Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 213 Markgröningen, kath. Pfarrkirche Hl. Geist (Spitalkirche) nach 1512

Beschreibung

Gemalte Inschriften an den Wänden der unter dem Spitalmeister Johannes Betz errichteten Bauteile.

I. Turmhalle (jetzt Taufkapelle), Westwand. Dreizeilige Inschrift, in Höhe der Gewölbekonsolen auf die Wand aufgemalt. Wahrscheinlich ursprünglich von Konsole zu Konsole durchlaufend, jetzt durch große Fehlstelle in der Mitte unterbrochen und auf der linken Seite – also jeweils am Zeilenanfang – fast ganz zerstört. Schwarz auf weißem Grund, bei der Restaurierung aufgedeckt und übergangen, mehrere Fehlstellen.

Maße: H. (Schriftstreifen) ca. 25–30, Bu. ca. 3–4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 213 - Markgröningen - nach 1512

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/4]

  1. [. . . . .]s. m[. . . . . . . .]nria[.] hailige(n) gaistz orde(n) die xi[v no]thelfera) die gmartert /[. . . . .] die [. . . . . . . . .]vn(d) vallentin woellent vnser firsprech sin Anastasia die /[. . . . . . . . . . . . . . . . . . .]eren was sie vnß bitten vnsern herren vn(d) vnß erwerbenb) /

Die Bauskulpturen des Raumes – Konsolen mit Halbfiguren unter polygonalen Deckplatten – stehen offenbar nicht in Beziehung zu der Inschrift. Sie stellen einen jugendlichen Mann mit Spruchband ohne Schrift, einen bärtigen Mann mit Spruchband (Prophet?) und einen Engel mit Meisterschild dar1; der Gewölbeschlußstein – Rundscheibe mit Halbfigur eines Engels, der ein Wappenschild mit dem Buchstaben a und einer liegenden Wolfsangel hält – ist bislang nicht gedeutet, bezieht sich aber wohl auf einen Stifter des Bauteils.2 Für 1512 ist überliefert, daß – abgesehen von einem schon 1277 genannten Marienaltar – Altäre für folgende Heilige vorhanden waren: die hll. Jakobus d. Ä., Andreas, die vierzehn Nothelfer, Hippolyt, Anastasia, Anastasius, Valentin und Quirianus.3 Da in dem Inschriftfragment die vierzehn Nothelfer und Valentin und Anastasia vorkommen, wäre denkbar, daß wenigstens diese Heiligen ehemals in der Kapelle verehrt wurden; weitere könnten genannt gewesen sein. Dann wäre es möglich, die Inschrift als eine gemalte Weiheinschrift für den Altar und damit auch für den Kapellenraum anzusprechen.4

II. Nördlicher Anbau zwischen Chor und Turm, ehemals Kapitelsaal oder Kapelle (jetzt Sakristei). Rechteckiger Raum, ehemals von einem zweijochig angelegten Gewölbe geschlossen, dessen Gewölbeanfänger erhalten sind.5 Es sind Konsolen mit Halbfiguren von bärtigen Männern mit modischen Kappen und Spruchbändern in Händen – also wohl Propheten – in den Ecken des Raumes. Eine fünfte Halbfigur in der Mitte der Nordwand ist als Glied des Hospitaliter-Ordens durch den Mantel mit dem Spitalkreuz ausgewiesen.6 Die Spruchbänder tragen keine Inschriften, weil diese nicht eingehauen, sondern wohl nur aufgemalt waren. Fast alle Konsolen sind durch Schlageinwirkung stark beschädigt und haben noch Farbspuren. Jeder Konsole ist ein breites, kurzes Schriftband zugeordnet, das etwas unterhalb direkt auf die Wand aufgemalt ist. Soweit erkennbar, waren diese Schriftbänder vierzeilig beschriftet; Buchstaben schwarz auf hellem Grund. Befund durch die Restaurierung entstellt und äußerst fragmentarisch.

Maße: H. ca. 33, B. ca. 70, Bu. ca. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

Nordostecke:

  1. [. . . . . . . . / . . . . . . . . . / . . . . . . . . . .] / vor sunden lästern vn(d) [. . . . . .] /

Südostecke: (unleserlich)

Südwestecke: (unleserlich)

Nordwestecke:

  1. [. . . . . . . .] [Mari]am matrem [. . . . . . . . .]tem / [. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .] est [. . . .] / [. . . . . . . . . . . .]una(m) hic [. . . . . . . .] / [. . . . . . . . . .] geben vns gott alzyt [. . . . .] /

Kommentar

Für die zeitliche Ansetzung dieser Fragmente kann die Bauinschrift am Außenbau aus dem Jahre 15127 als terminus post herangezogen werden. Das ursprüngliche Dekorationsprogramm ist nicht mehr zu rekonstruieren. Die Schrift spricht für eine Entstehungszeit um 1512. Es ist eine dekorativ gestaltete Minuskel mit gespaltenen Oberlängen und weit nach links ausgezogenen Anstrichen bei v und w. Nächstverwandt ist die Schrift gleichzeitig entstandener Grabsteine.8

Textkritischer Apparat

  1. Sinngemäß ergänzt.
  2. Dem Sinn nach vielleicht fortzusetzen … das ewige Heil oder ähnlich.

Anmerkungen

  1. Meisterzeichen nr. 16. Zu diesem auch in Schwieberdingen und Ditzingen nachweisbaren Meister vgl. oben Einleitung S. XXXV.
  2. Nach Adelmann – in: Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg 1 (1958) 74, mit Abb. – das Wappen des Spitalmeisters Alexander Vetter. Da dieser aber 1484–1490 – also lange vor dem doch wohl mit dem nördlichen Anbau verbundenen Turmbau – im Amt war, wird diese Verbindung fraglich.
  3. So G. Hoffmann, Kirchenheilige in Württemberg 62.
  4. Zu solchen gemalten Weiheinschriften vgl. nrr. 6, 182.
  5. Bei der Restaurierung 1981 wurde eine Zwischendecke eingezogen.
  6. Die Konsole gilt als Bildnis des Bauherrn, des Spitalmeisters Johannes Betz (1507–1532), der in der Bauinschrift über dem Portal an der Nordseite genannt ist und dessen Wappentier, der Bär, in das Maßwerk des östlichen Fensters der Kapelle eingefügt ist.
  7. Zur Baugeschichte siehe bei nr. 212.
  8. Vgl. z. B. nrr. 217, 219.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 213 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0021304.