Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 451 Höpfigheim (Stadt Steinheim a. d. Murr), ev. Pfarrkirche St. Georg um 1594

Beschreibung

Grabdenkmal des Melchior Jäger von Gärtringen und seiner zweiten Ehefrau Anna geborene von Berlichingen. Innen im Chor hoch über dem Boden in die Ostwand eingelassen. Aus verschiedenen Materialien – Alabaster, Marmor und Sandstein – gearbeiteter architektonischer Aufbau. Als Bekrönung Medaillon in Rahmung aus Roll- und Beschlagwerk mit Relief der Dreifaltigkeit, darunter die Allianz-Wappen des Paares, von Putten gehalten. Das Figuren-Geschoß ist zweiteilig gestaltet als Aedikula mit verkröpftem Gebälk und Sockelzone. Auf dem Kranzgesims zweizeilige Inschrift. Im Feld Relief der Auferstehung Christi zwischen den Tugenden Caritas und Fides (?) als Karyatiden. In der Sockelzone knien die vollplastischen Figuren des Paares zu beiden Seiten des Kruzifixes, dahinter Ansicht von Höpfigheim in Relief. Darunter schmälere Konsole mit Rahmung aus Beschlagwerk; in dem heute leeren Innenfeld befand sich ehemals eine Bronzetafel mit den Grabschriften.1 Auch sonst ist das Grabmal beschädigt, Köpfe und Arme der Stifterfiguren sind abgeschlagen, dem Kreuz fehlt der Corpus.

Maße: H. 410, B. 180, Bu. 1,5–3.5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 451 - Steinheim a. d. Murr-Höpfigheim - um 1594

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. WIR · WISSEN · DAS · DER · SO · DEN · HERR · IHESVM · HAT · AUFERWECKT · / WIRD · VNS · AVCH · AVFERWECKEN · DVRCH · IHESVM · S(ANCTI) · PAVLI · EP(ISTOLA) · COR(INTHIIS) · IIII ·2)

Wappen:
Jäger von GärtringenBerlichingen

Kommentar

Der Verstorbene wurde im Jahre 1544 als Sohn des Melchior Jäger in Neuffen (Lkr. Esslingen) geboren; im Jahr 1566 trat er als Diener in die württembergische Hofkanzlei ein und gewann als Musiklehrer überragenden Einfluß auf den noch unter Vormundschaft stehenden Herzog Ludwig von Württemberg (1568–93). Nach dessen selbständiger Reigerungsübernahme 1579 gewann er eine beherrschende Stellung am Hof, wurde 1582 vom Kaiser geadelt und erhielt 1586 den Titel eines Geheimen Regimentsrates. Nach Ludwigs Tod verlor er vorübergehend seinen Einfluß, doch gelang es ihm unter Herzog Johann Friedrich (1608–28) noch einmal, die alte Machtstellung zurückzugewinnen. Auch als Verfasser von geistlichen Liedern und Erbauungsschriften ist er bekannt.3 Jäger war dreimal verheiratet: 1570–85 mit Agatha Lutz aus Weil der Stadt, danach mit Anna von Berlichingen4, schließlich mit Barbara von Hangersleben, die noch in den Jahren 1625/27 lebte.5 Das württembergische Lehen Höpfigheim hatte er 1587 von den Söhnen des Hans Ludwig Speth erworben.6 Sein Grabstein († 1611) ist in der Kirche erhalten, die Inschrift ist überliefert.7

Über den Meister des Denmals lassen sich nur Vermutungen anstellen. Die Entstehungszeit ist auf 1587 (Erwerbung Höpfigheims) und 1594 (Tod der Anna von Berlichingen) einzugrenzen, da nach diesem Jahre das Wappen der dritten Ehefrau mit Sicherheit berücksichtigt wäre.8

Anmerkungen

  1. Nach Meyding, Pfarrbeschreibung Höpfigheim 4 wurde sie beim Franzoseneinfall 1693 geraubt.
  2. 2. Kor. 4, 14.
  3. K. Pfaff, Wirtembergischer Plutarch. Lebensbechreibungen berühmter Wirtenberger Bd. 1 (Esslingen 1830) 1–9; Pfeilsticker 1119; Bernhardt I 402.
  4. Vgl. nr. 448.
  5. Pfeilsticker a. a. O.; Faber 69 C/16. Die Namensform läßt sich nicht belegen; richtig vielleicht Hanxleden (Siebmacher Pr I 158, Tab. 207)?
  6. Stein, Ingersheim 71. – Vgl. nr. 379.
  7. Vgl. nr. 548.
  8. Fleischhauer, Ludwigsburg 176.

Nachweise

  1. M. Otto, Pfarrkirche Höpfigheim 182 (Abb.).
  2. ders., St. Georg in Höpfigheim 185 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 451 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0045108.