Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 394 Hochdorf a. d. Enz (Gem. Eberdingen), ev. Pfarrkirche nach 1582

Beschreibung

Inschriften, eingebunden in das System einer dekorativen Wandmalerei, deren Fragmente bei der Renovierung 1968/70 aufgedeckt und überarbeitet wurden. Monochrome Dekoration (schwarze Strichzeichnung auf weißem Grund) in zwei Wandfeldern, bestehend aus einem Ornamentfries, Inschrift-Kartuschen verschiedener Größe und den Resten von Standfiguren.

I. Südwand des Langhauses, unterhalb der Empore. Kartusche mit querrechteckigem Schriftfeld mit Totenkopf.

Maße: H. ca. 150, B. ca. 200, Bu. 5–6 cm.

Schriftart(en): Fraktur und Kapitalis.

DI 25, Nr. 394 - Eberdingen-Hochdorf a. d. Enz - nach 1582

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. Sy[rach]1) / Was du tuest so bedencke das end . /wirst nimmer mehr v̈bels thun / RESPICE FINEM . /

Übersetzung:

Bedenke das Ende.

II. Westwand, unterhalb der Empore südlich vom Eingang. Kartusche mit etwa quadratischem Schriftfeld; darüber – nach rechts geschoben – in Höhe des hier nicht nachgezogenen Rahmens Namenszug in Kursivschrift; rechts Figur eines Heiligen mit Buch (Apostel?), den Ornamentfries überschneidend.

Maße: H. ca. 95, B. ca. 95, Bu. 7 u. 3,5 cm.

Schriftart(en): Kursive und Fraktur.

  1. hanß haß / [. . . . .]2) / Ich Ellender Mensch / Wer Wird Mich Erle/ lesena) Von Dem Leib / Dises Tods ? /

Kommentar

Einen terminus post quem für die Entstehung gibt die Bauinschrift von 1582.3 Offensichtlich wurde die Kirche nach dem Umbau zu einem typisch evangelisch-lutherischen Kirchenraum württembergischer Prägung mit einem lehrhaften Programm ausgeschmückt, wobei der Schwerpunkt nicht auf bildlichen Darstellungen der Heilsgeschichte, sondern auf schriftlichen Zitaten aus der Heiligen Schrift lag.4 Der Bezug der Figuren-Fragmente zu den Schrifttafeln wird nicht deutlich; es wäre denkbar, daß hier ältere Reste aus spätgotischer Zeit aufgefrischt wurden. Die Bedeutung des Namens in II (Signatur? Spätere Verewigung?) bleibt unklar.5

Das Schriftbild ist durch die Restaurierung verfälscht, läßt aber erkennen, daß sich der Maler – besonders bei der Gestaltung der reich verzierten Versalien – an der Kalligraphie von Schreibmeister-Vorlagen orientiert hat, hinter denen er freilich hinsichtlich der Qualität der Ausführung zurückbleibt.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!

Anmerkungen

  1. Sir. 7, 40. – Am Schluß Wiederholung in lateinischer Sprache.
  2. Röm. 7, 24.
  3. Vgl. nr. 393.
  4. Ähnlich Hemmingen, Markgröningen, Schwieberdingen (Sakristei) – vgl. nr. 395.
  5. Ein Jerg Haß wird in der Bauinschrift von 1582 genannt; vgl. nr. 393.

Nachweise

  1. Festschrift 1200 Jahre Hochdorf. Vaihingen a. d. Enz 1979, 75 m. Abb.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 394 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0039406.