Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 166† Nussdorf (Gem. Eberdingen), ev. Pfarrkirche Hl. Kreuz 15. Jh. und 1586

Beschreibung

Wandgemälde im Langhaus der Kirche, 1945 durch Kriegseinwirkung zerstört.

I. An der Nordwand. „Großes“ Wandgemälde mit der Darstellung von Christus vor Pilatus; in der linken, unteren Ecke Mann und Frau als kniende Stifter, darüber Spruchband (A); in der rechten, unteren Ecke kniender männlicher Stifter mit Spruchband (B); dazwischen Inschrift (C).

Keine Bildquelle nachweisbar; Wortlaut der Inschriften nach Klemm (Nachlaß).

  1. A

    [. . . . . . . .] erbarm dich über uns /

  2. B

    miserere n(o)s(t)ri Deus /

  3. C

    johan(n)es truttwin pfarer /

Der Ikonographie nach handelte es sich um ein Wandgemälde aus spätgotischer Zeit. Der Name des Stifters – vermutlich auf die kniende Figur rechts zu beziehen – weist auf die mehrfach durch Inschriftendenkmäler im Bearbeitungsgebiet nachweisbare Familie Trutwin von Vaihingen.1 Ihr Wappen erscheint in der Nussdorfer Kirche auch im Weltgerichtsbild im Chor, das 1482 datiert ist.2 Möglicherweise bestand zwischen der bis heute erhaltenen Ausmalung des Chores und der verlorenen Wandmalerei im Schiff ein Zusammenhang.

II. An der Südwand Handwerkerinschrift in Zusammenhang mit einem Zyklus von gemalten Bibelsprüchen aus nachreformatorischer Zeit. Gestaltung unbekannt.

Wortlaut nach Klemm, Grabschriften 1874.

  1. Marte Sonszmann und hans beringer die awena) waren helgenipslerb) in dem jar 1586. /

Kommentar

Bemerkenswert ist, daß die nachreformatorische Ausmalung offenbar das Andachtsbild aus katholischer Zeit nicht getilgt, sondern – ebenso wie die Ausmalung im Chor – beibehalten hat.

Textkritischer Apparat

  1. Bedeutung unklar, wohl Lesefehler von Klemm.
  2. Ipser = mundartliche Form für Gipser, Tüncher; vgl. H. Fischer, Schwäbisches Wörterbuch 4, Sp. 46. – Das Wort wäre demnach als „Heiligen-Tüncher“, d. h. Tüncher im Auftrag der Kirchenpflege, zu verstehen.

Anmerkungen

  1. Vgl. nrr. 43, 72, 104 u. ö. Da Johannes ein Leitname der Familie war, kann keine Verbindung mit einem der urkundlich genannten Glieder gewagt werden. Angeblich war ein Johannes Trutwin 1545–1548 Pfarrer in Nussdorf (vgl. Festschrift Nussdorf). Das durch die Anrufungen der knienden Stifter als ausgesprochen spätmittelalterlich anzusehende Programm ist zu dieser späten Zeit nicht mehr denkbar.
  2. Vgl. nr. 128.

Nachweise

  1. Klemm, Grabschriften 1874, nr. 11, S. 43.
  2. Nachlaß A. Klemm, Stuttgart WürttLB Cod. hist. 347, Kapsel 4 (Stichwort Nussdorf).
  3. Paulus, Neckarkreis 480.
  4. Festschr. zur Einweihung des ev. Gemeindehauses Nussdorf. Nussdorf 1982, (26).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 166† (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0016607.