Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 277 Nussdorf (Gem. Eberdingen), Schloß 1540/45 (?)

Beschreibung

Grabplatte der beiden Gemahlinnen des Christoph von Venningen, Magdalena geborene von Ehrenberg und Elisabeth geborene von Kaltental. Jetzt im „Kreuzgang“ nördlich vom Wohngebäude; ehemals in der Stadtkirche zu Vaihingen a. d. Enz, später in den Bereich der Peterskirche ebd. verlegt.1 Querrechteckige Platte aus gelbem Sandstein mit Umschrift (A) zwischen Linien; in dem eingetieften Feld drei Wappen in flachem Relief, gestellt 1:2; zu beiden Seiten des oberen Wappens die Inschriften B und C in zwei Blöcken, bezogen auf die unteren Wappen. Schlechter Erhaltungszustand, Teile der Rahmenleiste ausgebrochen, Oberfläche abgewittert (Buchstabenverlust).

Maße: H. 89,5, B. 164, Bu. 4,3 (A), 3,3 (B, C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel, Mischform.

DI 25, Nr. 277 - Eberdingen-Nussdorf - 1540 / 45 (?)

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    Under disem [. . . . . .] Ligend [. . . . . . . . . . . . . .] / Dem Christoff Von Ve[nning]en / Elich · hausfrawen [. . . . .n] · got wolle mit gnade(n) / Ir seel bewaren · /

  2. B

    Anno d(omi)ni 1540 vff den / [3.] tage Jnnera) ist verschiden / die Edel vnd tugentsam / fraw Magdalena von Ven/ingen geborne von Ern/[berg] der got genedig sey. /

  3. C

    Anno d(omi)ni 1545 vff den / 16. tag Martii ist verschiden / die Edel vnd [tuge]ntsam / fraw Elisabeth von veninge(n) / geborne von kaltental der / gott genedig sey. /

Wappen:
Venningen
EhrenbergKaltental

Kommentar

Christoph von Venningen stand als „Diener von Haus aus“ in württembergischen Diensten; wegen seiner Fehde mit Sebold von Siglingen2, dem markgräflich badischen Landschreiber, wurde 1539 die Reichsacht über ihn verhängt; vom Amt des Obervogts zu Vaihingen (seit 1535) wurde er bis zur Beilegung des Streites 1541 dispensiert; er starb 1545 als württembergischer Hofrat und Gesandter des Schmalkaldischen Bundes auf einer Dienstreise in Calais. Seine Eltern waren der badische Landhofmeister Konrad von Venningen (gest. 1532) und Maria von Hirschhorn. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er die Witwe des Eberhard von Reischach, Elisabeth, Tochter des Jacob von Kaltental und der Elisabeth von Stadion.3

Die Ausführung des Grabsteins in querrechteckiger Form ist ungewöhnlich.4 Die Schrift verrät die Hand eines Steinmetzen, der die Schwierigkeiten einer Frakturschrift nicht bewältigte. Die Verwendung einzelner Versalien aus der Bastard-Kapitalis – wie epsilonförmiges E und eine unziale Form für M – erinnert an einen Steinmetzen, der in Unterriexingen mehrfach nachweisbar ist.5 Als einziges erhaltenes Denkmal aus der Vaihinger Stadtkirche ist der Stein bemerkenswert.

Textkritischer Apparat

  1. „Jenner“ (= Januar). – Klemm 1871, 199: „3. Juni“.

Anmerkungen

  1. Zur Verschleppung Vaihinger Grabsteine vgl. Einleitung S. XXII.
  2. Vgl. Pflüger, Pforzheim 287.
  3. Zur Person vgl. Pfeilsticker 1529, 2984; Bernhardt II 695ff. – Siehe auch die Stammtafeln Kaltental und Reischach.
  4. Vergleichbar ein Grabstein in Hilsbach von 1406; vgl. DI. XVI (Mannheim/Sinsheim) nr. 215.
  5. Vgl. nrr. 253, 272, 273, 280 etc. und oben Einleitung S. XXXVIII.

Nachweise

  1. Andreae, Memorialia 1619, 253ff.
  2. Klemm, Erinnerungen 1871, Nr. 50, S. 199.
  3. Klemm, Erinnerungen 1872, Nr. 2, S. 7 nr. 13.
  4. Klemm, Grabschriften 1874, Nr. 14, S. 53 nr. 116.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 277 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0027708.