Frauenkirche 1644

Beschreibung

Grabplatte des Johann Walter von Sternenfels. Innen an der Nordwand des Langhauses, siebter Stein von links. Rechteckige Sandsteinplatte mit schmaler Randleiste. Im Mittelfeld oben ein Wappen, begleitet von drei Wappenschilden in Allianzstellung. Unten eine hochrechteckige Tafel mit Knorpelwerkrahmung, bekrönt von einem geflügelten Totenschild mit Sanduhr und Gebein. Als unterer Abschluß Puttenkopf. Auf der Tafel 16zeiliger Schriftblock, in den Ecken des Feldes je ein Wappen im Medaillon. Der Stein wurde 1890/91 restauriert, die Schrift schwarz nachgezogen.1

Maße: H. 174, B. 82, Bu. 2–3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis, Minuskel (gerade und kursiv).

DI 25, Nr. 668 - Markgröningen-Unterriexingen - 1644

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. HODIE MIHI CRAS TIBI / MEMENTO MORI2)ACH EIN SÜNDER GEBOREN GELEBT GE=/STORBEN BIN ICH. / CHRIST(VS) MEIN HERR ERNEW, VERGIB / AVFFERWEK MICH. /ICH BIN GLAV̈BIG, ERHALT, VERKLÄR / MACHE SEELIG MICH . /DER WOHL EDELL GEBORNE / GESTRENGE IOHAN(N) WALLTER / VON STERNFELS STARB ANNO / 1644. DEN 18. MARTY SEINES / ALLTTERS 55. IAHR. /Gedenkh an Ihn, Wie er Gestorben ist. / So muostu auch sterben Sir 38.3) / Mors Ultima linea Reriun4)

Wappen:
Sternenfels, Schertlin von Burtenbach, Bettendorf, Menzingen.
SternenfelsMenzingen
HelmstattRossau

Kommentar

Johann Walter war ein Sohn des Johann Adam von Sternenfels (gest. 1619) und der Johanna von Menzingen (gest. 1634). Vom Vater hatte er Besitz in Zaberfeld (Lkr. Heilbronn) und Unterriexingen geerbt, letzteres als freies Eigentum.5 Die Mittelwappen beziehen sich auf seine Ehefrauen Maria Eva von Menzingen (gest. 1614), Helena Sibilla von Bettendorf und Maria Jacobe Schertlin von Burtenbach (gest. 1653).6 Die Eckwappen weisen auf die Großeltern des Verstorbenen, Georg von Sternenfels und Ursula Margarete von Helmstatt, sowie Peter d. J. von Menzingen und Ottilie von Rossau.7 In der Beschriftung des Steins sind die verschiedenen Teile des Textes durch Differenzierung der Schrift voneinander abgehoben: das (lateinische) Zitat am Beginn in kursiver Kapitalis, ebenso der Titulus. Die deutschen Verse in gerader Kapitalis, das deutsche Zitat am Schluß in kursiver Minuskel, das lateinische Zitat wiederum in gerader Minuskel. Der Stein verrät damit schon eine typisch barocke Formgebung.8

Anmerkungen

  1. Leutrum, Frauenkirche 25f.
  2. Zu diesem Zitat nach Sir. 38, 23 vgl. DI. XII (Heildelberg) nr. 333 mit Nachweisen über die Verwendung. In Verbindung mit der Memento mori-Formel auch benutzt in DI. VII (Naumburg Stadt) nr. 325 (1638).
  3. Sir. 38, 22.
  4. Vgl. nr. 396, wo die gleiche Devise benutzt ist, Reriun falsch für rerum.
  5. Vgl. nrr. 593, 594.
  6. Maria Eva von Menzingen soll ebenfalls in der Frauenkirche bestattet worden sein. Leutrum a. a. O. 54 Nr. 29 überliefert einen Text, der vielleicht ihre verlorene Grabschrift zitiert: Anno domini 1614 ist in Christo seliglich entschlafen die wohledle und tugendsame Fraw Maria Eva von Sternenfels geborne von Mentzingen. – Zu Helena Sibilla von Bettendorf vgl. nr. 581. – Der Grabstein der dritten Ehefrau ist in der Frauenkirche an der Südwand des Langhauses aufgestellt und trägt die Inschrift: An(n)o 16·35. Den 24. Decem=/bris. Starb die wol Edle Frau / Maria Jacobe Von Sternenfels, ge/borne Schertlerin von Burtenbach, / Weyl (and) Joh(ann) Walters von Sternenfels / zu Zaberfeldt vnd Vnder Riexingen / Eheliche Hausfraw, Ihres Alters. 54. / Jahr. 18 Wochen. Gott verleihe Ihr / an Jenem grosn Tag des HERRn eine / fröliche Aufferstehung. / AMEN.
  7. Bucelin II. 2. 302.
  8. Vgl. dazu etwa DI. XII (Heidelberg) nr. 615 aus dem Jahre 1635.

Nachweise

  1. Leutrum, Frauenkirche 36.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 668 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0066803.