Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 269 Hemmingen, Schloß (Rathaus) (1492), 1542, 16. Jh.

Beschreibung

Inschriften im Bereich der Schloßanlage östlich der Pfarrkirche.

I. Hauptbau, Nordseite, an der westlichen Außenwand eines Anbaues mit massivem Untergeschoß und Fachwerk-Obergeschoß; hochrechteckige Tafel aus Sandstein, links von der Tür eingelassen. Oben dreizeilige Inschrift (A); darunter Relief des hl. Lorenz mit seinem Attribut, dem Rost, und einem Eimer, aus dem er Wasser auf einen Pfeiler (?) oder ein rechteckiges Gebäude (?) links unten schüttet; unten Rest einer Inschrift (B), zum größten Teil abgeplatzt und vernichtet; glatte Rahmung. Neue Fassung in graugelber Steinfarbe, Schrift überarbeitet.

Maße: H. 85, B. 50, Bu. 2,6 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

  1. A

    [. .]a) Lorentze(n) bin ich genant /Gott bewahre dises Haus / vor feyer und brand /

  2. B

    MCC[. . . . . . . .] /[. . . . . . . . . . .] /

Die Jahreszahl in B ist vielleicht als MCCCCXCII zu ergänzen, weil eine am westlichen Teil des Hauptbaues als Spolie wiederverwendete Bauinschrift von 1722 sich auf eine Renovation von 1492 bezieht.1 Im Kern dürfte dieser Hauptbau, der heute eine Baugruppe aus verschiedenen Epochen darstellt, das mittelalterliche Steinhaus des Ortsadels derer von Hemmingen enthalten, die 1331–1444 als württembergische Lehensträger bezeugt sind. Ihre Rechtsnachfolger waren die von Nippenburg; nach deren Aussterben kam der Besitz an die von Varnbüler. Alle diese Schloßherren haben Umbauten vorgenommen, die durch Wappensteine bezeugt sind. Das heutige Aussehen wird von der Umgestaltung durch Christian Friedrich Leins im Jahr 1852 bestimmt.

Der Befund der Inschrifttafel ist mit dem Datum 1492 schwer vereinbar. Die Frakturschrift und der Stil des Reliefs weisen auf eine Entstehung frühestens Ende 16. Jahrhundert. Da ein Brand für 1590/1591 bezeugt ist, könnte die Tafel als Ersatz für eine ältere von 1492 im Zuge einer Reparatur gefertigt worden sein. Lorenz wurde als Schutzpatron angerufen, da er der Patron der benachbarten Pfarrkirche war.

II. Neuer Bau, östliche Giebelseite außen, auf einem Eckquader aus hellgrauem Sandstein an der Nordostkante des Gebäudes. Oben Schriftband, darunter zwei Wappenschilde in Relief, Tingierung aus neuerer Zeit.

Maße: H. 50, B. 60, Bu. 3–4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. L(UDWIG) · V(ON) · N(IPPENBURG) · 1 · 542 /

 
Wappen:
Nippenburg (geviert) Neideck

Die Inschrift bezieht sich auf den Neubau des sog. Neuen Schlosses zur Unterscheidung vom Hauptbau, welches 1542 südwestlich von diesem durch Ludwig von Nippenburg, den Sohn des ersten Erbschenken Philipp (gest. 1526)2, erbaut wurde. Über dem Eingang Wappentafeln der Varnbüler (seit 1650 im Besitz von Hemmingen).

Textkritischer Apparat

  1. Nicht deutbares Zeichen, vielleicht für S(ank)t.

Anmerkungen

  1. Hauptbau, Südseite, über dem Eingangstor: „Renoviert A(nn)o 1492 / und Wider Anno 1722 / IO(HANN): EBERH(ARD) · FERD(INAND) · FRID(RICH) · Gebr(üder) / IOH(ANN) · FRID(RICH) · VARNBÜLER / VON und zu HEM(M)INGEN / Gott Allein die Ehr /“; darunter Inschrift von 1852.
  2. Zur Genealogie vgl. Stammtafel Nippenburg.

Nachweise

  1. OABLeonberg 1930, 819.
  2. Burgen und Schlösser im Kreis Ludwigsburg. Ludwigsburg 1981, 79ff.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 269 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0026909.