Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 466 Kleinbottwar (Stadt Steinheim an der Murr), ev. Pfarrkirche St. Georg 1597

Beschreibung

Grabmal des Dietrich von Plieningen, seiner Ehefrau Sibylle geborene von Münchingen und ihres Sohnes Philipp Christoph. Innen an der Südwand des Schiffes hängend, zweiter Stein von links.

Doppel-Aedikula aus Sandstein, ähnlich im Aufbau wie das Denkmal der Gebrüder von Plieningen.1 Hier zweigeschossiger Giebelaufsatz mit den Reliefs der Auferstehung Christi flankiert von Psalmversen (A1, A2) (in der Bekrönung) sowie der Kreuzabnahme und Grablegung; seitlich je ein Medaillon. In der Gebälkzone die Inschriften B1, B2 – als Leichentexte den Figuren zugeordnet. Diese knien im Hauptgeschoß betend dem Kruzifix zugewandt vor flachen Rundbogennischen; Mutter und Kind auf einem Sockel mit zweizeiliger Inschrift (C). Zu Häupten bogenförmig geführte Schriftbänder (D1, D2). Seitlich schlichte Rahmenpfeiler mit jeweils sechzehnfacher Ahnenprobe mit Beischriften. In der Sockelzone die Grabschriften (E1, E2) auf zwei separat gearbeiteten, seitlich abgeschrägten Tafeln, die in eine Löwen-Maske auslaufen und von Masken-Konsolen flankiert werden. Die Grabschriften auf schwarzem Grund, ebenso A1, A2; Wappen-Beischriften schwarz, Wappen tingiert (siebzehn der angestifteten, wohl aus Stuck geformten Wappen fehlen).

Maße: H. 387, B. 215, Bu. 1–3 cm.

Schriftart(en): Fraktur und Kapitalis (B, C).

DI 25, Nr. 466 - Steinheim a. d. Murr-Kleinbottwar - 1597

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A1

    PSAL(M) 118a) / Das ist vo / Herrn gescheh(en) / vnd ist ei(n) wunder / für vnsern augen //2)

  2. A2

    PSAL(M) 118a) / Daß ist das / Tor deß Hernn / die gerechten werd(en) / da hinein gehn.3)

  3. B1

    ESAIAE 26 GEHE HIN MEIN VOLCK IN DEINE KAMMER / VND SCHEEVSb) DIE THVR NACH DIR ZV VERBIRG DICH / EIN KLEINE AVGENBLICK BIS DER ZORN FVR VBER GEH //4)

  4. B2

    DIE GERECHTEN WERDEN WECKGERAFFT FV̈R DEM / VNGLV̈CK VND DIE RVCHTIG FV̈R SICH GEWANDELT HABE(N): / DIE KOM(M)EN ZVM FRIDE(N) VND RVGE(N) IN IREN KAMMER(N) ESAIAE 565)

  5. C

    CHRISTVS · IST · MEIN · LEBEN · / VND STERBEN MEI(N) GEWIN · PHILIPP(ER) I.6)

  6. D1

    PS(ALM) 119a) . Erhalt mich durch dei(n) / wortt das ich lebe.7)

  7. D2

    Also hatt Gott die weldt geliebt . daß er sein ein=/ gebornen sohn gab . vff das alle die an in glauben / nicht verlore(n) werde(n) . sonder das ewig lebe(n) habe(n)8)

  8. E1

    Anno Domini . 1600 . den . 25 . Augusti / Ist der Edel vnd vest Dieterich von pliening=/ gen . zu Altten Schoubeekh . vnd Hohenstein . / seines altters Im . 53 . Jar . im deinacher Bad / zu Zauilstein im Herrn Christo seliglichen Ent=/ schlaffen . vnd in diser Kv̈rchen zu seinen selig=/ en vorelttern in daß Gewelb gelegt word / den . der Almeehtig Gott verleihe ime ein fröliche vfferstehung

  9. E2

    Anno Domini . 1597 . den . 19 . July . Ist die Edel vnd / Tvgentsam fraw . Sibilla von plieningen . geborne von / Münchingen . Ires Alters im . 41 . Jar zu altten Schaubeck / vmb . 5 . vhr vormittag . In Christo selig Entschlaffen . / Als zuuor In An(n)o D(omi)ni . 1596 . den . 12 . May Zwischen / 4 . vnd . 5 . vhr vormittag Ihr sohn philips Christoph von / plieningen . seines altters . 6 . wochen zu altten Schau=/ beckh . seelig Im Herrn verschiden . denen der / Almechtig Gott ein fröliche vfferstehung verleiih .

 
Wappen:
Plieningen; Münchingen

                                     
Wappen mit Beischriften:
(Ritter)
PLIENING/EN. SCHEN/AVW.
WALDEN/BVRG. ANWEILL.
NIPPEN=/BVRG. REINACH.
GRAVEN/ECK. KLINGEN/BERG.
LAVMERS/HEIM. LANDEN/BERG.
STVBITZ. STEIN9)
GVLTLIG/EN. REINACH.
ROTEN/STEIN. REICHEN/STIIN.
(Dame)
Münchin/en. Rieppüir
Zobel. Spett
Nüppen=/burg. Flamers=/heim
Velberg Güßen
Sachsen/heim Bartten=/bach
Kreilß=/heim. Öffingen
Heimer=/dingen. Sternen=/felß
Wernaw Graueneck

Die Wappen verweisen auf je sechzehn Ahnen des Verstorbenen und seiner Ehefrau.10 Dietrich saß auf der von Württemberg zu Lehen gehenden Burg Schaubeck (Stadt Steinheim a. d. Murr), war Inhaber der Ortsherrschaft Bottwar, die zur Hälfte sein Eigenbesitz, zur Hälfte württembergisches Lehen war.11 Nach dem Tod seines Bruders Christoph fiel ihm dessen Lehensbesitz Hohenstein (Stadt Bönnigheim) zu, der gleichfalls von Württemberg herrührte.12 Er starb während einer Kur in Bad Teinach (Bad Teinach-Zavelstein, Lkr. Calw). – Das Denkmal ist ein Hauptwerk des Jeremias Schwarz von Leonberg und vermutlich nach dem Tod der Ehefrau in Auftrag gegeben worden. Gewisse Unregelmäßigkeiten – unterschiedliche Verfärbung am Gesims, Grabschriften von verschiedener Größe, unterschiedliche Schriften bei den Ahnenproben – könnten darauf hindeuten, daß zunächst ein Einzeldenkmal vorgesehen war, das dann zum Doppelgrabmal erweitert wurde.13

Textkritischer Apparat

  1. In Kapitalis.
  2. So statt SCHLEVS.

Anmerkungen

  1. Vgl. nr. 477.
  2. Ps. 118, 23.
  3. Ps. 118, 20.
  4. Jes. 26, 20.
  5. Jes. 57, 1.
  6. Phil. 1, 21.
  7. Ps. 119, 116.
  8. Joh. 3, 16.
  9. Das zugehörige Wappen zeigt eine Fiedel, begleitet von 6 Rauten; es wurde vertauscht und gehört in die Ahnenprobe Rüppur zur Beischrift Flamersheim.
  10. Vgl. Stammtafel Münchingen.
  11. Meißner, Kleinbottwar 10, 19.
  12. ebd. 10 und nr. 477.
  13. Ein vergleichbarer Vorgang liegt bei nr. 507 (1578/1603) und bei nr. 428 (1591/1598) nahe.

Nachweise

  1. Fleischhauer, Ludwigsburg 172, Abb. 7.
  2. Fleischhauer, Renaissance 1971, 358.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 466 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0046605.