Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 194 Oßweil (Stadt Ludwigsburg), ev. Pfarrkirche St. Januarius 1504

Beschreibung

Inschriften vom ehemaligen Lettner der Kirche.

Maße: H. ca. 85, B. ca. 95, Bu. ca. 4–5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 194 - Ludwigsburg-Oßweil - 1504

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

I. Im Langhaus an der Nordwand eingelassen. Querrechteckige Tafel aus Sandstein, farbig gefaßt, oben durch profiliertes Gesims abgeschlossen. Im vertieften Feld Vollwappen in Relief, darüber zwei bogenförmig angeordnete, mehrfach gefaltete Spruchbänder ohne Inschriften; in der Mitte über der Helmzier das Steinmetz-Zeichen nr. 7 des Peter von Lan. An der Stirnseite des oberen Gesimses Inschrift.

  1. Heinrich von · kalttentala) /

 
Wappen:
Kaltental

II. Gemalte Inschrift am Lettner, zusammen mit diesem vermutlich im 18. Jahrhundert bei der Neugestaltung des Langhauses zerstört. Überliefert durch Gabelkover.

  1. A(nno) · 1504 · Daniel Nothaftb) /

Kommentar

Gabelkovers Angaben sind so vage, daß nicht deutlich ist, ob noch weitere Inschriften vorhanden waren.1 Doch verdanken wir ihm den Hinweis auf das Jahr 1504 als Entstehungsjahr des Lettners. Als der Neubau der Kirche 1491 bis zur Einwölbung des Chores fortgeschritten war2, teilten sich die Kaltental, Nothaft und Baldeck in die Ortsherrschaft. Möglicherweise war der Lettner eine gemeinsame Stiftung; über seine Gestaltung ist nichts bekannt. Die widersprüchlichen Angaben in der Literatur sind heute nicht mehr nachprüfbar.

Heinrich von Kaltental3 starb 1504; sein Grabmal ist in Aldingen erhalten. Daniel Nothaft, badischer Hofmeister und Vogt zu Mundelsheim, heiratete 1500 Afra von Urbach; er starb 1536.4 Seine Schwester Anastasia Nothaft, deren Name vielleicht ebenfalls am Lettner aufgemalt war5, war die Ehefrau des Hans von Baldeck (gest. 1529).6

Die Schrift ist auf beiden Seiten durch eingeritztes Rankenwerk bereichert. Der Anfangsbuchstabe H ist reich ausgeziert, die Oberlängen sind gespalten. Peter von Lan, der Meister des Fragments, ist sowohl als Bildhauer wie als Architekt nachweisbar7; er arbeitete mehrmals mit dem Steinmetzen Hans Ulmer zusammen, so auch hier, denn dieser war der Meister des Oßweiler Chorgewölbes, was am Gewölbeschlußstein mit Meisterzeichen (Stz. nr. 6 a) abzulesen ist.

Textkritischer Apparat

  1. Hopff (1701) beschreibt den Lettner nicht näher, aber überliefert andere Inschriften: „oben an dem Freybogen vor dem Chor, in der Mitten stehend, Heinrich von Kaltenthal Jacob, und Jerg Sein Sohn.“
  2. Hopff: „auf der Rechten Hand Daniel Nohthafft, die Jahrzahl A° 1504; Auf der linken Hand an der andern Seithen Hans von Baldeckh.“

Anmerkungen

  1. Die Notiz von Gabelkover lautet: „Ibidem am letttner pingitur A. 1504 · Daniel Nothaft eius ut soror ut quondamque (?) cognata da … fuisse Anastasia von Baldeck que appingitur“.
  2. Vgl. nr. 152.
  3. Vgl. nr. 193 und Stammtafel Kaltental.
  4. Vgl. Stammtafel Nothaft.
  5. Siehe Anm. 1.
  6. Vgl. nr. 249.
  7. Siehe oben Einleitung S. XXXV, ferner nr. 223 (1516).

Nachweise

  1. O. Gabelkover, Stuttgart HStA J 1 / 48 g II fol. 553 a.
  2. Hopff, Stuttgart HStA A 155 Bü 64 (1701).
  3. H. M. Murr, in: HgW 9 (1958) H. 1, S. 6.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 194 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0019404.