Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 654 Geisingen (Stadt Freiberg a. N.), ev. Pfarrkirche St. Nikolaus 1633

Beschreibung

Grabplatte eines unbekannten Gliedes der Familie Schertlin von Burtenbach, möglicherweise ein Sohn oder eine Tochter des Johann Heinrich. Außen an der Ostwand des Chorpolygons. Hochrechteckige Platte aus gelbem Sandstein mit breitem Beschlagwerkrahmen, in den sechs Wappen-Medaillons eingefügt sind; im Feld oben geflügelter Engelskopf, in der Mitte Inschriftkartusche (A), unten kleine Kartusche (B) mit Totenkopf. Oberfläche weitgehend zerstört, besonders im Bereich der Inschriften.

Maße: H. 186, B. 95, Bu. 2,7 (B) und 3 (A) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 654 - Freiberg am Neckar-Geisingen  - 1633

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    IM IAHR [. . . . . . . . . .] / VNSERS [. . . . . . . . . . .] / SELIGL[ICH] [. . . . . . .] / 1633 · DEN [. . . . . . .] / NACHMI[. . . . . . . . . . . .] / [. . . . . . . . . . . . . . . . . . .] / SEIN [. . . . . . . . . . . . .] / DER [. . . . . . . . . . . . .] / ST [. . . . . . . . . . . . . .] / [. . . . . . . . . . . . . . . . .] / [. . . . . . . . . . . . . . . . .] / [. . . . . . . . . . . . . . . . .] / [. . . . . . . .] N DER AL / MÄCH[TIGE AN] SEINEM GROSEN / TAG EIN FROWLICHE AVFFERSTE/HVNG VERLEYHEN W[OLLE / A]MEN /

  2. B

    QVOD TV ES , EGO FVI / [QVOD] EGO [SVM] [T]V A[LIQVA]NDO / [ERIS]

Übersetzung:

Was du bist, bin ich gewesen; was ich bin, wirst du einstmals sein.

Wappen:
Schertlin von Burtenbach /Guttenberg /
Güss von Güssenberg /Coburg /
(unkenntlich) /(unkenntlich) /

Kommentar

Da die Grabschrift fast vollständig zerstört ist, macht die Identifizierung trotz Angabe der Ahnenprobe Schwierigkeiten. Die Ahnenwappen links beziehen sich auf Johann Heinrich Schertlin von Burtenbach (gest. 1635)1; die Ahnenwappen rechts können sich auf seine erste Gemahlin Scholastika von Guttenberg (gest. 1602)2 beziehen; dann wäre der Grabstein einem Kind dieser Ehe gewidmet. Da Johann Heinrich später offenbar eine Ehe mit einer Verwandten seiner ersten Gemahlin, Sophia von Guttenberg, einging, könnte es sich hier auch um einen Nachkommen dieser Verbindung handeln. Da ihre Eltern Philipp Peter von Guttenberg (gest. 1586) und Barbara von Coburg (gest. 1602) waren, bringen die Ahnenwappen keine Klärung.3

Der Spruch B knüpft an den – in vielfach variierter Form überlieferten – Spruch der „Drei Lebenden und drei Toten“4 an.

Anmerkungen

  1. Vgl. Stammtafel Schertlin.
  2. Vgl. nr. 506.
  3. Zur Genealogie der Guttenberg vgl. Joh. Bischoff, Genealogie der Ministerialen von Blassenberg und Freiherrn von und zu G. Würzburg 1971, 157 (nr. 642). Hier ist Johann Heinrichs Ehe mit Catharina von Hallweil (gest. 1624) – vgl. nr. 620 – mit keinem Wort erwähnt. Als Hochzeitsdatum Johann Heinrichs mit Sophia ist 1604 Juni 10 angegeben. Danach müßte Catharina nicht die zweite, sondern die dritte Gemahlin gewesen sein; Sophia, deren Todesdatum bei Bischoff nicht eingesetzt werden konnte, müßte demnach vor 1624 verstorben sein.
  4. Vgl. Rotzler, W., Die Begegnung der drei Lebenden und der drei Toten. Winterthur 1961; ders., in: RDK IV (1958) Sp. 512–524. – Eine Übersicht zur literarischen Verbreitung des Spruchgutes bei W. Goez, in: Der Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Göttingen 1976 (Veröffentlichungen d. Joachim-Jungius-Gesellschaft Hamburg) 111–153; vgl. auch: L. Wallach, in: Speculum 30 (1955) 36ff.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 654 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0065404.