Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 401 Oberstenfeld, ehem. Stiftskirche St. Johannes d. T. vor 1585

Beschreibung

Grabdenkmal des Wolfgang von Weiler und seiner Ehefrau Brigitta Wilch (Willich) von Alzey. Innen an der Südwand der südöstlichen Seitenkapelle, dritter Stein von links. Dreiteilige Aedikula aus grauem Sandstein. Als Bekrönung Inschrifttafel (A) mit Dreiecksgiebel und flankierendem Beschlagwerk; die Pfeiler des Figurengeschosses mit je vier Wappenschilden belegt; im Feld vor Segmentbogen-Nische die knienden Verstorbenen unter dem Kreuz (nur noch unterer Teil des Kreuzbalkens erhalten). In der Sockelzone die Grabschriften (B1, B2), darunter in halbkreisförmigem Feld zwei Vollwappen. Beschädigungen vor allem an den Figuren, am Sockel – Schrift bröckelt rechts ab (Buchstabenverlust), Ränder bestoßen.1

Maße: H. 334, B. 117, Bu. 5 (A), 3 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 401 - Oberstenfeld - vor 1585

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    FV̈RWAR ER TRVG VNSER KRANCKHAIT VND / LVDE AVF SICH VNSER SCHMERTZE(N), ABER ER / IST VMB VNSER MISSETHAT WILLE(N) VERWV(N)DET / VND VMB VNSER SV̈ND WILLE ZVSCHLAGEN / DVRCH SEINE WVNDE(N) SINT WIER GEHAILET. (ET)CE(TERA) /DER HERR WARFF VNSER ALLER SV̈ND AVF IHN.2)

  2. B1

    ANNO D(OMI)NI 15⟨85⟩ AM ⟨2.⟩ TAG / ⟨MARTTIVS⟩ STARB DER EDEL / VND VEST WOLFGANG / VON WEILER ZV LIECH=/TENBERG DEM GOT / GNADE AMEN. //

  3. B2

    ANN[O D(OMI)NI 1585 DEN X.] TAG / ⟨APA[RILIS⟩ STARB DIE EDEL] VND TVGE(N)TSAM FRA[W BRIGI]TA · VO(N) / WEILER GEBORNE WILCHIN / VO(N) ALCZE(Y) · SEIN EHLICHE / HAVSFRAW GOT GNAD IHR ·

Wappen:
Weiler, Wilch (Willich) von Alzey /
WeilerWilch von Alzey
Truchseß v. BichishausenEhrenberg
GültlingenLöwenstein
SteinHornberg

Kommentar

Wolfgang war ein Sohn des Obervogtes von Großbottwar und Beilstein Dietrich von Weiler, der 1525 von den Bauern erschlagen wurde, und dessen Frau Barbara Truchseß von Bichishausen. Die linke Wappenreihe bezieht sich auf seine Großeltern, den württembergischen Landhofmeister Dietrich von Weiler und seine Ehefrau Anna von Gültlingen.3 Wolfgang stand nicht in württembergischen Diensten, was auf seine Vorbehalte gegen die lutherische Lehre zurückgehen kann.4 Seine Ehefrau war in erster Ehe mit Raban von Liebenstein verheiratet.5 Das gemeinsame Grabmal aus der Werkstatt des Sem Schlör wurde vermutlich bereits einige Zeit vor dem Tod des Ehepaares in Auftrag gegeben. Wie bei den Grabplatten des Ehepaares wurden die Daten ausgespart und später in die Inschriften nachgemeißelt; der Vorgang ist bei Tafel B1 an dem gedrängt gemeißelten Wort MARTIVS deutlich zu erkennen.6 Eine Verbindung der Familie von Weiler zu der Werkstatt des Sem Schlör bestand seit 1573; ein Zeitansatz für das Grabdenkmal und die Grabplatten wenig danach erscheint möglich.7

Anmerkungen

  1. Die Zerstörung ist seit ca. 20 Jahren kontinuierlich fortgeschritten.
  2. Jes. 53, 4–6.
  3. Zu den genealogischen Angaben vgl. Schilling 160; Bucelin; Gabelkover, Genealogische Collectaneen, Stuttgart HStA J 1, Nr. 154.
  4. Sein Name fehlt im württembergischen Dienerbuch; eine Nachricht, er sei Obervogt zu Beilstein (Lkr. Heilbronn) gewesen (Foerstner, Heimatbuch Marbach 158), läßt sich nicht belegen; zu seiner religiösen Einstellung vgl. nr. 352.
  5. Sie war eine Tochter des Philipp Wilch (Willich) von Alzey und der Helena von Ehrenberg. Namengebender Ort ist Alzey (Pfalz), woher auch andere Geschlechter ihren Namen ableiten (Slich von Alzey u. a.).
  6. Vgl. dazu nrr. 402, 403 mit den entsprechenden Befunden.
  7. So schon Demmler 1910, 181; vgl. Fleischhauer, Renaissance 135.

Nachweise

  1. OABMarbach (1866) 256f.
  2. Fleischhauer, Renaissance 1971, 71 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 401 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0040103.