Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 465 Beihingen (Stadt Freiberg am Neckar), ev. Pfarrkirche St. Amandus 1596

Beschreibung

Wandgemälde mit Beischriften im Turmchor und im Schiff der Kirche. 1958/60 freigelegt und restauriert. Gestiftet wurde der Zyklus vom Ortspfarrer Georg Ruckenbrot.

I. An den Wänden des Kirchenschiffs Reste eines Zyklus mit Königen und Propheten des alten Testaments. Auf der Ostwand Figur eines Königs mit teilweise erhaltener Beischrift (A), auf der Südwand zwei Propheten mit Beischriften (B, C) auf der Westwand drei Propheten mit teilweise unvollständigen Beischriften (D, E, F).

Maße: H. 145–164, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

  1. A

    Der [K]önig [. . . . . . . . . .]

  2. B

    Der prophet / habacuck

  3. C

    Der Prophet / Sophoniasa)

  4. D

    Der prophet / [. . . . . . . . . . .]b)

  5. E

    Der prophet / Zacharia

  6. F

    Der prophet / Malachias

Die Folge stellt die letzten fünf Propheten nach der alttestamentlichen Ordnung dar. Ursprünglich waren wohl die Könige David und Salomo mit allen alttestamentlichen Schriftpropheten dargestellt.1 Dieser Zyklus wurde gestört, als 1620 bei der Erweiterung die Südwand bis auf einen Rest an der Westecke niedergelegt wurde.2 Der stilistische Zusammenhang mit der Chorausmalung von 1596 erlaubt eine Ansetzung in diese Zeit.

II. Im zweijochigen Turmchor sind zwei unabhängig voneinander enstandene Ausmalungen zu unterscheiden. Tür- und Fensterleibungen, Grabdenkmäler und Nischen sind mit graublauen Scheinarchitekturen ohne figürliche Darstellungen ummalt. Eine Jahreszahl am Aufgang zur nördlichen Langhausempore datiert diese Malereien auf 1587. Im Anschluß an diese Scheinarchitektur ist der Chor mit vegetabilischen Motiven, Schneckenvoluten, Bandwerk und Menschendarstellungen ausgemalt; im gleichen Stil an den Chorwänden oben ein Wandbildzyklus mit Szenen aus der Genesis, Beischriften jeweils in Kartuschen. An der Westwand erhalten nur noch der Rahmen eines Gemäldes (Erschaffung der Welt), die Malerei konnte nicht restauriert werden.3 Beischrift unvollständig erhalten (G). An der Nordwand links Sündenfall mit Beischrift (H), rechts der Brudermord Kains an Abel mit Beischrift (I). An der Ostwand links vom Fenster eine Männerfigur, oben in einer Kartusche bezeichnet (K), unten 5zeilige Inschrift (L). Rechts vom Fenster leerer Rahmen, in der Kartusche die zugehörige Beischrift (M). An der Westwand über dem Aufgang zur nördlichen Langhausempore hochovale Kartusche mit mehrzeiliger, nur teilweise erhaltener Inschrift (N). Über dem Aufgang zur Kanzel hochovale Kartusche mit Stiftungsinschrift (O). Die Datierung der Malereien auf 1596 steht in der Ummalung des Ostfensters.

Maße: H. (der Figuren) ca. 220–275, Bu. 4–6 cm (G, H, I, L, N), 4–5 cm (O).

Schriftart(en): Fraktur (G, H, I, L, N), Kapitalis (K, M, O).

  1. G

    Von Anbegin Schüff Gott Der Herr / Himmel vnd die Erden vnd das Meer [. . . . / . . . . . . . . . . . . .] Mon[d] gen him(m)el hoch / [. . . [. . . . . . . . . .] Bildnuss nach [. . . .]

  2. H

    Durch [. . . . . . . . . . . .] vom Baum des Lebens essen / Hie von [. . . . . . .]rd [. . . . . .]old e[. . . . . . . . .]ssen

  3. I

    Nach dem ihn(en) Gott ihr straff [. . . . . . .] /

  4. K

    ARON

  5. L

    [. . . . . . . . . . .]och ein a[. . . . . . . .] Der [. . . . . . . . .] gab / [. . . . . . .]nan in dem Bro[. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .] hab / [. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .] die hüte [. . . . . . . . . . . . .]ereit / [. . . . . . . . . . . . . . . . .] Hohenpriesters Arons Kleid: / dieß bedeit herrn Christum heut.

  6. M

    MOSES

  7. N

    [Der Herr behüte deinen Eingang] / vnd A[u]sg[ang von] / nun ahn biß in / Ewigkeit amen4)

  8. O

    CVM TEMP/LVM HOC ILLVMI/NARETVR PASTORE/TVM IN ILLO EGERIJ PER / IS INTEGR ILLOS M(AGISTER) GE/ORGIVS RVCKENBROD STVT/GARDIANVS DEVS OPT(IMVS) / MAX(IMVS) PORRO PROROGARE VI/TVM CISMENERI

Übersetzung:

Als dieser Tempel ausgemalt wurde, versah das Pfarramt in ihm unverkürzt durch 18 Jahre Magister Georg Ruckenbrod aus Stuttgart. Der beste und höchste Gott gewähre ihm fürderhin langwährendes Leben.

Der Text der Stiftungsinschrift ist in der heutigen Fassung verderbt und unverständlich. Statt PASTORETVM ist PASTORATVM zu lesen, das unverständliche EGERIJ dürfte ursprünglich EGERAT gelautet haben; anschließend daran ist die Dienstzeit in Beihingen zu erwarten, also PER XVIII INTEGROS ANNOS (statt des ebenfalls unverständlichen ILLOS). Die Schlußformel dürfte zu berichtigen sein in PROROGARE VITAM DIGNETVR.5

Kommentar

Ruckenbrod wurde um 1552 geboren, studierte in Tübingen Theologie und war von 1574–76 Klosterpräzeptor in Anhausen (Lkr. Heidenheim). Nach kurzer Tätigkeit als Pfarrer in Sulz am Neckar (Lkr. Rottweil) wurde er 1578 nach Beihingen berufen.6 Als Initiator der Kirchenausmalung wird man ihn ansprechen dürfen, auch wenn in der Inschrift darauf nicht ausdrücklich Bezug genommen wird. Offenbar wurde die Ausmalung in zwei Etappen vorgenommen; 1587 die Ummalung mit Scheinarchitektur und 1596 die Ausschmückung mit Bildszenen und Figuren. Dabei ist ein einheitlich auf die protestantische Theologie zugeschnittenes Programm beobachtet: im Chor die Darstellung der durch das erste Menschenpaar in die Welt gekommenen Erbsünde, im Schiff die Reihe der Könige und Propheten des Alten Testamentes, die auf die Erlösung durch Christus Bezug nehmen. Zwei an der Nordwand des Schiffs aufgedeckte Bildreste konnten nicht erhalten werden, sie vervollständigten vermutlich mit Szenen zur Passion das Programm.7 Als Maler der bildlichen Darstellung wird Hans Jerg Herzog aus Markgröningen genannt.8 Im Gefolge der Ausmalung von 1596 kam es möglicherweise zum Zerwürfnis zwischen Pfarrer und Dorfherrschaft (Schertlin und Hallweil); der Pfarrer wurde 1596 von den Junkern wegen Unbotmäßigkeit entlassen.9

Textkritischer Apparat

  1. Anderer Name für Zephania, einen der zwölf kleinen Propheten.
  2. Ergänzung unsicher, vielleicht Haggai.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Sachs-Badstübner-Neumann, Christliche Ikonographie in Stichworten, München 1973, 283ff.
  2. Vgl. nr. 599.
  3. O. Majer, in: LudwigsburgerGbll 15 (1963) 139.
  4. Ps. 121, 8.
  5. Die Richtigstellung des Textes ist hypothetisch nach Satzkonstruktion und Sinn erfolgt.
  6. Sigel 58, 7.
  7. Vgl. dazu Lieske, Protestantische Frömmigkeit 1973, 103, 104, 129. – M. Otto, Nachreformatorische Wandgemälde, in: LudwigsburgerGbll 16 (1964) 44. – Majer a. a. O. 140.
  8. Majer a. a. O. 139. – Vgl. nr. 444.
  9. Ritz, Beihingen 106. – Nach Sigel (Anm. 6) amtierte er bis 1597 in Beihingen.

Nachweise

  1. LudwigsburgerGbll 15 (1963) Taf. 5 (Abb.).
  2. M. Otto (wie Anm. 7) 41ff. (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 465 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0046507.