Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 256 Vaihingen a. d. Enz, Peterskirche (Heimatmuseum) 1533

Beschreibung

Fragment von der Grabplatte des Heinrich Gremper (Grempp, Gremp von Freudenstein). Im Lapidarium unter dem Chor; nach Klemm soll der Grabstein zwischen 1856 und 1872 beim Hinausschaffen aus der Kirche zerstört worden sein; das Fragment später vermutlich in Zweitverwendung im Bereich des Kirchhofs. Das annähernd rechteckige Bruchstück aus gelbweißem Sandstein ist zu ergänzen als hochrechteckige Platte mit 5–6zeiligem Schriftblock und Wappenschild; vergleichbar in der Gestaltung nr. 259, nur hier ohne Ritzlinie parallel zum Rand. Erhalten die linke obere Ecke.

Ergänzungen nach Klemm.

Maße: H. 43, B. 53, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 256 - Vaihingen a. d. Enz - 1533

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni · [1533 uf den 7. ]/ tag · december(s) · sta[rb der ernvest und]/ Wolgelertt · [mayster]/ heinrich · grem[per dem gott gnedig sein woll amen]/

Wappen:
Gremp von Freudenstein

Kommentar

Heinrich, Bruder des Conrat1, war 1483 in Tübingen immatrikuliert2, 1504 siegelte er für seinen Bruder Onuphrius d. Ä. (Siegel verloren)3; 1523 war er Glied des Landtagsausschusses4; 1524 siegelte er als „mayster Heinrich Gremper“ mit dem Schwanenwappen der Freudenstein, das mit dem hier verwendeten Wappen übereinstimmt.5

Andreae bezeichnete Heinrich als besonderen Wohltäter beim Neubau der Vaihinger Stadtkirche 1513ff., weshalb ihm dort ein in lateinischer und deutscher Sprache abgefaßtes Epitaph gesetzt worden sei (vom Kirchenbrand 1618 vernichtet). Aus demselben Grund sei auch seiner Brüder Conrat (gest. 1531), Dionysius (gest. 1534) und Onuphrius (gest. 1554) dort gedacht worden.6 Gabelkover zitiert: „A(nno) 1533 · 7 · Dec(embris) starb der ehrnvest · Heinrich Gremper welcher zu uffrichtung diser Kirchen, mit Handraichung vnd ander weg, vil fürderung gethon hat“.7 Angesichts der meist sehr verkürzten Zitierweise Gabelkovers ist keine Klarheit zu gewinnen, ob dies ein Teil des Wortlauts auf dem von Andreae erwähnten Epitaphs war.

Die Schrift des Grabsteins ist eine Spätform der Minuskel, ausgezeichnet durch schwungvoll ausgezogene Ober- und Unterlängen (bei h, l und g) und durch reich verzierte Versalien; eng verwandt ist nr. 259.

Anmerkungen

  1. Vgl. nr. 254; dort Nachweis der Literatur.
  2. Hermelink 11, 10.
  3. Klemm, Gremp von Freudenstein 1885, 178.
  4. Pfeilsticker 1419.
  5. Klemm, Gremp von Freudenstein 1885, 176. - Zur alten Form des Gremp-Wappens s. nrr. 228, 254.
  6. Andreae, Memorialia 250. – Aus dem Text bei Andreae geht nicht hervor, ob die hier von ihm zitierten Gebrüder Gremp ebenfalls durch eigene Epitaphien geehrt wurden oder ob es sich um eine gemeinsame Stifter-Gedenktafel handelte.
  7. Gabelkover, Stuttgart WürttLB. Cod. hist. F 22, p. 813 c. – Jedenfalls bezog sich Gabelkovers Notiz vermutlich ebenso wie Andreaes Hinweis auf ein verlorenes Epitaph und nicht auf den vorliegenden Grabstein.

Nachweise

  1. Klemm, Erinnerungen 1871, Nr. 50, S. 198.
  2. Klemm, Erinnerungen 1872, Nr. 2, S. 7 nr. 11.
  3. Klemm, Grabschriften 1874, Nr. 14, S. 53 nr. 114.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 256 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0025606.