Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 583 Vaihingen a. d. Enz, Mühlstr. 21 (jetzt im Städt. Bauhof und im Heimatmuseum) 1617 und 1618

Beschreibung

Inschriften des Bürgerhauses Mühlstr. 21 (Haus Lamparter), das nach den großen Stadtbränden 1617 und 1618 neu erbaut wurde und beim Brand 1693 verschont blieb.

I. Bauinschrift, ehemals vermutlich am massiven Erdgeschoß des Hauses, z. Zt. im Städtischen Bauhof aufbewahrt. Platte aus hellgrauem Sandstein, fast quadratisch; breiter, glatter Rahmen, innen mit Wulstprofil; im vertieften Feld Inschrift (A), unten auf dem Rahmen (B) mit Steinmetzzeichen nr. 58. Schrift dunkel gefaßt.

Maße: H. 52, B. 48,5, Bu. 1,8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 583 - Vaihingen a. d. Enz - 1617

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    FIDE DEO SOLI · COLE RE=/CTVM · FERTO FERENDA · / HAE AEDES EXTRVCTAE SV=/NT DE NOVO · POSSESS=/ORIBVS HEINRICO · ET / VXORE MARGARETHA / CVRBIN · ANNO · REPARATAE SALVTIS · / M · DC · XVII / FIDE · SED VIDE · CVI · /

Übersetzung:

Vertrau dem einzigen Gott. Baue das Richtige. Ertrage, was du ertragen mußt. Diese Gebäude wurden von neuem erbaut durch die Besitzer Heinrich und seine Gemahlin Margaretha Curbin im Jahre der Wiedergewinnung des Heils 1617. Trau, aber schau, wem.

  1. B

    · HANS [Stz. nr. 58] DREWa) · /

II. Tür von einer Stube des Hauses, jetzt im Heimatmuseum in der Peterskirche. Durchgehendes Brett aus Fichtenholz, durch Malerei quer geteilt: oben Darstellung eines Kochs in Pluderhosen mit Kochlöffel in der Hand, darüber Beischrift; unten Schablonenmalerei (schwarz). Schlecht erhalten.

Maße: H. 182, B. 88, Bu. 2,7 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

  1. Rücht an /// 1618 /

Kommentar

Der Name Curbin (Kurbin) begegnet bei dem Stadtschreiber zu Backnang (1586–1611), Lorenz Curbin aus Schorndorf.1 Er verheiratete seine Tochter an den Vaihinger Bürger Hans Jacob Weiler, Sohn des Herrenalber Pflegers ebd.

Die Bauinschrift beginnt mit einem dreifachen Gebot, in dem der als Bauinschrift beliebte Liedvers „Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut“ umgeformt und ins Lateinische übertragen wurde.2 Der Schluß der Inschrift – Fide sed vide cui (häufiger: Fide sed cui vide) – ist in lateinischer und deutscher Sprache als Devise um 1600 häufig.3

Dem gelehrten Text entspricht die Ausführung im Niveau nicht. Die Schrift wirkt unbeholfen und unregelmäßig. Auffallend sind das N mit geschweifter Schräg-Haste, das zuweilen dem A angenäherte R und das dem D angenäherte B. Der ausführende Steinmetz Hans Drew ist bisher nicht nachgewiesen.

Textkritischer Apparat

  1. Dasselbe Steinmetzzeichen erscheint ein zweites Mal links auf der Rahmung.

Anmerkungen

  1. Pfeilsticker 2158; 2159; seine Grabplatte mit Todesdatum 1632 in Backnang; vgl. KdmBaden-Württemberg: Rems-Murr-Kreis I 252.
  2. Zu dem Kirchenlied vgl. Wackernagel III 1213. – Zu seiner Verwendung als Hausinschrift vgl. Rüegg 38, aber auch z. B. DI. XII (Heidelberg) nr. 541 (1603); DI. XIV (Fritzlar) nr. 203 (1631).
  3. Vgl. Dielitz 104, 332, 350.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 583 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0058301.