Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 366 Schöckingen (Stadt Ditzingen), ev. Pfarrkirche St. Mauritius um 1576/78

Beschreibung

Grabdenkmal der Familie des Martin von Nippenburg und der Maria Salome geb. von Reischach. Im Chor an der Nordwand, erstes Denkmal von Osten, von der modernen Orgel z. T. verdeckt. Aedikula aus gelbgrauem Sandstein, aus mehreren Werkstücken zusammengesetzt. Segmentgiebel mit Relief der Auferstehung Christi, flankiert von zwei Ovalmedaillons mit Vollwappen; in der Gebälkzone die Grabschriften A und B nebeneinander, gerahmt von Pilastern mit Blattwerkfüllung; im Feld die kniende Familie zu beiden Seiten eines Kleinkruzifixes. Das Andachtsbild wurde hier durch fliegende Engel bereichert, die das Blut Christi in Kelchen auffangen. In den Zwickeln der Bildnische Engelsköpfe; auf den Rahmenpilastern Ahnenprobe. Sockelzone mit Auflager für die Kniefiguren erneuert (Zement).

Maße: H. 302, B. 186, Bu. ca. 3 (A, B), 1,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 25, Nr. 366 - Ditzingen-Schöckingen - um 1576/ 78

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. A

    AN(N)O. D(OMI)NI. M. D. L. ⟨    ⟩ VFF DEN / ⟨   ⟩ TAG. ⟨   ⟩ IST IN CHRISTO IHESV / SELIGLICH ENTSCHLAFFEN. DER EDEL VND / ERNVEST. MARTIN VON NIPPENBVRG. / ZV SCHECKINGEN. SEINES ALTTES.a) ⟨    ⟩ / IAR. DEM DER ALMECHTIG GVETIG / GOT. EIN FRÖLICHE AVFFERSTEHVNG. MIT / ALEN CHRISTGLÄVBIGE(N) SELE(N) VERLEIHE. AM(EN) : /

  2. B

    AN(N)O. D(OMI)NI. M. D. L. ⟨XXXXVII⟩. VFF DEN / ⟨19.⟩ TAG. ⟨FEBRV(ARII)⟩ IST. IN GOT. VERSCHIED=/EN. DIE EDEL VND TVGENTSAM FRAW. / MARIA SALOME VON NIPPENBVRG. GEBOR/ NE VON REISCHACH. VND REICHENSTEI(N). / IRES ALTTERS. ⟨LVII⟩. IAR. DEREN GOT / DVRCH CHRISTVM. MIT ALE(N) AVSERWOLTEN. / EIN FRÖLICHE VRSTEND VERLEIHE(N) WÖLE. AM(EN): /

 
Wappen:
Nippenburg (geviert); Reischach

           
Wappen mit Beischriften:
[DIE] V[OM VAT]TERb) / DIE VOM VATTER /
NIPPENBVRG/RISCHACH / RISCHACH/TRVGHSES /
HEIMERDINGEN/ SPET / BVRCKGRAFFEN/ SPETT /
 VO(N) DER MVTER /  VON DER MVTTER /
ADELTZHEIM/RECHBERG / GREMP / WIDMAN · /
STET/EN ·/ LENDERS/HEIM · / LAMPART/EN / SCHA/DEN /

Kommentar

Martin von Nippenburg, der jüngste Sohn des Hans und der Ursula von Adelsheim1, war ab 1564 nach dem Tod seiner Brüder alleiniger Herr zu Schöckingen.2 Zusammen mit seiner Gemahlin Maria Salome von Reischach unternahm er den Neubau des Schöckinger Schlosses.3 Ein Jagdfrevel und übermäßige Schulden führten dazu, daß er 1598 zugunsten seiner erwachsenen Söhne auf alle seine Lehen verzichten mußte. Er starb zu Riet, dem Heimatort seiner Gemahlin, im Jahre 1604.4

Offensichtlich ist das Grabmal lange vor dem Tod des Paares in Auftrag gegeben worden, denn einmal ist deutlich zu erkennen, daß von den Todesdaten beider Eheleute in der Grabschrift ursprünglich nur die Ziffern M D L angelegt waren, zum andern sind die Kinder des Paares alle in sehr jungem Alter dargestellt. Der älteste Knabe trägt bereits einen Harnisch, ist aber als etwa Fünfzehnjähriger charakterisiert. Da die Eheschließung der Eltern 1561 stattfand, spricht dies für eine Anfertigung des Denkmals um 1576/78. In der Tat weist auch der Stil des Denkmals auf die 1570er Jahre; nächstverwandt sind die Arbeiten der Jeremias-Schwarz-Werkstatt dieser Zeit.5

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Analog zum Befund am rechten Pilaster zu ergänzen.

Anmerkungen

  1. Zur Genealogie s. Stammtafeln Nippenburg.
  2. Zur Biographie vgl. Rau, Nippenburg 22ff.
  3. Vgl. nr. 330. – Zur Genealogie der Gemahlin s. Stammtafel Reischach. Kritik an der hier vorliegenden Ahnenprobe bei Rau, Nippenburg 28f.
  4. Tot vor 1604 Juni 5. – An diesem Tag wandte sich die zweite Gemahlin aus nicht standesgemäßer Familie und Witwe, Barbara N., wegen der Hinterlassenschaft aus dem 1602 abgefaßten Testament des Martin an den Herzog von Württemberg; vgl. Rau, Nippenburg 22ff.
  5. Nächstverwandt das Grabdenkmal für die Familie des Hans von Remchingen (gest. 1576) in Kirchheim/Teck; vgl. KdmWürttemberg-Donaukreis 2: Oberamt Kirchheim. Esslingen 1924, Abb. 26; im Bearbeitungsgebiet nrr. 351, 355, 428 und Einleitungs S. XXXIX.

Nachweise

  1. OABLeonberg 1852, 237.
  2. OABLeonberg 1930, 1004.
  3. Fleischhauer, Renaissance 148. - Rau, Nippenburg 28f. u. Abb. S. 24.
  4. F. Frh. v. Gaisberg-Schöckingen, Schöckingen 1983, 56 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 366 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0036609.