Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 229 Nussdorf (Gem. Eberdingen), Schloß um 1520

Beschreibung

Fragmente eines Altar-Retabels, im Erdgeschoß im mittleren Raum der Westseite als Türblatt verwendet, welches in ein Türgestell in Neu-Renaissance-Stil eingefügt ist. Holz, bemalt. Zwei hochrechteckige Teile (I, II) von gleicher Größe, oben stichbogig endend, in neue Leisten gefaßt; unten jeweils gemalter dunkelgrüner Streifen mit Beischrift in weiß. Trennpunkte dreieckig.

I. Bischof nach rechts, mit aufgeschlagenem Buch und Pedum; zu Füßen Schwein als Attribut. Hintergrund moosgrün, abgebundene Girlande anstelle eines Baldachins.

Maße: H. 106,5, B. 31,5, Bu. 3,4-3,7 cm.

Schriftart(en): Bastard-Kapitalis.

  1. · S(ANCTVS) · MEOTARTVS · /· S(ANCTVS) · ONOFERVSa) · /

II. Bärtiger Heiliger nach links, mit dichtem Haarkleid und Blattkranz um die Lenden; er hält in der Rechten ein Buch mit einer Krone darauf und in der Linken ein schmales Kreuz geschultert. Hintergrund hellrot, mit kleinen dunklen Zweigen (Schablone) besetzt; Girlande anstelle des Baldachins.

  1. · S(ANCTVS) · ONOFERVSa) · /

Kommentar

Richard Frh. v. Reischach unternahm 1879–1882 einen Neubau des Schlosses. Als Kunstsammler stattete er Schloß und Garten in der Folgezeit mit Kunstdenkmälern der verschiedensten Art und Herkunft aus.1 Der heutige Besitzer hat bei der Übernahme des Schlosses die Reste der Kunstsammlung übernommen und an ihrem Ort belassen.2

Die beiden Fragmente bildeten vermutlich Vorder- und Rückseite eines auseinandergesägten Retabelflügels. Dargestellt sind die nicht sehr verbreiteten Heiligen Medardus, Bischof von Vermand, Noyon und Tournai, und Onuphrius, Eremit aus fürstlichem Haus.3 Die Ansetzung um 1520 ergibt sich aus der abgebundenen Girlande, einem aus der Graphik der Frührenaissance entlehnten Motiv. Damit steht die Ausführung der Schrift im Einklang.

Textkritischer Apparat

  1. N retrograd.

Anmerkungen

  1. Vgl. die in Vaihingen aufgekauften Grabplatten (z. B. nrr. 228, 277); ferner sind vorhanden: mehrere Brunnen, Steinskulpturen, feingeschnitzte Türblätter des 17. Jahrhunderts etc. Im sog. Rittersaal sind gemalte Scheiben in einen Zyklus von Wappenscheiben des späten 19. Jahrhunderts einbezogen, die folgende Inschriften tragen: „Maria von / Bernau / 1589 / Joh. Michael/ ehefrauen“ und „Jos. effringen / von wildeck / 1610 / Jacob eberhard I. / ehefrauw“. In das südliche Fenster ist eine Schweizerscheibe eingefügt mit der Beischrift „Die von Mecklenburg“. Da die Inschriften und die gesamte Ausführung eher wie Nachahmungen des 19. Jahrhunderts und nicht wie Originale aussehen, sei bis zur endgültigen Klärung hier auf den Sachverhalt hingewiesen.
  2. Herrn Gerhard Hessenthaler, Vaihingen, sei für die Erlaubnis der Publikation herzlich gedankt.
  3. Lexikon der christlichen Ikonographie (hrsg. v. E. Kirschbaum u. W. Braunfels) VII 624 und VIII 84ff.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 229 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0022901.