Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 440 Eberdingen, ev. Pfarrkirche St. Martin 1593

Beschreibung

Grabdenkmal des Hans Michael von Reischach zu Reichenstein. Im Langhaus an der südlichen Triumphbogenwand. Aedikula aus gelbgrauem Sandstein; Beschlagwerkgiebel mit Relief der Auferstehung Christi; in der Gebälkzone schwarz eingefärbte Inschrifttafel; im Feld Kniefigur des Verstorbenen vor Kruzifix, zu Füßen Vollwappen (Helmzier beschädigt); auf den Rahmenpilastern jeweils vierfache Ahnenprobe.

Maße: H. 298, B. 127, Bu. 2 bzw. 1,7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 440 - Eberdingen - 1593

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. VFF DONDERSTAG . 29 . TAG NOVEMBRIS / AN(N)O . 1593 . IST IN CHRISTO SEELIGLICH ENTSCHLAFE(N) / DER EDEL VND VEST HANS MICHAHEL VO(N) REV̈SCHACH VOM / REICHENSTEIN ZV RIEHT VND EBERTINGEN . SEINES ALTERS ⟨   ⟩ IAHR DEM GOTT DVRCH CHRISTVM / EIN FRÖLICHE AVFFERSTEHVNG VERLEYE . AMEN /

 
Wappen:
Reischach zu Reichenstein

           
Ahnenwappen mit Beischriften:
REYSCHACH . GREMP
.THRVCHSES . WIDMAN
.BVRGGRAFF . LAMPARTEN
SPETT . SCHADEN
Kreuztitel: INRI /

Hans Michael, von 1578 bis zu seinem Tod württembergischer Vasall „von Haus aus“1, war in erster Ehe mit Maria Salome, der Tochter des Dietrich von Gemmingen zu Tiefenbronn und der Leia von Schellenberg2, verheiratet. Die zweite Gemahlin war Maria von Degernau, Witwe des Engelbold von Kaltental zu Mühlhausen.3

Der Typus des Grabmals geht auf das kurze Zeit zuvor entstandene Denkmal des Hans Jacob von Reischach zu Reichenstein (gest. 1591) im benachbarten Nussdorf zurück.4 Geradezu als Replik des vorliegenden Denkmals muß das Grabmal für Hans Michaels Schwiegervater in Tiefenbronn angesehen werden.5 Da alle drei Werke des Jeremias Schwarz von Leonberg sind, haben wir hier einen Beweis dafür, daß verwandtschaftliche Beziehungen oft für die Wahl einer bestimmten Bildhauerwerkstatt und eines Denkmaltypus entscheidend waren. In der Tat hatte dieselbe Werkstatt bereits um 1576/78 ein Familiengrabmal für die Schwester des Verstorbenen in Schöckingen geschaffen.6

Anmerkungen

  1. Pfeilsticker 1565.
  2. Vgl. DI. XXII (Enzkreis) nrr. 227, 255.
  3. Zur Genealogie vgl. Stammtafel Reischach; ihr Grabmal ehemals in Aldingen (vgl. nr. 447; 1594).
  4. Vgl. nr. 425.
  5. Vgl. DI. XXII (Enzkreis) nr. 255; ferner auch nr. 301.
  6. Vgl. nr. 366.

Nachweise

  1. Klemm, Grabschriften 1874, nr. 10, 38.
  2. Fleischhauer, Renaissance 149.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 440 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0044003.