Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 411 Geisingen (Stadt Freiberg am Neckar), ev. Pfarrkirche St. Nikolaus 1588

Beschreibung

Grabdenkmal des Hans Wolf von Stammheim. Im Langhaus an der Südwand, von der modernen Emporentreppe verdeckt.1 Aedikula aus gelbem Sandstein; Bekrönung vermutlich abgegangen, kräftiges Kranzgesims über kannelierten Dreiviertelsäulen; im Feld Figur des Verstorbenen in Relief; in der Sockelzone Grabschrift in Rollwerk-Tafel. Sockel braun überstrichen, Buchstaben schwarz; Figur an der Vorderseite beschädigt, ebenso unterer Teil des Sockels und Rahmung links oben.

Maße: H. 240, B. 146, Bu. 2,6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 411 - Freiberg am Neckar-Geisingen  - 1588

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. ANNO DOMINI . 1588 . DEN . 15 . APRILIS STARB DER EDEL . VND VEST HANS WOLF VON / STAMHAIM DER LETST DES STAMENS VND NAMENS DER LIEBE GOTT / WOLLE IM EIN FROLICHE VFERSTEHVNG VERLEIHEN AMEN /

Kommentar

Der Verstorbene war der letzte männliche Sproß des Geschlechts der Stammheim.2 Sein Erbe trat nicht die einzige Tochter aus zweiter Ehe, Ursula (gest. 1618)3, an; sondern sein Onkel Hans Sebastian Schertlin von Burtenbach (gest. 1596) übernahm den Besitz der Stammheim laut Erbvertrag von 15594 in Geisingen, Heutingsheim, Beihingen und Stammheim. Hans Wolf hatte seinen Wohnsitz nach Stammheim verlegt, wo er 1579/81 durch Heinrich Schickhardt ein neues Schloß erbauen ließ; jedoch wurde er ebenso wie seine erste Gemahlin Susanna von Freiberg5 in der Geisinger Grablege bestattet. Demmlers Zuschreibung des Denkmals an Paul Mair von Augsburg ist nicht überzeugend.6 Einzig vergleichbares Motiv sind die Kanneluren an den Stützen der Rahmenarchitektur, die von Mairs Doppelgrabmal der Eltern des Hans Wolf entlehnt sein mögen. Eigentümlichkeiten bei der Ausarbeitung der Figur, insbesondere das Unvermögen, sie vom Grund zu lösen, sprechen für die Entstehung in einer auch im benachbarten Beihingen tätigen Werkstatt, die von Fleischhauer dem Schulkreis des Jacob Müller zugeordnet wurde.7

Anmerkungen

  1. 1934 noch an der Südwand des Chores; vgl. O. Paret 1934, 351.
  2. Vgl. Stammtafel Stammheim.
  3. Sie war mit Johann Philipp von Helmstatt verheiratet; vgl. Humbracht 229.
  4. Vgl. bei nr. 365.
  5. Vgl. nr. 400; seine zweite Gemahlin Barbara von Reischach heiratete nach seinem Tod Johann Christoph von Degensfeld; vgl. Stammtafel Stammheim.
  6. Demmler 1910, 64, 66f.; ebenso Schahl, Neckarschwaben 245.
  7. Fleischhauer, Ludwigsburg 1968, 175. Zu dieser Werkstatt s. nr. 418.

Nachweise

  1. OABLudwigsburg 1859, 218.
  2. Demmler 1910, 64, 66f.
  3. E. Schüblin, in: LudwigsBGbll. 8 (1916) 102.
  4. O. Paret 1934, 351.
  5. F. Wiedermann, in: HgW 21 (1970) Nr. 9/10, S. 37 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 411 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0041100.