Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 441 Beihingen (Stadt Freiberg am Neckar), ev. Pfarrkirche St. Amandus 1593

Beschreibung

Grabdenkmal des Johann Georg von Hallweil und seiner Ehefrau Maria Magdalena geborene von Freiberg. Innen an der Südwand des Chores. Monumentale Aedikula aus grauem Sandstein; in den Nischen fast vollplastische Standfiguren des Ehepaares, links der Ritter im Harnisch mit Schwert, rechts die Ehefrau. In der Gebälkzone einzeilige Inschrift auf der Oberkante (A) und auf der Unterkante (B), auf der Stirnseite Rollwerktafel mit 4zeiliger Inschrift (C). Über dem Gebälk Relief der Auferstehung Christi; die Bekrönung ist mit Sicherheit unvollständig, die Familienwappen der Verstorbenen fehlen. Auf den Pilastern rechts und links je drei Wappen mit Beischriften, auf dem Sockel drei Schriftblöcke (D1, D2, D3). Beschädigungen an den Figuren, Bestoßungen an der rechten Sockeltafel.

Maße: H. 360, B. 241, Bu. 2–5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis, Fraktur (Wappenbeischriften).

DI 25, Nr. 441 - Freiberg am Neckar-Beihingen - 1593

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    VATTER ICH WIL DAS WAa) ICH BIN AVCH DIE BEI MIER SEIEN DIE DV MIR GEGEBEN HAST · IOHANNES XVII · CAP(ITEL)1)

  2. B

    DER MENSCH VOM WEIB GEBOREN LEBT KVRZE ZEITT VND IST VOLLER VNRVWE · GETH AVFF WIE EIN BLVOM : VND FLEVCHT WIE EIN SCHATTEN VND BLEIBT N(ICHT) IOB XIIII2)

  3. C

    ICH WEISS DAS MEIN ERLÖSER LEBET · VND ER WIRDT MICH HERNACH AVSS / DER ERDEN AVFFWECKEN VND WERDE DARNACH MITT DISER MEINER HAVT UMB/GEBEN WERDEN · VND WERDE IN MEINEM FLAIESCH GOTT SEHEN DENSELBEN WERD / ICH MIR SEHEN VND MEINE AVGEN WERDEN IN SCHAWEN: VND KEIN FREMBDRb) IOB XIX3)

  4. D1

    ANNO ·/ D(OMI)NI · 1593 · / DE(N) 4 DEC(EM)B(RIS) STARB / DER EDEL VND VE=/=ST HANS JÖRG / VO(N) HALLWEIL FV̈RS/TLICHER WV̈RTE(M)=/BERGISCHER HOF=/MEISTER · D(EM) · G(OTT) · G(NAD) ·

  5. D2

    ALSO HAT GOT DIE WELT GELIEB=/ET, DAS ER SEINEN EINGEBORNEN / SON GAB : AVFF DAS ALLE DIE AN / IN GLAVBEN, NIT VERLOREN / WERDEN, SONDERN DAS EW=/IG LEBEN HABEN : IOHAN(NES) III:4)

  6. D3

    ANNO / · DO(MI)NI · / ⟨. . . . . . . . DEN 15 / [M]ARTIVS⟩ DIE / EDLE TVGENTSA(M)E / FRAV MARIA MAGD=/ALENA VON HALW/EIL GEBORNE VONc) FREII/BERGERIN · D(ER) · G(OTT) · G(NAD) ·

     
Wappen mit Beischriften:
MILLEMB(EN)5) Sachsenhei(m)
Diefbach6) Stadion
Rottenstein Sachsenheim

Hans Georg von Hallweil war württembergischer Obervogt zu Backnang (1579–81), Winnenden (1581) und Marbach (1581–90).7 Von 1570–94 war er außerdem Hofmeister in Stuttgart.8 Durch seine Ehe mit Maria Magdalena von Freiberg kam er zu Besitz in Beihingen.9 Das Todesdatum der Ehefrau ist nachgetragen, das Todesjahr aber nicht mehr lesbar; das Denkmal entstand offenbar nach dem Tod des Ehemannes 1593.10 Die weitgehende Entsprechung zum Grabmal der Eheleute Friedrich von Breitenbach und Radegunde von Freiberg läßt auf die gleiche Werkstatt schließen.11

Textkritischer Apparat

  1. So verhauen statt WO.
  2. Letzter Buchstabe hochgestellt.
  3. VON nachträglich über die Zeile geflickt.

Anmerkungen

  1. Joh. 17, 24.
  2. Hiob 14, 1–2.
  3. Hiob 19, 25–27.
  4. Joh. 3, 16.
  5. Richtig wäre MÜLINEN; vielleicht später eingefügt?
  6. So statt Diesbach.
  7. Pfeilsticker 2147, 2573, 3066. – Bernhardt I 342f.
  8. Pfeilsticker 195.
  9. Heiratsvertrag 1577, Dez. 16 (Gutsarchiv Beihingen U 26; Repertorium I 33f.). – Zur Genealogie vgl. Stammtafel und nrr. 400, 418, 542.
  10. Maria Magdalena starb anscheinend 1610; Nachlaß-Inventar vom 4./6. Mai 1610 im Gutsarchiv Beihingen Bü. 27 (Repertorium II 20). Die volle lateinische Monatsbezeichnung hatte zur Folge, daß das Wort STARB nicht mehr unterzubringen war.
  11. Fleischhauer, Ludwigsburg 175. – Ders., Renaissance 1971, 362. Anm. 48. – Vgl. nr. 418.

Nachweise

  1. OABLudwigsburg (1859) 182.
  2. Dörner, Pfarrbeschreibung Beihingen 64.
  3. Ritz, Beihingen 40.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 441 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0044101.