Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 469 Bissingen (Stadt Bietigheim-Bissingen), ev. Pfarrkirche St. Kilian 1597

Beschreibung

Grabplatte des Kindes Daniel Machtolff. Außen an der Südseite des Langhauses.1 Hochrechteckige Platte aus grauem Sandstein mit Umschrift (A) zwischen Linien; im Feld Grabschrift (B). Schrift anläßlich der Neuaufstellung überarbeitet.

Maße: H. 102, B. 79,5, Bu. 3,7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 469 - Bietigheim-Bissingen-Bissingen - 1597

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    + LASZET DIE KINDLIN ZVO / MIR KOMMEN VND WEHREND INEN / NICHT , DAN SOLCHER IST DAS / REICH GOTTES · MARCI · X · CA PIT[14]/2)

  2. B

    HERN IOAN(NIS) MACHTOLFFS / G(EISTLICHEN) VERWALTERS ZV BIETTIG/HEIM SOHN DANIEL BÖ=/SEN LVFTS WEGEN ALHE=/RO GEFLEHNETa) DEN VII. / AVGVSTI GEBOREN IST DE(N) / XXIII NOVEMBRIS ANNO / DOMINI · 1 · 5 · 9 · 7 · IN CHRI=/STO SELIGLICH ENTSCHLAF/EN, DESSEN LEICHNAM HIE / NEBEN RVOHEND GOTT AM / IV̈NGSTEN TAG ZVO EWIG/ER HERLIGKEIT ERWECKE · / AMEN · /

Kommentar

Die Eltern des Kindes gehörten der württembergischen Ehrbarkeit an. Johann Machtolff aus Vaihingen3 war Geistlicher Verwalter zu Maulbronn (1585ff.), Kirchheim/Teck (1593–1596) und Bietigheim (1596–1598; 1603–1605), dann von 1605 bis zu seinem Tod 1615 wieder in Maulbronn.4 Seine Gemahlin Klara, Tochter des Leonberger Untervogts Hans Aichmann (gest. 1578), war in erster Ehe mit dem Leonberger Forstmeister Gall von Sachsenheim (1596 gest.) verheiratet gewesen5; sie wird noch 1608 genannt.

In den Pestjahren 1596/1597 suchten viele Familien der Oberschicht durch Flucht aus den Städten der Seuche zu entgehen.6 So wurde 1595 der herzogliche Hof von Stuttgart nach Kirchheim/Teck evakuiert; die Heidelberger Universität floh zeitweise nach Eppingen und Ladenburg. Im vorliegenden Falle wird die Seuche als Fluchtgrund – „bösen Lufts wegen“ – umschrieben.

Textkritischer Apparat

  1. So für GEFLOHEN.

Anmerkungen

  1. Bis 1958 lag der Stein im hinteren Pfarrgarten und war bereits weitgehend verwittert.
  2. Mark. 10, 14.
  3. Eltern: Konrad, selig 1572, und Margaretha Anshelm von Mönsheim; vgl. Pfeilsticker 2608.
  4. Pfeilsticker 2203, 2499, 2608.
  5. Zu Hans Aichmann vgl. Bernhardt I 121; sein Grabmal ist in der Leonberger Stadtkirche erhalten.
  6. Vgl. dazu DI. XX (Karlsruhe) nr. 352 und DI. XXII (Enzkreis) nr. 285 mit weiteren Nachweisen; vgl auch hier nr. 351.

Nachweise

  1. M. Otto, in: HgW 1958, 53 m. Abb.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 469 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0046901.