Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 215 Vaihingen a. d. Enz, ev. Stadtkirche U. L. Frau 1513, 1521

Beschreibung

Inschriften am Außenbau.

Wortlaut nach Klemm.

DI 25, Nr. 215 - Vaihingen a. d. Enz - 1513

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

I. Bauinschrift an der westlichen Giebelwand des Langhauses, an einem Strebepfeiler des nördlichen Seitenschiffs unterhalb vom Kaffgesims. Quader aus gelbem Sandstein, Stirnseite vierzeilig beschriftet; Buchstaben dunkel nachgezogen.

Maße: H. ca. 40, B. 88, Bu. ca. 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. Hic subtus hvivs strvcture / Lapis primus posit(us) est secvnda / avgusti anno salvtis millesi(m)o / qvingentesimo tredecimo · /

Übersetzung:

Hier unter [diesem Pfeiler] wurde der erste Stein dieses Bauwerks gelegt am 2. August im Jahre des Heils 1513.

II. Bauzahl und Beischrift am Südportal des Langhauses. Rechteckige Rahmung, von dreifacher Rundbogenrahmung durchdrungen. „An dem oberen Teil des Halbkreises“ die Bauzahl. Im Tympanon Relief der Kreuztragung Christi. In der Mitte der vielfigurigen Komposition hält eine männliche Figur mit Kappe einen „Zettel“ über dem auf die Knie gesunkenen Heiland empor. Bauzahl und Beschriftung nicht mehr erkennbar.

  1. 1521 / Sap. 2: Circu(m)ueniamus iustum, cum inutilis est nobis.1) Hier. 11: eradamus eu(m) de terra vive(n)tiu(m).2) Sap. 2: morte turpissima co(n)deamus eum.a)3)

Übersetzung:

So laßt uns auf den Gerechten lauern; denn er macht uns viel Unlust. – Laßt uns (…) ihn aus dem Lande der Lebendigen ausrotten. – Wir wollen ihn zum schändlichen Tode verdammen. (Übersetzung nach Luther).

Kommentar

Die Kirche wurde als „Capella sancte Marie“ 1239 Nov. 3 erstmals erwähnt4; Pfarrkirche der Stadt war – wie auch andernorts – die außerhalb der Mauern liegende Peterskirche. Die Pfarrechte scheint die Kirche im 15. Jahrhundert erworben zu haben; jedenfalls schuf der Neubau oder Umbau, auf den sich I bezieht, die Voraussetzungen für eine Nutzung als weiträumige Stadtkirche.5

Aus II geht hervor, daß der Bau langsam voranschritt. Das Tympanon ist die einzige erhaltene Skulptur aus der Bauzeit.6 Das Relief von hervorragender Qualität steht in der Nachfolge des Hans Syfer von Heilbronn und ist vielleicht als ein Werk seines Bruders Lienhart (nachweisbar 1509–1535) anzusehen.7 Wie der umfangreiche Bibeltext auf der von Klemm noch gelesenen Tafel des Kriegsknechtes angeordnet war, ist nicht ersichtlich; jedoch besteht kein Grund, an Klemms Überlieferung zu zweifeln.

Textkritischer Apparat

  1. So für condemnemus illum.

Anmerkungen

  1. Sap. 2, 12.
  2. Hier. 11, 19.
  3. Sap. 2, 20.
  4. WUB III 437, nr. 934.
  5. Vom frühgotischen Vorgängerbau wurden die unteren Geschosse des Westturmes und Teile der westlichen Giebelwand einbezogen. Der Bau blieb unvollendet und erhielt erst nach 1614 eine nachreformatorische Gesamtausstattung; vgl. nr. 565.
  6. Der Stadtbrand von 1618 vernichtete die alte Ausstattung. Auf den Wiederaufbau durch Heinrich Schickhardt weist die Bauzahl 1619 mit Stz. nr. 59 an der Westwand des Südseitenschiffs. Zur Baugeschichte vgl. Feil 227–231.
  7. Zu diesem vgl. Seeliger-Zeiss, Lorenz Lechler 1967, 161ff.

Nachweise

  1. Gabelkover, Stuttgart WürttLB, Cod. hist. F 22 p. 813 b.
  2. Sattler 1752 (Ausg. 1948), 125.
  3. OABVaihingen 1856, 86.
  4. Klemm, Erinnerungen 1872, Nr. 1, S. 3.
  5. Ders., in: Bes. lit. Beilage des Staatsanzeigers für Baden-Württemberg 1875, 59.
  6. Klemm-Nachlaß, Stuttgart WürttLB, Cod. hist. Q 347, Kapsel 4.
  7. Paulus, Neckarkreis 470.
  8. Feil 228.
  9. A. Schahl, in: Um Stromberg und mittlere Enz. Vaihingen a. d. Enz (1972), 312.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 215 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0021500.