Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 290 Schwieberdingen, ev. Pfarrkirche St. Georg vor 1551

Beschreibung

Grabdenkmal des Konrad von Nippenburg. Im Chor, vierter Stein der Nordwand; vor der Restaurierung von 1964 im Langhaus an der Nordwand. Hochrechteckige Platte aus grauem Sandstein, randlos, unten vorspringender Sockel. Der Ritter steht barhäuptig zwischen seinem Vollwappen und seinem Helm, zu Häupten zwei Ahnenwappen mit Beischriften, verbunden durch eine Girlande mit Putto als Wappenhalter; in der Mitte der Girlande Kugel mit Aufschrift; in der Sockelzone vier Ahnenwappe mit Beischriften. Geringe Beschädigungen, Dolch des Ritters und eine der beiden Helmzieren des Vollwappens abgebrochen.

Maße: H. 212,5, B. 91, Bu. 4,8 und 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel (Wappenbeischriften) und Kapitalis.

DI 25, Nr. 290 - Schwieberdingen - vor 1551

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. Zierkugel:INRI

 
Wappen:
Nippenburg (geviert)

  
Ahnenwappen mit Beischriften:
· Alt Nyppenburg · Berg ·
Von Waldeck1) · Doerlingena) · langen2) · laubemberg ·

Kommentar

Obgleich keine Grabschrift vorhanden ist, läßt sich der Verstorbene mit Hilfe der Wappen als Sohn des Hans von Nippenburg (gest. 1479?) und der Anna von Berg (gest. 1512) identifizieren.3 Von den drei Söhnen des Paares – sie waren 1479 bei ihrer Belehnung noch nicht mündig – kommt nur Konrad in Frage, denn die beiden mittleren Wappen am Sockel beziehen sich auf dessen erste und zweite Gemahlin: Rosilia Thorlinger4 und Anna Lang.5 Die äußeren Wappen gehören zu der vierfachen Ahnenprobe des Verstorbenen. Da das Wappen seiner dritten Gemahlin Agnes Zweifel6 nicht angebracht wurde, wird das Denkmal vor der letzten Eheschließung zu Lebzeiten Konrads in Auftrag gegeben worden sein. Konrad ist vor 1552 Feb. 15 verstorben7; dies spricht für eine Ansetzung spätestens 1551, was mit dem Stil des Bildwerks in Einklang steht.

Textkritischer Apparat

  1. Über dem o kreisrunder Punkt, nach dem l vier Hasten (= Doerlungen).

Anmerkungen

  1. Hier für Heimerdingen. Die von Waldeck führen dasselbe Wappen; vgl. Alberti I 293.
  2. Wappenbild: schräg gestellter Mauerhaken (= Schenk von Winterstetten).
  3. Vgl. nrr. 119, 209 und Stammtafel Nippenburg.
  4. J. P. von Helmstatt, fol. 54f. (Stammtafel Nippenburg): „Rosilia Thürling“. Ihr Wappen auf dem Grabstein des Ehepaares Thorlinger (gest. 1479/1528) in der Pforzheimer Stiftskirche; vgl. KdmBaden IX 6, 46 und Abb. 124.
  5. J. P. von Helmstatt, fol. 54f.: „Anna Längin Pauli Wilden Filia“. – Anstelle eines bürgerlichen Wappens erscheint hier unmotiviert das Wappen Schenk von Winterstetten, offenbar entlehnt aus der Wappenfolge am Grabmal von Konrads Mutter Anna von Berg.
  6. Bezeugt 1554/1556 in Stuttgart als „Hofmeisterin der jungen Fräulein“; vgl. Pfeilsticker 385. Ihr Grabstein ehemals ebd. in der Stiftskirche (Todesdatum 1558); vgl. Crusius, Annales Suevici III 700.
  7. Th. Schön, Regesten Nippenburg, in: Leutrum, Frauenkirche nr. 550.

Nachweise

  1. OABLudwigsburg 1859, 314.
  2. Willi Müller, Schwieberdingen, das Dorf an der Straße. Ludwigsburg 1961, Abb. 48 und S. 59.
  3. Rau, Nippenburg 1971, 7ff., Abb. S. 11.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 290 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0029004.