Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 200 Eglosheim (Stadt Ludwigsburg), ev. Pfarrkirche St. Katharina 1500–1510

Beschreibung

Inschriften auf Schriftbändern im Bereich des Langhaus-Gewölbes. Netzgewölbe, getragen von vier Propheten-Konsolen und zwei Konsolen mit den Halbfiguren des Baumeisters und eines Gehilfen; im Scheitel des Gewölbes an jedem Kreuzpunkt der Rippen ein Schlußstein in Vierpaßform mit dem Relief eines Apostels mit seinem Attribut. Vier der Apostel-Halbfiguren sind zusätzlich Spruchbänder mit Beischriften beigegeben. Zwischen dem zweiten und dritten Schlußstein (von Ost) kreisförmige Öffnung in der Gewölbekappe, umgeben von skulptiertem Wolkenband und den vier Evangelisten-Symbolen mit Spruchbändern in den Zwickeln. Sandstein, farbig gefaßt; Schriftbänder weiß mit dunkelgrauer Beschriftung zwischen roten Begrenzungslinien. Schriftzüge restauriert.

Maße: Dm. (eines Schlußsteins) ca. 50, Bu. ca. 8–10 cm.

Schriftart(en): Bastard-Kapitalis.

DI 25, Nr. 200 - Ludwigsburg-Eglosheim - 1500-1510

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/4]

I. Dritter Schlußstein mit dem hl. Judas Thaddäus:

  1. S / IV/[D]AS / T[H]/AD/EAa) /

II. Siebter Schlußstein mit dem hl. Jakobus d. Ä.:

  1. S / IACOB /

III. Achter Schlußstein mit dem hl. Jakobus d. J.:

  1. IACOB / KL[E]IN . . /

IV. Neunter Schlußstein mit dem hl. Bartholomäus:

  1. BAR/THO

V. Öffnung zum Dachboden (sog. Kirchenhimmel):

  1. LVC/AS / IO/HA[NNES] S / MA[R]CV/S S M/ ATH/ [ÄVS]

Kommentar

Die 1357 erstmals erwähnte Kirche (Patrozinium ursprünglich U. L. F. – später hl. Katharina) ist – wie durch Grabungen nachgewiesen werden konnte – wesentlich älter.1 Der heutige Bau entstand 1441/1444 als stattliche Wallfahrtskirche, von der Chor und Turm erhalten sind.2 Das Langhaus erhielt seine heutige Form eines gewölbten, reich mit Skulpturen geschmückten Saalbaues 1497ff.3 Die Meisterfrage ist ungeklärt.4 Nächstverwandt im Aufriß ist die Unterkirche der Marienkapelle des Klosters Hirsau (Lkr. Calw), deren Ausführung 1508–1516 durch Martin von Urach inschriftlich gesichert ist.5 Die Halbfiguren der Apostel als Gewölbeträger sind dort in gleicher Weise wie hier die Propheten anstelle des Kapitells zwischen Dienstbündel und einer Deckplatte eingefügt, von der die Gewölberippen aufsteigen. Stilistisch sind die Skulpturen so eng verwandt, daß an eine gemeinsame Werkstatt gedacht werden kann.6

Die Schrift – in beiden Fällen aufgefrischt – ist eine maßstäblich große, aber in den Proportionen eher schmale Kapitalis mit Bastardformen (mandelförmiges O, A mit abgespreizter rechter Haste und nach rechts ausgezogenem Deckstrich, Knotenbildung).

Textkritischer Apparat

  1. So für IVDAS THADDAEVS.

Anmerkungen

  1. Zur Orstgeschichte OABLudwigsburg 1859, 213. – Zur Geschichte und Baugeschichte der Kirche O. Paret, in: LudwigburgerGbll. 13 (1957) 95–98 (Grabungsbefund); M. Otto, ebd. 19 (1967) 138–144 (mit Übersicht über die Renovierung 1965); H. Gengnagel, Die evangelische Kirche zu Eglosheim. Ludwigsburg 1968 (Walter-Heimatführer 103; hier Angaben zur Literatur).
  2. Datiert durch den Wappenschmuck der Sakristei, der Graf Ulrich V. von Württemberg und seine Gemahlin Margarethe von Cleve (gest. 1444) als Bauherrn und Inhaber des Patronats ausweist; vgl. dazu M. Otto, in: HgW 18 (1967) 20f.
  3. Über dem Südportal des Langhauses Bauzahl 1497 (in der älteren Literatur meist als 1478 wiedergegeben); an der mit Statuetten der Muttergottes und der vier Kirchenväter gezierten Steinkanzel die Bauzahl 1498 in gotischen Ziffern. Die Spruchbänder der Engelkonsolen unter den Statuetten heute ohne Beschriftung.
  4. Eine Zuschreibung der Konsolfiguren an Christoph von Urach vertritt A. Schahl (in: Das Münster 12 (1959) 167–174; ebenso in: Neckarschwaben 1966, 233). H. Gengnagel (vgl. Anm. 1) brachte Martin von Urach in die Diskussion.
  5. Dies erkannte schon Koepf, in: HgW 2 (1950) 50; ebenso Gengnagel a. a. O. 6.
  6. Das ursprüngliche Gewölbe ist in Hirsau nicht erhalten (heute neugotisch rekonstruiert), jedoch zeigt ein Gewölbeschlußstein in der Stein-Sammlung engste Verwandtschaft mit den Eglosheimer Schlußsteinen.

Nachweise

  1. M. Otto, in: HgW 10 (1959)59–62; ebd. 11 (1960) 43–45; 49–50.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 200 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0020003.