Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 250 Großsachsenheim (Stadt Sachsenheim), ev. Pfarrkirche St. Fabian und Sebastian um 1520/ 1530

Beschreibung

Grabdenkmal des Reinhart d. J. von Sachsenheim. In der Kapelle an der Nordseite des Langhauses, Nordwand. Aedikula mit der fast vollrund ausgearbeiteten Figur des Verstorbenen. Material gelber Sandstein mit Resten farbiger Fassung, Schrift schwarz nachgezogen. Als Bekrönung die Grabschrift (ehemals 5 Zeilen), flankiert von zwei Helmen mit Helmzieren, die zugehörigen Wappenschilde unten am Sockel der Rahmenarchitektur. Diese ist aus gedrehten Halbsäulen gebildet, die einen Bogen aus abgebundenen Blattgirlanden tragen; im Blattwerk und vor den Säulenschäften spielende Putten. Der Ritter trägt ein Barett mit Federbusch und Kinnriemen und hält eine Lanze in der Rechten. Die unteren Teile von Lanze und Schwert abgebrochen, Helm und Löwe zu Füßen beschädigt. Anfang und Ende der Grabschrift sind zerstört bzw. nicht nachgetragen.

Maße: H. 260, B. 98, Bu. 4–5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 250 - Sachsenheim-Großsachsenheim - um 1520 / 1530

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. [Anno d(omi)ni · 1560 · starb · der · / edel · vnd · fest · ivncker / renhart · von sache(nheim) / dem · got · gnedig / se[in well] /

Wappen:
Sachsenheim Alt-Sachsenheim

Kommentar

Reinhart, geb. um 1480, war 1517/18 württembergischer Diener mit zwei Pferden und Vogt zu Vaihingen; 1534–39 nach der Rückkehr Herzog Ulrichs war er Hofrat.1 Die Wappen beziehen sich auf seine Heirat mit Margarethe von Alt-Sachsenheim.2 Er erneuerte das Schloß Sachsenheim nach einem Brandunglück3 und hat offensichtlich lange vor seinem Tod die Grabmäler für sich und seine Frau in Auftrag gegeben. Darauf deuten – abgesehen von der unvollständigen Grabschrift – die Form von Hut und Harnisch und die Gestaltung der Rahmenarchitektur. Da diese auf die Rahmung des Grabmals des Propstes Martin Altweg, datiert 1518, in der Denkendorfer Klosterkirche zurückgeht, hat W. Deutsch eine Ansetzung in den 1520er Jahren vorgeschlagen und sieht einen Zusammenhang mit der Stuttgarter Werkstatt des Jörg Töber.4 Eng verwandt ist das Grabmal des Wolf von Stammheim in Geisingen.5 Die Schrift ist eine derbe, breit ausgeformte Minuskel mit Paragraphenpunkten als Worttrennung. Der Geschlechtsname erfuhr eine übermäßige Abkürzung.

Anmerkungen

  1. Zur Person vgl. Pfeilsticker, Registerband; Bernhardt II 588f.; zur Genealogie Stammtafel Sachsenheim. – Bernhardt gibt als Todestag 1561 Aug. 14 an; da dies der Todestag des Bernhard von Sachsenheim (nr. 316) ist, liegt wohl eine Verwechslung vor.
  2. Ihr Grabmal ist als Gegenstück zu dem des Gatten gearbeitet; vgl. nr. 251.
  3. Vgl. nr. 275.
  4. Zur kunsthistorischen Einordnung vgl. W. Deutsch gegen Halbey, der – von den Todesdaten ausgehend – zu einer wesentlich späteren Ansetzung und damit zu einer anderen Zuweisung kam. Dazu auch oben Einleitung S. XXXVI.
  5. Vgl. nr. 252.

Nachweise

  1. Klemm, Grabschriften 1874, Nr. 10, S. 40 nr. 25.
  2. Halbey 1954, 38, 46ff. und Kat. nr. 16.
  3. Bachteler, Großsachsenheim 1962, 97 u. Abb. 13.
  4. Ders., in: Sachsenheim, Tor zum Stromberg. Sachsenheim 1975, 72 mit Abb.
  5. W. Deutsch, Ein Esslinger Bildhauer der Spätgotik und seine Schule. In: Esslinger Studien (Zeitschrift) 18 (1979) 29–162; hier 105ff. und Abb. 82.
  6. Bachteler, Stadtkirche Großsachsenheim 1984, 13 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 250 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0025008.