Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 647 Münchingen (Stadt Korntal-Münchingen), ev. Pfarrkirche St. Johannes d. T. 1631

Beschreibung

Grabdenkmal des Philipp Christoph von Münchingen. Im Chor, zweites Denkmal der Südwand. Aedikula aus hellgrauem Sandstein. Rundbogiges Giebelfeld mit Umschrift (A) und Relief der Auferstehung Christi, flankiert von zwei Vollwappen; im Hauptfeld die kniende Figur des Verstorbenen nach rechts; auf den Rahmenpilastern jeweils achtfache Ahnenprobe; in der Sockelzone Grabschrift (B), unten beschnitten (mindestens eine Zeile zerstört). Beschädigungen am Wappen und Kranzgesims links oben; Hände des Ritters fehlen; vermutlich zu ergänzen: kleines Kruzifix oben rechts (zwei Dübellöcher sind erhalten). Buchstaben dunkelrot nachgezogen.

Maße: H. 330, B. 148, Bu. 2,5 (A), 2,6 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 647 - Korntal-Münchingen-Münchingen - 1631

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    ICH BIN DIE AVFFERSTEHVNG VND DAS LEBEN , WER AN MICH GLAVBT DER WIRT LEBEN IOHA . II . V(ERS) . 25 . 1) /

  2. B

    VFF MITTWOCH DEN 18 . MAY , ANNO 1631 . IST DER WOLL/EDLE VND GESTRENG , PHILIPS CHRISTOFF VON , AVCH / ZV MINCHINGEN VND HOCHDORFF FREYER REICHS RITT/ERSHAFT DES SCHWARTZWALDS VND NECKHER, / VIERTEL · VILL JÄRIGER ERBETTNER DIRECTOR RAHT / VND AVSS SHVSS , ZV 10 VHRN VORMITTAG , WOLL VND SELIG / [. . . . . . . . . . . . .] /

 
Wappen:
Münchingen, Rüppurr.

               
Ahnenwappen mit Beischriften:
V(ON) MYNCHINGEN V(ON) RIEPPVR ,
V(ON) SACHSENHEIM , V(ON) ITZLINGEN ,
V(ON) NYPPENBVRG, V(ON) FREYMERSCHEIM
V(ON) HEIMERTINGEN, V(ON) PARTENBACH
V(ON) ZOBELL, V(ON) SPETT ,
V(ON) KHRELSEN2), V(ON) SPETT ,
V(ON) VELBERG, V(ON) GYESSEN ·
V(ON) WERNAVW · V(ON) ÖFFINGEN ·

Philipp Christoph von Münchingen ist auch urkundlich als „wolverordneter Director“ des Ritterkantons Neckar-Schwarzwald zu belegen.3 Zwei seiner Gemahlinnen sind ebenfalls in Münchingen durch Grabdenkmäler vertreten, als deren Auftraggeber er gelten kann.4 Die dritte Gemahlin war Anna Katharina Leutrum von Ertingen, Tochter des Christoph und der Katharina Gremp von Freudenstein.5

Die Ahnenprobe entspricht in der Abfolge nicht dem üblichen Schema, das auf dem Grabmal der zweiten Gemahlin Anna Megenzer6 korrekt eingesetzt ist; hier sind jeweils die vier Wappen der Urgroßeltern-Generation zusammengefaßt, so daß die Wappen der Großmütter Philipp Christophs – Ursula Zobel von Giebelstadt und N. Speth – jeweils an fünfter Stelle (anstatt an zweiter Stelle) erscheinen.7

Das Denkmal entstammt derselben Werkstatt wie das der Anna Megenzer, ist jedoch im Aufriß variiert und nicht als Gegenstück entstanden. Deshalb ist kaum an eine gleichzeitige Fertigung um 1621 zu denken, womit die Autorschaft des Jeremias Schwarz (gest. 1621) ausscheidet.8

Anmerkungen

  1. Joh. 11, 25.
  2. So für CRAILSHEIM.
  3. Vgl. D. Hellstern, Der Ritterkanton Neckar-Schwarzwald 1560–1805. Tübingen 1971, 103 (Veröff. d. Stadtarchivs Tübingen 5).
  4. Vgl. nrr. 433, 605. Ferner dürfte auch das Denkmal für seine Kinder Philipp und Ursula von ihm veranlaßt sein; vgl. nr. 513.
  5. Deren Grabmäler in Niefern aus der Werkstatt des Jeremias Schwarz; vgl. DI. XXII (Enzkreis) nrr. 318, 332.
  6. Vgl. nr. 605.
  7. Zur Genealogie vgl. die Stammtafeln Münchingen und Rüppur.
  8. Die Verbindung mit Schwarz wurde für das Denkmal der Anna Megenzer von Fleischhauer postuliert; vgl. Fleischhauer, Renaissance 359. Daß die Denkmäler beider Ehegatten künstlerisch eng zusammengehören und von jüngerer Hand sind, wurde nicht gesehen.

Nachweise

  1. OABLeonberg 1930, 934.
  2. A. Schahl, in: Heimatbuch Münchingen 1973, 267f.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 647 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0064701.