Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 395 Hemmingen, ev. Pfarrkirche St. Laurentius nach 1582

Beschreibung

Fragmente eines umfangreichen Zyklus von Wandgemälden mit Beischriften. Fraktur, schwarz auf weißem Grund.

I. Langhaus, Südwand, unter der Empore. Schriftstreifen A, darunter Inschrift B, in zwei Blöcke geteilt. Rahmung Beschlagwerk und Rollwerk in rot und hellgelb.

Maße: H. (mit Rahmung) ca. 80, B. 215, Bu. 4,8 (A), 3 (B) cm.

DI 25, Nr. 395 - Markgröningen  - nach 1582

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/3]

  1. A

    Ist abgestigen zu der Hoͤlle, am dritten Tag aufferstanden von den Toden/

  2. B

    denn du wirst meine Seele nit in der Hoͤlle laßen, / und nitt zugeben, daß dein Heyliger verwese.1) /der Tod ist verschlungen in den Sieg Tod wo ist dein / Stachel Hoͤll, wo ist dein Sieg2) /

II. Langhaus, Südwand, unter der Empore. Gemalte Türrahmung; über dem Eingang gemalter Türsturz mit zweizeiliger Inschrift (A), links davon kleines Wandfeld, durch das Fenster begrenzt, mit Kartusche (B).

Maße: Bu. 3,2 cm.

  1. A

    Vnd auffgefaren in die Himmel, da sitzt Er zu der Rrechten Gottes / des Allmächtigen Vatters /

  2. B

    Du bist in die Höhe gefaren vnd hast daß / Gefängniß gefangen, Du hast Gaben / empfangen, für die Menschen.3) /

III. Langhaus, Südwand, zwischen dem 2. und 3. Fenster von Ost. Darstellung der Anbetung des Goldenen Kalbes4; oben Beischrift A, unten B.

Maße: H. 162, B. 252, Bu. ca. 3 (A), 3,7 (B) cm.

  1. A

    Sie tanzen um ein gulden Kalb Drauff werden erwurgt drei tausent bald /

  2. B

    Du sollst keine anderen Götter neben mier haben /

IV. In der Turmhalle im Durchgang zum Langhaus zu beiden Seiten ovales Medaillon; links Darstellung des Erlösers auf kleinem Kreuz über Schlange, Überschrift A in rot, Umschrift auf dem Rahmen; rechts Darstellung zerstört, Überschrift B und Umschrift.

Maße: H. ca. 96, B. ca. 80, Bu. 2 cm.

  1. A

    I · COR : XV ·5) / Gott aber sey danck der uns den Sieg giebt durch unsern HERRN Jesu(m) Christum /

  2. B

    I · COR : XV ·6) / Die Kraft der Sünde ist das Gesetz /

V. An der Turmwand innen, unter der Empore. Fragment eines Wandgemäldes mit der Darstellung eines Zeltes und Beischrift.

  1. Haus seiner Vätter voll Schande7) /

Kommentar

Die Ausmalung der Hemminger Pfarrkirche in nachreformatorischer Zeit erfolgte vermutlich nach 1582 im Anschluß an die Erweiterung des Langhauses nach Süden durch Friedrich von Nippenburg.8 Man kann annehmen, daß bei dieser Gelegenheit eine Umgestaltung zu einem typisch evangelisch-lutherischen Kirchenraum vorgenommen wurde. Der dekorativen Ausmalung dieser Zeit ist die Gewölbemalerei im Chor mit Blumenwerk und Früchten zuzuordnen9; ferner scheinen an den Wänden des Langhauses die Artikel des Glaubensbekenntnisses, kombiniert mit entsprechenden Bibelsprüchen, sowie die Zehn Gebote, illustriert durch Szenen des Alten Testaments, ein zusammenhängendes lehrhaftes Programm gebildet zu haben. Ob es sich um eine eher dekorative Ausmalung handelte, bei der der Schwerpunkt auf den Kartuschen mit der Schrift lag, oder ob noch ein Bilderschmuck hinzutrat, ist nicht mehr eindeutig zu entscheiden, weil die zweite Vergrößerung der Kirche 1785 die alte Nordwand ganz, die Südwand im oberen Bereich erneuerte. Sicher ist, daß der spätbarocke Saalbau auf dekorativen Wandschmuck verzichtete.

Die Schrift ist eine gut durchgebildete Fraktur mit reich ausgestalteten Versalien und Schleifenbildung an den Ober- und Unterlängen in Haarstrichen. Das u ist als ü geschrieben; sonst ist der Umlaut durch ein kleines, hochgestelltes e bezeichnet.

Anmerkungen

  1. Ps. 16, 10.
  2. 1. Kor. 15, 55.
  3. Ps. 68, 19; Eph. 4, 8.
  4. Nach 2. Mose 32, 7ff.
  5. 1. Kor. 15, 57.
  6. 1. Kor. 15, 56.
  7. Vielleicht ist die Schande Noahs gemeint nach 1. Mose 9, 20–27.
  8. Zur Baugeschichte und zum Bauherrn vgl. nrr. 428, 456, 489.
  9. An den Wänden des Chores ist heute ein Wandgemäldezyklus aus der Zeit um 1440/50 – Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons St. Laurentius, Apostelreihe, Evangelisten und Kirchenväter, Vera Icon, Szenen aus der Passion und dem Marienleben – aufgedeckt; ob er – wie in Weilheim/Teck – in nachreformatorischer Zeit sichtbar war, muß offen bleiben. Von der Schrift auf zahlreichen Spruchbändern sind nur noch Buchstabenreste einer gotischen Minuskel erkennbar.

Nachweise

  1. Schahl, Neckarschwaben 200.
  2. Lieske, Protestantische Frömmigkeit 66ff., 128, 131.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 395 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0039505.