Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 433 Münchingen (Stadt Korntal-Münchingen), ev. Pfarrkirche St. Johannes d. T. um 1591

Beschreibung

Grabdenkmal der Anna Maria von Münchingen geborene von Reischach und ihrer Kinder Jacob Werner und Anna. Im Chor, erstes Denkmal der Südwand. Aedikula aus hellgrauem Sandstein. Als Bekrönung Beschlagwerk-Kartusche mit Relief der Auferstehung Christi und Wappen-Medaillon; in der Gebälkzone Grabschrift (A); im Feld die Figuren der Verstorbenen und ihrer Kinder, vor dem Kruzifix kniend; Pilasterrahmung mit je vier Ahnenwappen; in der Sockelzone Spruch (B). Geringe Stoßschäden; Kruzifix beschädigt, Titulus fehlt. Schrift dunkel nachgezogen.

Maße: H. 300, B. 129, Bu. 1,8 (A), 2,5 (B) cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 25, Nr. 433 - Korntal-Münchingen-Münchingen - um 1591

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    Anno D(omi)ni . 1588 . den . 29 . Junij . Ist in Christo seeliglich Entschlaffen , die / Edell vnd Tugentsam fraw Anna Maria von Münchingen . geborne von Reich=/ schach vom Reichenstein . An(n)o . 1587 . den . 3 . Maij entschlieff Jacob Wherner / seines Alters . 4 . Jar . 4 . Monat . 24 Tag . Vnd den 4. Tag Maij Anno 87 . ist in / Gott verschieden , Junckfräwlin Anna . Ires Alters im 3. Jar . Des Edlen / vnd Vesten Philips Chistoffa) von Münchingen vnd obberierter, Edlen / Tugentsamen fraw(en) Anna Maria geborne von Reichschach ir beider Ehe=/licher sohn vnd Töchterlin . denen Gott ein fröliche vfferstehüng verleyhe . Ame(n) . /

  2. B

    Die gerechten werden weggerafft für dem vnglück / vnd die Richtig für sich gewandelt haben kom(m)en / zum fride(n), vnd Ruhen in ihren kam(m)ern. Jesa: 56.1) /

 
Wappen:
Münchingen

       
Wappen mit Beischriften:
Münchingen Reischach
Riepburg.2) Rodtburg
Zobell. Kaltenthal
Spett. Andlaw

Anna Maria war die erste Gemahlin des Philipp Christoph von Münchingen (gest. 1631), dessen Grabmal ebenfalls in Münchingen erhalten ist.3 Ihre Eltern waren Hans Jacob von Reischach (gest. 1591) und dessen fünfte Ehefrau Anna Judith von Rotberg (gest. 1576).4

Das Grabmal ist eng verwandt mit dem Nippenburger Familiendenkmal in Schwieberdingen5, geschaffen von Jeremias Schwarz nach seiner Rückkehr nach Leonberg. Da er im Todesjahr der Verstorbenen noch in Heidelberg ansässig war, am 18. 9. 1590 aber in Leonberg ein Kind taufen ließ, ist eine Ansetzung des Denkmals vor 1590 unwahrscheinlich, zumal die enge Verwandtschaft mit dem Schwieberdinger Grabmal eher an eine gleichzeitige Entstehung um 1591 denken läßt. Die Zuschreibung an Schwarz und die Ansetzung um 1591 werden gestützt durch die Vergabe mehrerer Epitaph-Aufträge durch die Herren von Reischach, die ebenfalls um 1591 in Leonberg ausgeführt wurden.6 Die Schrift ist identisch mit der für Schwarz charakteristischen Fraktur-Type des Schwieberdinger Denkmals, wobei zusätzliche Verzierungen durch Schlingen und Verdoppelungen hier sparsamer verwendet sind.

Textkritischer Apparat

  1. Verschrieben für Christoff.

Anmerkungen

  1. Jes. 57, 1–2.
  2. Rüppurr.
  3. Vgl. nr. 647; zur Genealogie vgl. Stammtafel Münchingen.
  4. Vgl. nrr. 425, 362; zur Genealogie vgl. Stammtafel Reischach.
  5. Vgl. nr. 428. – Auch hier kniet die Edelfrau auf einem Hund, ein Motiv, das sonst im Oeuvre des Jeremias Schwarz nicht wiederkehrt.
  6. Vgl. nrr. 425, 426, 440; zu den Werken des Meisters aus den 1590er Jahren vgl. Einleitung S. XXXIX.

Nachweise

  1. OABLeonberg 1930, 934.
  2. Fleischhauer, Renaissance 148.
  3. A. Schahl, in: Heimatbuch Münchingen 1973, 268 u. Abb. (Ausschnitt).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 433 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0043300.