Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 477 Kleinbottwar (Stadt Steinheim a. d. Murr), ev. Pfarrkirche St. Georg 1597/99

Beschreibung

Doppelgrabmal der Brüder Sebastian und Christoph von Plieningen; innen an der Nordostwand des Chores.

Großer dreigeschossiger Aufbau aus Sandstein in Form einer Doppel-Aedikula. Auch die Giebelzone zweiteilig in Gestalt von zwei nahezu gleichartigen Giebelaufsätzen mit den Reliefs der Himmelfahrt Christi und der Auferweckung der Toten; im Giebelfeld über der Himmelfahrt ovale Inschriftkartusche A1, das Gegenstück rechts (A2) ist verloren. Zwischen diesen Giebel-Aedikulen freistehender Putto mit Wappenschild; außen sitzende Figuren der Tugenden Fides und Spes. In der Gebälkzone die Grabschriften (B1 und B3), dazwischen kleines Schrifttäfelchen (B2). Das Figurengeschoß wird von schlichten Pfeilern gerahmt und in der Mitte geteilt; ihre Stirnseiten sind mit den Ahnenwappen mit Beischriften belegt. Vor flachen Rundbogennischen stehen die Figuren der beiden Ritter in voller Rüstung, Helm und Löwe bzw. Hund zu Füßen. Der durchlaufende Unterbau ist mit Beschlagwerk verblendet. Schriftgrund schwarz gefaßt, Buchstaben vielleicht ehemals vergoldet. Wappen-Beischriften schwarz, Wappen in neuerer Zeit tingiert.

Maße: H. 307, B. 220, Bu. 1,7 (A, B1, B3), 2,1 (B2) cm.

Schriftart(en): Fraktur (A, B1, B3), Kapitalis (B2).

DI 25, Nr. 477 - Steinheim a. d. Murr-Kleinbottwar - 1597 / 1599

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. A

    Ich fahre auff zu / meinem vatter vnd zu ew=/ erem vatter : zu meinem / Gott vnd zu ewerm : / Gott IOH(ANNES) 201)

  2. B1

    Der Edel vnnd vest . Sebastian von Pliening(en) zu Hohenstein Fürstlicher / Württembergischer Stallmaister . wardt zu Studtgardt den . 8 . Juny . / an(n)o . 1557 . geborn . Ist zu Marppach den . 21 . Augusti An(no) . 1597 . durch / einen vnuersehenen schnellen fall . todts verschiden . hie ins gewelb gelegt / worden . Einer frölichen vhrstend erwardet .

  3. B3

    Der Edel vnnd vest Christoff von Plieningen zu Hohenstein . / wardt Zu studtgardt . den . 10 . Marty . An(n)o . 1566 . geborn . Ist / zu Hohenstein . den . 31 . Marty . An(n)o . 1599 . seliglichen Ent=/ schlaffen . vnnd In dise Kürchen gelegt worden . den Gott durch / Christum ein fröliche vfferstehung verleihen wölle Amen .

  4. B2

    FRATRES / F(IERI) F(ECERVNT)

 
Wappen:
Plieningen

                                       
Wappen mit Beischriften:
(Sebastian)
Plieningen Schinauw.
Waldenburg. Anweil.
Nippenburg. Reinach.
Graffeneck. Klingenberg.
Lamersheim. Langenberg.a)
Staubiß. Stein.b)
Gültlinge(n). Reinach.
Rottenstei(n): Reichenstei(n).
(Christoph)
Plieningen. Helmstatt.
Waldenburg. Seckendorf.
Nippenburg. Bayern. vo(n)
Rep=/art:c)
Graffeneck. (Venningen)d)
Lamersheim. Diemenstei(n).
Staubiß. Mansperg.
Gültlinge(n). Stein.e)
Rottenstei(n). Wi[ndeck.]

Die Pfeilerwappen bilden eine Ahnenprobe2 der Halbbrüder, die aus den Ehen des Hans Dietrich von Plieningen mit Apollonia von Schönau und Agnes von Helmstatt stammen.3 Sebastian tritt erstmals im Jahr 1589 als Stallmeister auf und übernahm 1594 das württembergische Lehen Hohenstein zusammen mit dem Bruder Sebastian; er starb durch einen Sturz vom Pferd.4 Das Grabmal wird dem Leonberger Bildhauer Jeremias Schwarz zugeschrieben5; etwa gleichzeitig entstand in derselben Werkstatt das Denkmal für die Familie des Dietrich von Plieningen. Dieser dürfte einer der in der Inschrift B2 als Autraggeber genannten Brüder gewesen sein.6

Textkritischer Apparat

  1. Abgebildet ist auf dem Denkmal Wappen Landenberg.
  2. Stein von Rechtenstein.
  3. So für Bayer von Boppard.
  4. Beischrift fehlt, abgebildet Venningen.
  5. Stein ‚mit der Tanne’.

Anmerkungen

  1. Joh. 20, 17.
  2. Die Wappen Lamersheim/Staupitz auf dem linken Pfeiler sind vertauscht.
  3. Vgl. nr. 343. – Zur genealogischen Einordnung Grabplatte des Christoph nr. 679.
  4. Pfeilsticker 729; Meißner, Kleinbottwar 9f.
  5. Fleischhauer, Ludwigsburg 172.
  6. Vgl. nr. 466.

Nachweise

  1. Fleischhauer, Ludwigsburg 172 (nur Abb.).
  2. Fleischhauer, Renaissance, 1971, 359 (Abb. 195).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 477 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0047700.