Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 165 Markgröningen, kath. Pfarrkirche Hl. Geist (Spitalkirche) 2. H. 15. Jh.?

Beschreibung

Nische in der Nordwand des östlichen Chorjoches mit Inschrift im Scheitel des Stichbogens, auf drei Quader aus grauem Sandstein verteilt; der Scheitelstein ca. 1 cm eingesunken, ohne Profilierung, Oberfläche durch Scharrieren aufgerauht, Reste roter Fassung.

Maße: H. 26, B. ca. 80, Bu. 9–11 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 165 - Markgröningen - 2. H. 15. Jh.?

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. ·/all · her · na/ch ·

Kommentar

Die im 16. Jahrhundert häufige Formel „all hernach“ in Verbindung mit Grabdenkmälern1 scheint hier nicht unmittelbar mit einem solchen verbunden gewesen zu sein; denn die Nische war sicher nicht zu einem Nischengrab eines Ordensgeistlichen, sondern zu einer Heilig-Grab-Gruppe gehörig. Die Figur des toten Christus und möglicherweise ehemals vorhandene Beifiguren sind verloren2; erhalten ist nur die untere Ausmauerung, auf der die Christusfigur gelegen haben könnte. Ferner ist links über der Nische eine stark beschädigte Konsole mit einem Spruchband ohne Inschriftreste erhalten, die vielleicht ehemals in Zusammenhang (Stifterfigur?) mit der Gruppe stand. – Daß die Formel gelegentlich auch in Verbindung mit der Passion Christi gebraucht wurde, ist durch das Epitaph des Oswald Wolfauer (gest. 1518) an der Heiliggeistkirche Landshut belegt, wo sie als Unterschrift des Schweißtuchs Christi erscheint.3

Die Schrift ist unbeholfen in der Ausführung, die Buchstaben in Ausrichtung und Größe wechselnd; das a in hernach ist mißlungen. Daraus könnte ein Hinweis auf die zeitliche Ansetzung vor der Bautätigkeit des Johannes Betz und den in seinem Auftrag gestalteten Schriftdenkmälern abzulesen sein.4

Anmerkungen

  1. Vgl. nr. 79 (nach 1456). – Den hohen Grad von Beliebtheit gerade dieser Formel zeigt ihre Verwendung auf Grabdenkmälern so prominenter Personen wie des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (Mainz, Dom, datiert 1540; vgl. DI. II nr. 400) und des Deutschmeisters Walter von Cronberg (Mergentheim, Dominikanerkirche, gest. 1543).
  2. Zum Typus vgl. A. Schwarzweber, Das Heilige Grab in der Bildnerei des Mittelalters. Freiburg 1940.
  3. V. Liedke, Die Baumeister- und Bildhauerfamilie Rottaler, in: Ars Bavarica 5/6 (1976) 94ff. mit Abb.
  4. Vgl. nrr. 196, 197, 212. u. ö.

Nachweise

  1. Christa Seliger 1968, 54.
  2. Much 1981, 21ff. mit Abb. (I).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 165 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0016509.