Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 198 Großsachsenheim (Stadt Sachsenheim), ev. Pfarrkirche St. Fabian und Sebastian 1508

Beschreibung

Epitaph bzw. Totenschild des Jörg von Sachsenheim. Im Langhaus an der Südwand. Hochrechteckige Holztafel, bemalt nach dem Schema spätgotischer Wappengrabsteine mit Umschrift; im Feld schrägstehendes Wappen mit Helm und Helmzier, rot-silbern tingiert auf schwarzem Grund, Umschrift schwarz auf weißem Grund; schmale Randleiste.

Maße: H. ca. 130, B. ca. 65, Bu. ca. 4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 198 - Sachsenheim-Großsachsenheim - 1508

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni · Mccccc · viii · jar · / do · starb · der · edel · vnd · fest · juncker · joͤrg · von · sachsenhain · / des · alten · her · horman · Son · / ann · Sant · jacobs · tag · des groͤser(n) · dem. got gnaͤdig · sy · /

Datum: 25. Juli.

Wappen:
Sachsenheim

Kommentar

Der Verstorbene wurde 1427 als Sohn des Minnesängers Hermann d. Ä. von Sachsenheim und der Anna von Straubenhart geboren und besaß zusammen mit seinem Bruder, dem württembergischen Landhofmeister Hermann d. J., in Stuttgart ein stattliches Anwesen.1 Seine Frau, Elisabeth Moll, entstammte der Stuttgarter Ehrbarkeit. Zu Lebzeiten ließ er in der Stuttgarter Hospitalkirche ein Sandstein-Denkmal errichten, das den knienden Ritter vor der thronenden Muttergottes zeigt (datiert 1489).2 In Verbindung mit diesem Denkmal werden drei Inschriften überliefert: eine Marienanrufung in Gedichtform, eine Altarstiftung und die Grabschrift Jörgs.3 Letztere stimmt im Wortlaut mit der vorliegenden Inschrift überein. Jörg wurde in Stuttgart bestattet, erhielt aber in der Großsachsenheimer Pfarrkirche, der Grablege seines Geschlechtes, das gemalte Epitaph in Gestalt eines rechteckigen Totenschildes. Diese Form ist im Bearbeitungsgebiet in einem zweiten Beispiel von 1464 erhalten.4

Die Schrift ist eine hervorragend gestaltete gotische Minuskel. Der Umlaut von a und o wird durch ein kleines e über dem Vokal angegeben.

Anmerkungen

  1. Biographische Daten siehe Stammtafel Sachsenheim.
  2. Heute Stuttgart, Städt. Lapidarium, Mörikestr. 24. – Das Denkmal war Teil eines Votiv- oder Epitaph-Altars; vgl. dazu A. Diehl, in: ZWLG 3 (1939) 103; Halbey 1954, 99f. u. Kat. nr. 29.
  3. Wortlaut zuletzt bei A. Wais, Alt-Stuttgart. Die ältesten Bauten, Ansichten und Stadtpläne bis 1800. Stuttgart 1954 (2. Aufl.), 43f.; ferner Halbey 1954, Kat. nr. 29. – Auf dem Denkmal trägt Jörg die Kette des Ansbacher Schwanenritter-Ordens; ein kleiner Schild mit Kreuz unter der Figur soll auf den Deutschen Orden hinweisen. Er wird mit dem sog. Sachsenheimer Gebetbuch der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart in Verbindung gebracht; vgl. W. Irtenkauf, in: HgW 12 (1961) 3–5; 13 (1962) 3.
  4. Vgl. nr. 93. – Weitere rechteckige Totenschilde sind im Ulmer Münster erhalten; vgl. A. Rieber, in: 600 Jahre Ulmer Münster. Ulm 1977, Abb. 158 (Forschungen zur Gesch. d. Stadt Ulm 19).

Nachweise

  1. Klemm, Grabschriften 1874, Nr. 10, S. 40.
  2. Bachteler, Großsachsenheim 1962, 66.
  3. Ders., in: Sachsenheim, Tor zum Stromberg. Sachsenheim 1975, 61 mit Abb.
  4. Bachteler, Stadtkirche Großsachsenheim 1984, 12 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 198 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0019800.