Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 490 Mundelsheim, Kilianskirche 1591/1600

Beschreibung

Grabdenkmal des Johann Wolff. Innen an der Ostwand des Chores, erster Stein von links. Vor einer rundbogigen Nische mit Aedikula-Rahmen Hochrelief des Verstorbenen in Lebensgröße. Giebelaufsatz durch querrechteckige Tafel (weiß gekalkt) mit Roll- und Beschlagwerkrahmung, darin 8zeilige Inschrift, ehemals schwarz ausgemalt (A). Auf dem Sockel Rollwerktafel mit 4zeiliger Inschrift (B). Auf den Halbsäulen des Rahmens je zwei Wappen mit Beischriften.

Maße: H. 345, B. 122, Bu. 3,5 (A), 5 (B) cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 25, Nr. 490 - Mundelsheim - 1591/1600

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    Johan Wolff der Rechten L(icentiat) So bey Leb Zeytten Pfaltz / vnd Marg(räflicher) Rath vnd 18 Jar Amptman alhie / Vnd dan Zu Legationibus der Ro(emischen) Ka(iserlichen) May(estät) auch / den Königen Franckreich vnd Nauarren drey / mal Zu Engellandt Zwey vnd Zuo Polen Ein=/ mal : auch sonst Chur(fürsten) Fürsten Stett Reichs, / Vnnd Krayßtagen gepraucht geweßen Ist. / Starb An(n)o 1600 den 23 tag Monats may ·a)

  2. B

    Starb Anno 1⟨   ⟩ den ⟨   ⟩ Monatstag / ⟨            ⟩ / b) Die hailsambst Traffickc) Ist Gott Fürchten vnd / sich benüegen

   
Wappen mit Beischriften:
Wolff. Niefernburg.
Rolwag. Bühel.

Die Wappen beziehen sich auf den Verstorbenen und seine drei Ehefrauen, Maria Magdalena Achtsynit von Niefernburg, Christina Bühel und Barbara Rollwag.1 Johann Wolff wurde 1537 in Bergzabern geboren.2 Nach dem Besuch der Straßburger Lateinschule studierte er seit 1557 Jurisprudenz, Philologie und Theologie in Wittenberg, Tübingen, Bourges und Dôle, wurde 1568 Assessor am Reichskammergericht zu Speyer und Rat der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken; auf seine Verdienste weist der Wortlaut der Inschrift hin. 1573 trat er unter dem Einfluß seines Schwiegervaters, des badischen Kanzlers Martin Achtsynit von Niefernburg, in die Dienste des Markgrafen von Baden-Durlach und wurde 1574 Amtmann der Herrschaft Mundelsheim. Um 1592 scheint er dieses Amt abgegeben zu haben, um sich ganz seinen schriftstellerischen Arbeiten zu widmen.3 Sie umfassen die Übersetzung französischer Jagdliteratur ebenso wie historische Abhandlungen; sein Hauptwerk ‚Lectionum memorabilum ac reconditarum centenarii XVI’ erschien in seinem Todesjahr und ist ausgesprochen vom Tenor eines kämpferischen Protestantismus erfüllt.4 Das Grabmal wurde noch zu Lebzeiten Wolffs in Auftrag gegeben, vermutlich in der Werkstatt des Jakob Müller in Heilbronn, wo Wolff seit 1594 lebte5; es wurde vor seinem Tod vollendet und vielleicht sogar schon in Mundelsheim (ohne die obere Schrifttafel?) aufgestellt. Die Datumszeile dieser Schrifttafel ist nachträglich zugefügt, sicher aber von gleicher Hand gemeißelt; dagegen blieb die Datumszeile der Sockeltafel unausgefüllt.

Textkritischer Apparat

  1. Zeile nachträglich hinzugefügt.
  2. Leerstellen nicht ausgefüllt.
  3. Abgeleitet aus ital. traffico = Handel, Verkehr; hier im Sinne von Wandel, Leben.

Anmerkungen

  1. Zu den beiden ersten Ehefrauen vgl. nrr. 382, 429; Barbara Rollwag starb 1635 mit zwei Kindern in Heilbronn an der Pest.
  2. Vgl. zuletzt W. Irtenkauf, Johann Wolff, Amtmann zu Mundelsheim, in: LudwigsburgerGbll. 27 (1975) 89–116; zum Grabmal der Mutter vgl. nrr. 457, 458.
  3. Belege für Wolffs Tätigkeit bei Pfeilsticker 2635, 2638; vgl. ferner die Literatur bei Irtenkauf a. a. O. und H. Romig – O. L. Wolff, Geschichtliches aus Mundelsheim, Marbach 1927, 25–46.
  4. Irtenkauf a. a. O. 101.
  5. Das Grabdenkmal ist eng verwandt mit den Denkmälern für die zweite Ehefrau (nr. 428) und die Mutter Katharina Heygelin (nr. 457). Kontrovers äußert sich Fleischhauer, Plastik Ludwigsburg 1968, 175; der Auftrag an Müller für das Grabmal der Christina Bühel belegt bei Rauch, in: WürttVjh. NF. 14 (1905) 89.

Nachweise

  1. OABMarbach 237.
  2. Romig-Wolff (wie Anm. 3) 20f.
  3. Irtenkauf (wie Anm. 2) 90 (Abb.), 102.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 490 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0049006.