Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 295 Aldingen (Gem. Remseck a. N.), ev. Pfarrkirche St. Margaretha 1546–1553

Beschreibung

Grabdenkmal der Agatha von Hirnheim geborene von Kaltental. Im Chor rechts zwischen dem südöstlichen Fenster des Polygons und dem ersten Fenster der Südseite. In Material und Komposition Gegenstück zum Denkmal des Ehemannes1; hier die fast vollrunde Figur der Dame in Brokatkleid und pelzbesetztem Mantel, in Händen ein Rosenkranz. Umschrift (A), auf dem Halsband des Hundes zu Füßen (B). Geringe Stoßschäden.

Maße: H. 319, B. 134, Bu. 5,5 (A), 3 (B) cm.

Schriftart(en): Fraktur (A), Kapitalis (B), erhaben gearbeitete Kapitalis bei den Wappen-Beischriften.

DI 25, Nr. 295 - Remseck am Neckar-Aldingen - 1546-1553

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    Anno d(omi)ni · ⟨1553⟩ / vff den · ⟨3⟩ · tag deß Monatß ⟨december⟩ Verschied die Edel vnd tugentsam Frow / Frow Agata vo(n) hirnhaim / geborn von Kaltental deren Gott der her genedig vnd barnherczig sein welle +

  2. B

    V(ERBVM) D(OMINI) M(ANET) I(N) E(TERNVM)2)

Übersetzung:

Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.

   
Wappen-Beischriften:
HIRNHEIM RECHBERG
KALTENTAL ELERBACH

Kommentar

Agatha war eine Tochter des Georg von Kaltental zu Aldingen (gest. 1536)3 und der Walburg von Ellerbach (gest. 1525).4 Sie war in erster Ehe mit Eberhard Sturmfeder verheiratet, der im Jahre 1525 in Weinsberg von den Bauern erschlagen wurde. Zur Biographie ihres zweiten Ehemannes Wolf Philipp von Hirnheim vgl. nr. 294; nach dessen Tod 1546 heiratete sie in dritter Ehe den Hans Dietrich Nothaft von Hohenberg (gest. 1592).5 Das Grabmal wurde vermutlich zusammen mit dem des zweiten Ehemannes zu Agathas Lebzeiten und vor ihrer dritten Hochzeit in Auftrag gegeben, denn auf den zweiten Gemahl beziehen sich die oberen Wappen; das Sterbedatum ist später eingefügt. Beide Denkmäler werden hier erstmals dem Uracher Bildhauer Joseph Schmid zugeschrieben.6 Agatha hat in ihrer dritten Ehe diesen Bildhauer offensichtlich nach Hochberg weiterempfohlen, wo er das Doppelgrabmal der Eltern ihres Mannes Hans Dietrich Nothaft geschaffen hat.7 Religionsgeschichtlich bemerkenswert ist das Nebeneinander von Rosenkranz und Wahlspruch der württembergischen Reformation (B).8

Anmerkungen

  1. Vgl. die vorangegangene nr. 294.
  2. 1. Petr. 1, 25 und Jes. 40, 8.
  3. Vgl. nr. 260 und Stammtafel Kaltental.
  4. Vgl. nr 238.
  5. Vgl. nr. 301 und Stammtafel Nothaft.
  6. Dazu vgl. nr. 294 und oben Einleitung S. XXXVIII.
  7. Vgl. nr. 298.
  8. Der scheinbare Widerspruch erklärt sich wohl daraus, daß Wolf Philipp von Hirnheim im Dienste des seit 1534 evangelischen württembergischen Herzoghauses stand, während die Herren von Kaltental, Agathas Brüder und Neffen, die Einführung der Reformation in Aldingen bis 1568 hinauszögerten, obwohl auch sie württembergische Lehensleute waren; vgl. W. Hagen, Die Reformation in Aldingen, in: HgW 1 (1949/50) 78ff.

Nachweise

  1. Literaturangaben wie bei nr. <link record:di025-0294>294</link>.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 295 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0029509.