Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 507 Hemmingen, ev. Pfarrkirche St. Laurentius (1578 und) 1603

Beschreibung

Grabdenkmal der Geschwister Hans Ludwig und Margaretha von Nippenburg. Im Chor, drittes Denkmal der Südwand. Große Doppel-Aedikula aus hellgrauem Sandstein. Inschriftkartusche mit geteilter Inschrift (A1, A2) ehemals wahrscheinlich bekrönt von Wappenmedaillon mit Vollwappen; in der Gebälkzone – ebenfalls in der Mitte geteilt – die Inschriften B1 und B2; im Mittelfeld die Figuren der Verstorbenen vor flachen Rundbogennischen, nicht einheitlich gerahmt (links Blattwerkfüllungen, rechts Beschlagwerk); unterschiedlich gestaltet sind auch die Ahnenwappen mit Beischriften auf Täfelchen, alle mit Helm und Helmzier. In der Sockelzone Beschlagwerk-Füllungen, zwischen Maske und Engelskopf (das rechte Gegenstück fehlt). Farbspuren (gold, schwarz).

Maße: H. 282, B. 198, Bu. 1,8–2 cm.

Schriftart(en): Fraktur, Kapitalis.

DI 25, Nr. 507 - Hemmingen - (1578 und) 1603

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. A1

    ANNO DOMINI . 1578 . / den . 12 . tag . Maij . Jst der Edel / vnd Vest Hanns Ludwig von / Nippenburg . außer disem ellende(n) / Jumerthal seeliglich abgeschide(n) / seines allters . 28 . Jar . /

  2. A2

    AN(N)O Christi . 1603 . den . 6 . Augusti Jst / die Edle Ehrn vnnd Tugentreiche Jungfraw / Margaretha . geborne von Nippenburg sanfft / vnnd seelig im Herrn entschlaffen . Jhres / Allters. 48 . Jar . Beede Friderichs von / Nippenburg Eheleibliche kinder . wölche / der Herr Zum Ewigen leben wölle auff/wachen laßen . AMEN . /

  3. B1

    Wir seind gestorben . vnnd vnser leben ist ver=/borgen mitt Christo in Gott . COLOSS: III CAP.1) /

  4. B2

    Wenn aber Christus . vnßer leben . sich offen=/ baren wirdt . denn werden wier auch offen=/bar werden . mitt Jm in der Herrligkeit .2) /

               
Wappen mit Beischriften:
[NI]PP= / EN= / BVRG NIPPEN / BVRG.
NEIDECK CRON= / BVRG
NIPPE(N) / BVRG NIPPE(N) / BVRG
NEID / ECK CRON / BVRG
SPET REIFF / EBERG3)
RIET / HEIM BACH

Die Eltern der Verstorbenen waren Friedrich von Nippenburg (gest. 1591) und seine erste Gemahlin Benedicta geborene von Nippenburg aus der Unterriexinger Linie (gest. 1562).4 Für die Familie Friedrichs sind Epitaphien in Schwieberdingen und Hemmingen errichtet worden, auf denen die Kinder Hans Ludwig und Margaretha ebenfalls zur Darstellung kamen.5

Das Denkmal ist keine einheitliche Schöpfung. Die linke Seite entstand bald nach dem Tod des Hans Ludwig im Jahr 1578. Der jetzige Zustand ist das Ergebnis eines Umbaues zu einem Doppelgrabmal, einer Form, die gelegentlich auch für Geschwisterpaare und nicht nur für Eheleute Verwendung fand.6 Die beim Toder Margaretha geschaffene Bildnisfigur – mit Jungfernkranz als Abzeichen der Unverheirateten – wurde nach 1603 mit der Platte des älteren Rittergrabmals unter einem gemeinsamen Kranzgesims und über neuem Sockel vereinigt; die Grabschriften hat man neu gefertigt. Die Ausführung lag in der Hand der von den Nippenburg immer wieder herangezogenen Leonberger Werkstatt des Jeremias Schwarz. Dieselbe Werkstatt hatte ein Vierteljahrhundert zuvor bereits das Einzeldenkmal für Hans Ludwig geschaffen, wie ein Vergleich mit der Gruppe des Frühwerks aus den 1570er Jahren ergibt.7

Der Schriftbefund vermag diese Zuschreibung zu bestätigen. Die Wappenbeischriften auf kleinen Täfelchen mit rautenförmiger Öse an der Platte des Hans Ludwig entsprechen vollkommen denjenigen auf dem Grabmal der Anna von Flehingen geborene Göler von Ravensburg (gest. 1572) in Flehingen8, Schwester der zweiten Gemahlin des Friedrich von Nippenburg. Die Verwendung der Kapitalis innerhalb des Fraktur-Schriftblocks – z. B. zu Beginn bei ANNO DOMINI und zum Abschluß bei AMEN, ferner bei Bibelsprüchen der Herkunftsnachweis – ist gerade bei den nach 1600 entstandenen Arbeiten häufig zu beobachten.9

Anmerkungen

  1. Ko. 3, 3.
  2. Ko. 3, 4. – Die Anrede „Ihr“ an die Kolosser ist hier als Bekenntnis abgewandelt.
  3. Hier fälschlich für Schellenberg.
  4. Vgl. Stammtafel Nippenburg.
  5. Vgl. nrr. 428, 456 (1591, 1595).
  6. Vgl. das Doppelgrabmal der Geschwister Hans und Barbara von Handschuhsheim in Heidelberg-Handschuhsheim, wie hier ein Werk des Jeremias Schwarz; dazu DI. XII (Heidelberg) nr. 522 (dort noch als Arbeit des Jacob Müller von Heilbronn geführt), ferner hier nr. 477.
  7. Nächstverwandt sind die Denkmäler für Hans von Remchingen (gest. 1576) in Kirchheim/Teck – dort ebenfalls mit Streithammer in der Rechten! – sowie für Ludwig Wolf von Flehingen (entstanden um 1572) in Flehingen; vgl. Kdm. Württemberg, Donaukreis II: Oberamt Kirchheim/Teck. Bearb. v. H. Christ u. H. Klaiber. Esslingen 1924, 33 und Abb. 24.; DI. XX (Karlsruhe) nr. 256. – Die Zuschreibung der Denkmäler-Gruppe an Leonhard Baumhauer ist zu revidieren; so bei Fleischhauer, Renaissance 132. – Vgl. oben Einleitung S. XXXIX.
  8. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) nr. 255.
  9. vgl. ebd. nrr. 314, 339 (1598, 1603?), ferner DI. XXII (Enzkreis) nr. 318 (1608).

Nachweise

  1. OABLeonberg 1930, 817f.
  2. Fleischhauer, Renaissance 132.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 507 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0050707.