Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 637 Oßweil (Stadt Ludwigsburg), ev. Pfarrkirche St. Januarius 1628?

Beschreibung

Grabplatte der Anna Maria Reschin (Roesch), Gemahlin des Jacob Lempp. Im Chor, Nordseite, am Chorbogen. Hochrechteckige Platte aus Sandstein, mit hellgelber Ölfarbe gefaßt. Breiter Rahmen mit Arabesken-Flachornament; im vertieften Feld oben Inschriftkartusche (A), darunter Medaillon mit zwei Wappen mit Helmen und Helmzieren, in der unteren Hälfte Inschrifttafel (B), gerahmt von Knorpel- und Ohrmuschelwerk. Oberfläche besonders im unteren Drittel abgetreten.

Maße: H. ca. 170, B. ca. 90, Bu. 2,5–3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 637 - Ludwigsburg-Oßweil - 1628 ?

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    SELIG SENDT DIE TODTEN DIE IN DEM / HERRN STERBEN VON NVN AN . IA DER / GAIST SPRICHT DAS SIE RVOHEN VON / IHRER ARBEIT APOC: 14 · CAP ·1)

  2. B

    ALHIE LIGT BEGRABEN DIE EHRN / VND TVGENDREICHE FRAW . ANNA / MARIA RESCHIN . DES EHRNVESTEN / VORGEACHTEN HERRN IACOB LEMP=/PEN BAVWMEISTERS VFF DEM ER=/LAC[H H]OFF VND MVRRHARDTISCH=/EN PFLEGERS ZV OSSWEIL EHE=/L[ICHE HAV]SFR[AW] WELCHE DIEN / [. . . . . . . .] 28 OCTOBRIS ANNO / [. . . . . . . . . .] W[E]YHINGEN / [. . . . . . . .] ERDT / [. . . . . . . . . . . . . . .] NACHT / [. . . . . . . . . . .] IHRE / [. . . . . . . . . . . . . . . . .] /a)

Wappen:
LemppRoesch

Kommentar

Die Verstorbene entstammte der Familie Roesch aus Kirchheim a. N. als Tochter des Kaspar Roesch (gest. 1621).2 Sie heiratete den späteren Klosterhofmeister zu Steinheim, Jacob Lempp (gest. 1637 Sept. 12), welcher nach ihrem Tod eine zweite Ehe mit Anna Katharina Sattler, der Tochter des Lorcher Pflegers Johann Georg Sattler, einging.3 Da Lempp 1632–1634 vermutlich in Steinheim zu sein hatte, kann man ihren Tod vor 1632 vermuten.4

Für eine Ansetzung des Grabsteins um diese Zeit spricht die künstlerische Gestaltung. Sie folgt demselben Entwurf wie der Kleinsachsenheimer Grabstein für Johann Jacob Zweiffel (gest. 1630).5 Da die Ausführung jedoch insgesamt qualitätvoller ist, dürfte das Werk ein Original aus der Werkstatt Leonberg II sein; darauf deutet vor allem das Arabesken-Flachwerk.6

Textkritischer Apparat

  1. Auf dem Rahmen Mitte rechts Buchstaben einer Verewigung.

Anmerkungen

  1. Off. 14, 13.
  2. Zu diesem vgl. Bernhardt I 569ff.; Pfeilsticker 3313, 3506.
  3. Pfeilsticker ebd.; Bernhard I 367. – Aus dem Erlachhof und dem abgegangenen Dorf Geisnang entstand das spätere Ludwigsburg; vgl. W. Bollacher, in: LudwigsburgerGbll 17 (1965) 52ff. Zusammenfassung der älteren Literatur dazu bei W. Schmierer, ebd. 32 (1980) 79ff. – Das Kloster Murrhardt besaß seit dem frühen Mittelalter in Oßweil einen Hof.
  4. Murr gibt als Todesdatum ohne Quellenangabe 1628 an.
  5. Vgl. nr. 641.
  6. Die Grabplatten mit dieser Ornamentform bilden eine eigene Gruppe innerhalb des umfangreichen Œvres dieser Werkstatt; vgl. dazu oben Einleitung S. XXXIX.

Nachweise

  1. H. M. Murr, in: HgW 9 (1958) 6.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 637 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0063704.