Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 319 Oberriexingen, Friedhof 1563

Beschreibung

Grabplatte des N. Kaulius (Kaul). Südlich vom Eingang in die Umfassungsmauer eingelassen, zweiter Stein von links. Hochrechteckige Platte aus gelbem Sandstein. Umschrift (A) zwischen Linien; im Feld oben Spruch (B) und sechszeiliger Schriftblock (C); in der Mitte Wappenschild, unten zwischen Eckfüllungen Stz. nr. 30. Kopfleiste beschnitten, die beiden Langzeilen in der oberen Hälfte zerstört (Buchstabenverlust).

Ergänzung nach Klemm.

Maße: H. 178, B. 93, Bu. 7.5 (A), 3,5 (B, C) cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A) und Kapitalis (B, C).

DI 25, Nr. 319 - Oberriexingen - 1563

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    A(nno) [domini 1563] [. . . . / . . . . . . . . . . .] vs in oberriexingen annos / · 56 · [.] itvs pie et / christiane in domino obdormivit [. . . .] /

  2. B

    [Esaias] 5.61) / VENIAT PAX REQ/VIESCAT IN CVBILI SVO / QVI AMBVLAVIT IN DIRECTIONE SVA /

  3. C

    FAELIX QVI TOTAM DEGIT SINE CRIMINE VITAM /ET NOVIT PVRO FIDERE CORDE DEO /IN TVMBA REQVIESCET HOMO LECTOQU[E QVIETO] /IN PACE [ET] FAELIX IBIT AD ASTRA [PIVS] /KAVLIVS HIC IGITVR CAELESTI VESCITVR [AVRA] /QVI IN CHRISTVM POSVIT SPEM(QVE) FIDEM(QVE) [SVAM]

Übersetzung:

Die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern (nach Luther). – Glücklich, wer ohne Makel im ganzen Leben gewesen / Reines Herzens fest trauen gelernt hat auf Gott / Ruhen wird er im Grab und sanft als wie in dem Bette / Friedlich; des Frommen Weg führt zu den Sternen ihn ein / Drum gewiß auch Kaul genießt jetzt himmlischer Freuden / Der sein Hoffen und Trauen immer auf Christum gesetzt /2

Wappen:
Kaul

Kommentar

Ein Theodor Kaul aus Oberriexingen – vielleicht ein Sohn des Verstorbenen? – war 1558 in Brackenheim und 1572 bis zu seinem Tod 1574 in Marbach Stadtschreiber.3 Der Verstorbene wird der gelehrten, in drei lateinischen Distichen abgefaßten Lobschrift nach Pfarrer in Oberriexingen gewesen sein. Das Todesjahr 1563 ist nur durch Klemm überliefert.4

Zu dieser Datierung paßt die Gestaltung des Steins ebenso wie die Ausformung der Schrift. Das Monogramm ganz unten – ein K mit einem sternförmigen Punkt rechts neben dem Buchstaben – bezieht sich auf den ausführenden Steinmetzen, der mit diesem Zeichen Grabmäler des Bearbeitungsgebietes signiert hat.5

Anmerkungen

  1. Jes. 57, 2.
  2. Statt einer wörtlichen Übersetzung sei hier die freie Übertragung Klemms wiedergegeben, da sie das Versmaß aufgreift.
  3. Pfeilsticker 2261, 2584. – Ein Philipp Michael Kaul (gest. 1622) ist als Pädagogarch und Präzeptor der Lateinschulen zu Stuttgart nachweisbar (Sohn des Theodor); vgl. Bernhardt I 445, Hermellink 192, 65.
  4. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) nr. 258.
  5. Vgl. oben Einleitung S. XL. – Erstmals zusammengestellt bei Fleischhauer, Renaissance 149.

Nachweise

  1. Klemm, Grabschriften 1874, nr. 11, 46.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 319 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0031900.